Die Kirche Heiligkreuz wird ein Zentrum für Rumänen

Jetzt hat das Rätselraten ein Ende: Die Katholiken der Stadt Bern verkaufen ihre Kirche in der Tiefenau an die rumänisch-orthodoxe Kirche. Ziemlich günstig.

Das Pfarreizentrum Heiligkreuz bleibt ein christliches Zentrum.

Das Pfarreizentrum Heiligkreuz bleibt ein christliches Zentrum. Bild: Valérie Chételat

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Am Mittwochabend an der Versammlung des Grossen Kirchenrates der römisch-katholischen Gesamtkirchgemeinde Bern und Umgebung wurde es öffentlich: Die Heiligkreuzkirche in der Tiefenau soll an die rumänisch-orthodoxe Kirchgemeinde St. Georg Bern verkauft werden. Ignaz Caminada, Präsident des Kleinen Kirchenrates, informierte die Versammlung darüber, dass ein Vorvertrag bereits unterzeichnet wurde. Dies sagte Karl Rechsteiner von der Kommunikationsstelle der katholischen Kirche Region Bern nach der Versammlung auf Anfrage. In den nächsten Monaten werde der Kaufvertrag ausgehandelt. Übergeben werde die Kirche voraussichtlich Mitte 2018. Die katholische Kirche zieht sich bereits Ende dieses Jahres aus dem Zentrum zurück.

Über den Preis machte Ratspräsident Caminada keine Angaben. Rechsteiner bestätigte jedoch die 900'000 Franken, die auf der Homepage der rumänisch-orthodoxen Kirchgemeinde St. Georg bereits vermerkt sind. Diese Zahl treffe zu, sagte er. Der Sprecher räumte ein, dass es sich um ein günstiges Angebot handle. Er gab zu bedenken, dass das denkmalgeschützte Pfarreizentrum, das in den 1960er-Jahren auf der Engehalbinsel gebaut wurde, auf dem Immobilienmarkt anderweitig kaum verkäuflich wäre. Die Katholiken seien froh darüber, dass das Gebäude weiterhin als Kirche genutzt werden könne. Der günstige Preis sei so gesehen auch als «ökumenisches Zeichen» zu verstehen.

Dass die Katholiken die Kirche in der Tiefenau, das administrative Zentrum der Pfarrei Heiligkreuz, verkaufen wollen, ist länger bekannt. Die Pfarrei, welche hauptsächlich die Engehalbinsel und die Gemeinde Bremgarten umfasst, verlegt ihren Schwerpunkt nach Westen ins St.-Johannes-Zentrum in Bremgarten (siehe «Bund» vom 16. März). Eine Zeit lang war sogar die Rede davon, dass die reformierte Matthäusgemeinde zu den Katholiken in die Heiligkreuzkirche ziehen könnte. Aus dieser ökumenischen Idee wurde aber nichts.

Mehr als bloss eine Kirche

Für die rumänisch-orthodoxe Kirchgemeinde St. Georg Bern, deren Einzugsgebiet weit über die Region Bern hinausreicht, bildet der Kauf «eine grosse Chance», wie Laurentiu Precup, Pfarrer und Gründer der Gemeinde, am Mittwochabend auf Anfrage sagte. Er sprach von «vielen Vorteilen». Die Kirchgemeinde hat bisher keine eigene Kirche. Die Gottesdienste werden in der katholischen Kapelle beim Inselspital abgehalten. Allerdings steht diese der Gemeinde nicht jeden Sonntag zur Verfügung. Da die Kirche in der Tiefenau viel mehr sei als bloss eine Kirche, dürfte sie nicht nur das Zentrum für die Gemeinde, sondern ein Zentrum für alle Rumänen in der Schweiz werden, sagte Precup. (Der Bund)

Erstellt: 27.04.2017, 07:11 Uhr

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