Die SP macht aus dem Badi-Essen ein Politikum

Eine SP-Motion will den Gemeinderat verpflichten, mit den Betreibern der Badi-Beizen in Bern über billigere Angebote zu verhandeln.

Ein klarer Fall von Billig-Hotdog, wie ihn die SP in den Badis will.

Ein klarer Fall von Billig-Hotdog, wie ihn die SP in den Badis will.

(Bild: Archiv Bund)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Das Essen in den Berner Badis wird zum Thema im Stadtparlament: In einer dringlichen Motion fordert die SP/Juso-Fraktion den Gemeinderat dazu auf, mit den Badi-Pächtern über «kostengünstige Elemente für kleine Portemonnaies» im Angebot zu sprechen. Die Stadt als Eigentümerin der Lokale müsse einen «sozialen Ausgleich herstellen», schreibt die SP/Juso-Fraktion.

Die neuen Pächter in drei der fünf Berner Badeanstalten gerieten vor allem wegen der Preise unter Beschuss. So kostet ein Hotdog aus regionaler Produktion Franken 9.50, was mehr als einer Verdoppelung des bisherigen Preises entspricht. «Ohne bösen Willen tragen die Pächter damit die Gentrifizierung in die Schwimmbäder der Stadt Bern», heisst es im Vorstoss. Viele Familien, Studierende oder Lernende könnten sich das Essen in der Badi nicht mehr leisten. «Es darf nicht nur Hipster-Essen geben. Eine normale Glace wie zum Beispiel eine ‹Rakete› sollte auch angeboten werden», sagt Juso-Stadträtin Tamara Funiciello. Der Streit um die Preise für das Essen in den Badis zeige, dass es im real existierenden Wirtschaftssystem nicht möglich sei, fair und nachhaltig produzierte Ware zu «anständigen Preisen» zu verkaufen. «Daher ist der Kampf um billige Hotdogs auch eine Form des Klassenkampfes», sagt Funiciello.

Stadt will Preise nicht vorgeben

Bei den Bürgerlichen sieht man keinen Handlungsbedarf. In der Beiz des Freibads Ka-We-De sei das Essen jedenfalls «gut und sättigend», sagt SVP-Fraktionschef Alexander Feuz. Allenfalls hätte die Stadt bereits bei der Ausschreibung Einfluss auf das Angebot nehmen sollen. Eine Änderung der Spielregeln bei laufendem Betrieb sei jedenfalls nicht angebracht. «Die Pächter sollen bei der Gestaltung des Angebots frei sein», sagt Feuz. Schliesslich trügen sie auch das finanzielle Risiko selber. «Wir sind bereit, mit dem Gemeinderat über unser Angebot zu sprechen», sagt Arci Friede von der Badi Beizli GmbH. Dabei müssten aber auch andere Betreiber städtischer Beizen einbezogen werden. Die Debatte habe eine «komische Dynamik» angenommen. So stünden die wenigen kritischen Rückmeldungen aus der Kundschaft in keinem Verhältnis zur Aufregung der Jusos und zur «aufgebauschten Berichterstattung». Er sei sich nicht sicher, ob das Ganze bloss ein Hype sei oder tatsächlich einem Bedürfnis der Kundschaft entspreche, sagt Friede.

Nach Angaben der Stadt sind die Beizer in Angebot und Preisgestaltung frei. Angesichts des Wetterrisikos und der beschränkten Öffnungszeiten sei es aber «unrealistisch, den Betreibern Vorgaben zu den Preisen oder dem Sortiment zu machen», sagt Roland Meyer, Generalsekretär der Finanzdirektion.

Der Bund

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