Die Rückkehr der Autos wirft Fragen auf

Die Schützenmatte wird nun doch nicht autofrei. Ein Entscheid, der von links kritisiert wird und der Rechten nicht weit genug geht.

Die Schützenmatte wird nun doch nicht autofrei.

Die Schützenmatte wird nun doch nicht autofrei. Bild: Keystone

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Auf den Parkplätzen der Schützenmatte wird die grosse Einigkeit angestrebt. Die Stadt und der Gewerbeverband stehen kurz vor einer Einigung, was die künftige Nutzung der Parkplatzfläche angeht. «Rund ein Drittel des Platzes wird dauerhaft fürs Parkieren benutzt werden können», bestätigte Verbandspräsident Thomas Balmer gestern gegenüber dem «Bund». Es ist ein Kompromiss, der in der städtischen Politik eine Kontroverse auslöst. «Ich bin über diese Einigung ziemlich überrascht», sagt SP-Stadtrat Michael Sutter. Er sieht dadurch einen Parlamentsentscheid rückgängig gemacht. Tatsächlich hat der Stadtrat letzten November entschieden 400'000 Franken für die Planung einer autofreien Schützenmatte freizugeben und auf die jährlichen Parkeinnahmen von 600'000 Franken zu verzichten.

Sorge um Aufenthaltsqualität

Ob das Parlament in der geplanten Kompromissfindung noch zum Zug kommt, ist nicht anzunehmen. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) deutete bereits an, dass wohl nur der Gemeinderat die Einigung absegnen muss. «Dadurch würde sich der Gemeinderat über einen Stadtratsentscheid hinwegsetzen», sagt Sutter. Im geplanten Kompromiss sieht er jedoch nicht nur Schlechtes. «Wenn dadurch ein jahrelanger Rechtsstreit umgangen werden kann, habe ich dafür schon ein gewisses Verständnis.» Nur über die Umsetzung ist er besorgt. Vorgesehen ist, dass die Parkplätze nur noch Reisecars und Gewerbetreibenden vorbehalten werden sollen. Dennoch befürchtet Sutter, dass auch Privatpersonen die Plätze beanspruchen werden. «Die Gewerbeparkplätze in der Speichergasse sind ja auch dauernd vollgestellt.» Die Parkplätze würden zudem einer künftigen Nutzung der Schützenmatte im Wege stehen. «Die Gestaltung des Platzes wird leider eingeschränkt. Eine Begrünung wird beispielsweise schwieriger dadurch.» Darunter leide wiederum die Aufenthaltsqualität auf dem Platz. «Für Grossereignisse muss deshalb auch zukünftig eine temporäre Aufhebung sämtlicher Parkplätze möglich sein.»

«Verschwendeter Platz»

Auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums wird der Parkplatz-Kompromiss mit einer gewissen Skepsis beäugt. «Es ist besser als nichts, mir wäre es aber lieber gewesen, wenn mehr Parkplätze gerettet worden wären», sagt SVP-Stadtrat Alexander Feuz. «Aber das ist bei dieser rot-grünen Regierung kaum möglich.» Die Eindrittel-Lösung gibt Feuz zu denken. «Es gibt ja auch Fahrzeuge, die zum Beispiel wegen einem hohen Dach nicht auf Parkhäuser ausweichen können.»

Feuz sieht das künftige Schützenmattekonzept nicht als zielgerichtet. «Im Winter wird die Schützenmatte bis auf die Parkplätze leer sein. Das ist verschwendeter Platz.» Daher hätte er sich bei der Planung mehr Differenzierung gewünscht. Die Aufhebung der Mehrheit der Parkplätze ist ihm zu radikal. «Man kann dort auch ab und zu einen Flohmarkt veranstalten, ohne gleich alle Autos zu verbannen.» Wie sieht denn der SVP-Mann die künftige Nutzung der Schützenmatte? «Bestimmt nicht in einem Projekt wie dem Neustadtlab», sagt Feuz. «Das ist nur eine überteuerte Lösung, um endlich alle Autos wegzuhaben.» Für solche Treffpunkte gebe es in Bern mehr als genug Alternativen.

Parkplätze bald wieder weg?

Stadtberner GFL-Fraktionschef Lukas Gutzwiller sieht die Kompromissfindung als Schritt in die richtige Richtung. «Es ist gut, kann man mit einem Kompromiss die Blockade lösen. Gutzwiller glaubt nicht daran, dass die Parkplätze langfristig zwingend nötig sein werden. «Ob das Gewerbe wirklich auf die Parkplätze angewiesen sein wird, wird sich mittelfristig von selbst ergeben.» Das gleiche gelte auch für die Reisecars. Die künftige Nutzung der freien Fläche dürfe zwar einen kommerziellen Anspruch verfolgen, sollte aber auch einen kulturellen Anspruch haben. Dabei soll auch die Stadt einbezogen werden. «Kultur soll und darf von der Stadt auch finanziell unterstützt werden», sagt Gutzwiller. Es brauche aber ein klares Konzept. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.09.2017, 21:11 Uhr

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