Die Lizenz zum Ausschenken

Erdogan Bilal begann seine Karriere als Bierlieferant für Wohngemeinschaften. Jetzt eröffnet er 
im Lorrainequartier – diesmal ganz legal – die Zoobar.

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«Ich bin ein Berner, nur ein bisschen schneller», sagt Bilal Erdogan. Flink funktioniert der gebürtige Türke einen alten Bilderrahmen in eine Unterlage für den Kühlschrank um. Der frisch unterlegte Kühlschrank gehört zum Interieur der neusten Bar in Bern. In den Räumlichkeiten der Soon-Galerie, die sich an der Lorrainestrasse 69 der Förderung junger Künstler widmet, eröffnet Bilal mit einem Team am Samstag die Zoobar. Vom Lokal in der hinteren Lorraine ist er begeistert: «Man kann die grosse Türe aufmachen, dann sitzt man wie draussen.» Zum Beweis öffnet der zukünftige Wirt das zweiflüglige Tor zur Strasse. Und siehe da: Der äusserste Tisch steht wirklich fast unter freiem Himmel.

Neben zwölf ständigen Biersorten stehen wechselnde lokale Spezialbiere auf der Karte. «Von denen hat es, solange es hat. Da erhalte ich jeweils nur fünf bis zehn Harassen.» Nachher müsse er warten, bis die nächste Lieferung reif sei. Dass die Bierauswahl für ihn grosses Gewicht hat, kommt nicht von ungefähr. Er ist der Experte schlechthin: Seit 2008 beliefert er mit seinem Bierexpress viele alternative Cafés und Bars in Bern. Was als Dienstleistung für bierlose WG-­Partys begonnen hat, ist zu einem richtigen Getränkeservice geworden.

Mehr Schweizer als Türke

Der Weg zum Getränkehändler war lang. 1990 kam Bilal als Asylsuchender in die Schweiz. «Ich bin jetzt schon länger in der Schweiz, als ich je in der Türkei gelebt habe», sagt der heute 46-Jährige. Die Zeit am Anfang sei nicht einfach gewesen. Noch ohne Deutschkenntnisse wurde der Asylbewerber einem Durchgangszentrum in Uri zugewiesen. Als er auf dem Weg dorthin eine alte Frau nach dem Weg fragen wollte, flüchtete diese vor Schreck auf die Strasse.

In Bern fühle er sich eher willkommen, sagt Bilal. «Die Stadt hat mir immer gefallen, sie hat eine gute Grösse.» Hier fand er seine erste Arbeitsstelle: In einer Armierungseisenfabrik bog er ­Eisen zurecht. «Es war ein sehr harter Job, aber irgendwie musste ich Geld verdienen.» Mit einem Praktikum stieg er zwei Jahre später in den sozialen Bereich ein und betreute während 15 Jahren Menschen mit Autismus. Damals lernte er auch seine Freundin kennen, mit der er heute zwei Kinder hat.

Bar früher illegal

«Die Eröffnung der Zoobar ist eigentlich eine Wiedereröffnung», sagt Bilal. Nach dem Einzug der Soon-Galerie vor dreieinhalb Jahren wurde in den Räumlichkeiten schon damals eine Bar betrieben – illegal. «Wir mussten wieder schliessen, da die Gewerbepolizei vorbei­kam.» Für Vernissagen und spezielle Events wie die Tour de Lorraine ­hätten sie jeweils eine Einzelbewilligung beantragt. Im letzten September suchte die Gruppe um Bilal beim Regierungsstatthalter um eine definitive Gastro­bewilligung nach. «Es hat Einsprachen gegeben, nicht von den direkten Anwohnern, sondern von Leuten, die ein bisschen weiter unten an der Strasse wohnen.» Deren Einsprachen seien jedoch abgewiesen worden.

«Die Bewilligung liess nicht ­besonders lange auf sich warten», meint Bilal. Trotzdem ist er noch nicht wunschlos glücklich: «Wir können noch keine Bands mit Verstärkern spielen lassen. Die Lautstärkenbeschränkung lasse derzeit nur leisere Musik zu. Zudem darf ­Bilal auf dem Vorplatz keine Gäste bewirten. Darum will er bald ein weiteres Baugesuch einreichen, damit diese Einschränkung aufgehoben wird. «Bis dahin haben wir zum Glück das Tor.»

Eröffnungsfest Zoobar: Samstag, ab 17 Uhr. Mit The E’s, Jelipe Jalapeño (Spiegelkiste), Montalbano Project (Spiegelkiste) & DJ Prinz Paillette. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.06.2015, 06:45 Uhr

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