Die Massen mobilisiert Trump in Bern nicht

Die Anti-WEF-Kundgebung vom Samstag war die grösste in Bern seit Jahren. Zu einer Massendemonstration vermochte der Umzug aber nicht anzuwachsen. Der Protest verlief friedlich.

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Marina Stalder@MarinaStalder
Simon Preisig@simsimst

Lange schien es, als ob an der alljährlich stattfindenden Anti-WEF-Demonstration die üblichen gut 200 Personen teilnehmen würden. Doch dann kam die entscheidende Botschaft, nur wenige Tage vor der Demonstration: US-Präsident Donald Trump wird das diesjährige World Economic Forum in Davos besuchen. Könnte dies die Anti-WEF-Demo befeuern und die Massen auf die Strassen locken? Kurz nach 15 Uhr begann am Samstag die von der Revolutionären Jugendgruppe (RJG) angekündigte Demo beim Käfigturm. Zwar nahmen mit 500–1000 Leuten so viele Personen wie seit Jahren nicht mehr an der Kundgebung teil. Dennoch blieb die grosse Menschenmenge, die wegen Donald Trump auf Berns Strassen ging, aus.

Gleiche Demo, andere Motive

Ein Mann der ein «Trump Racist – Not Welcome»-Schild hält, läuft eher im hinteren Teil der Demo mit. Er wäre heute nicht hier, hätte Trump nicht seine Teilnahme am WEF angekündigt, wie er sagt. Dass es verschiedene Motive gibt, um an einer Anti-WEF-Demo teilzunehmen, zeigt sich kurz darauf in einer Diskussion. Nachdem jemand hinter ihm «kein Staat, kein Kapital» ruft, entgegnet er aufgebracht: «Ja, wir müssen den US-Kapitalismus stoppen. Aber kein Staat? Ohne Staat sind wir nur kleine Würmer.»

Auch dem Ruf der Trump-Kritik sind die Juso gefolgt, welche bereits im Voraus ankündigten, an der Kundgebung teilzunehmen. Bei der Jungpartei zeigte man sich seitens «Bund» zufrieden mit dem Verlauf der Demonstration. Die Stimmung sei zwar aufgeheizt, aber stets friedlich gewesen, so Vera Diener von den Juso Stadt Bern.

Friedliche Demo ohne Sachbeschädigung

Obwohl die Demonstration wie jedes Jahr unbewilligt stattgefunden hat, liess die Kantonspolizei die Kundgebenden durch die Altstadt ziehen. Dies sei laut Christoph Gnägi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern, im Auftrag der Stadt so gehandhabt worden. Diese Strategie sei möglich gewesen, weil die Kundgebung friedlich abgelaufen sei, so Gnägi. Auch den Bundesplatz, welchen die Kantonspolizei bereits vor Beginn der Demonstration abgeriegelt hatte, umgingen die Demonstranten. Das Dispositiv sei dennoch aus Gründen der Sicherheit sichtbar platziert worden.

Nach einem Abstecher zum Hirschengraben zogen die Demonstranten Richtung Bollwerk und Schützenmatte, wo sich die Kundgebung um 16.30 Uhr auflöste. Sachbeschädigungen und Verhaftungen habe es laut Gnägi nicht gegeben. Einzig seien zwei Personen im Rahmen gezielter Personenkontrollen für weitere Abklärungen in Polizeiräumlichkeiten geführt worden.

Nach der Demonstration meldete sich auch die Revolutionäre Jugendgruppe (RJG) zu Wort. In einer Medienmitteilung werden besonders die Zivilpolizisten kritisiert. Diese hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung «massiv provoziert». Dennoch sei es möglich gewesen, die Demonstration «selbstbestimmt» enden zu lassen.

«Kill-Trump»-Transparent

An der Demo wurden zahlreiche kapitalismuskritische Transparente mitgeführt. Auch ein Plakat mit der Aufschrift «Kill Trump with his own weapons» (Tötet Trump mit seinen eigenen Waffen) war an vorderster Front zu sehen.

Ein gleiches Plakat, allerdings gegen den türkischen Präsidenten Erdogan gerichtet, hatte im vergangenen Frühjahr zu Verstimmungen zwischen der Türkei und der Schweiz gesorgt. Den anonymen Urhebern des Plakats bescherte das diplomatische Intermezzo internationale Aufmerksamkeit.

Verspätungen wegen Demo

Aufgrund des Demonstrationszuges ist es am Samstagnachmittag zudem zu Verkehrsbehinderungen gekommen.

DerBund.ch/Newsnet

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