Die Erweiterung im Westen

Bern soll bis 2030 um 17'000 Bewohner zulegen. Um das Wachstum zu erreichen, muss die Stadt wohl auf der grünen Wiese in Bern-West bauen.

 «Sofern nötig und sinnvoll», plant die Stadt eine Erweiterung zwischen Westside und Niederbottigen.

«Sofern nötig und sinnvoll», plant die Stadt eine Erweiterung zwischen Westside und Niederbottigen. Bild: Adrian Moser

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Im Kampf gegen die Wohnungsnot rückt der Westen Berns in den Fokus der Planer. In Bern-Brünnen und im Gebiet Rehag sollen Wohnungen für über 3000 Personen entstehen. «Es ist ein mutiger Schritt, das Stadtgebiet mit neuen Überbauungen zu erweitern», sagte Stadtplaner Mark Werren am Montag vor den Medien.

Zusammen mit Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) und Baudirektorin Ursula Wyss (SP) präsentierte er am Montag das neue Stadtentwicklungskonzept (Stek), nach dessen Vorgaben der Gemeinderat die Entwicklung der Stadt bis 2030 vorspurt.

Die gesteckten Ziele sind ehrgeizig: In den nächsten 15 Jahren sollen in Bern 8500 neue Wohnungen für 17'000 Leute entstehen – das sind über 550 pro Jahr. Zum Vergleich: Heute werden auf Stadtgebiet jährlich 350 neue Appartements erstellt. Die geplante Überbauung auf dem Viererfeld umfasst 900 Wohnungen.

«Es braucht ein stärkes Wachstum in den Zentren als bisher, um die Zersiedelung zu stoppen», sagte Baudirektorin Ursula Wyss (SP). Mit den Wachstumsplänen setzt die Stadt die Vorgaben des kantonalen Richtplans um.

«Keine Totalopposition»

Tschäppät betont, dass man das Wachstum in erster Linie durch innere Verdichtung – etwa im Weyermannshaus oder auf dem Kasernenareal – erreichen wolle (siehe Interview rechts). Die Stadt rechnet aber damit, dass sich durch Anbauten oder Dachausbauten von bestehenden Wohnungen nur etwa die Hälfte der zusätzlichen Wohnungen realisieren lassen.

«Wir müssen nicht träumen, es braucht auch neue Überbauungen auf der grünen Wiese», räumte Stadtplaner Werren ein. Die Stadterweiterung sei bis 2030 nur im Westen realisierbar, weil auf den verfügbaren Flächen im Osten (Saali/Wittikofen) die Planung erst aufgenommen werden könne, wenn der Bypass der A 6 realisiert worden sei.

Wie nimmt die Bevölkerung in Bern-West die Ausbaupläne der Stadt auf? «Es gibt keine Totalopposition wie gegen die BLS-Werkstätte», sagt Bernardo Albisetti, Präsident der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB). Ein zentrales Anliegen sei, dass man das Siedlungs- und Landwirtschaftgebiet auch in Zukunft klar abtrenne und die Bauten eine hohe Qualität bei hoher Dichte aufwiesen.

«Zentrumsnaher Wohnraum in Bern-West hat viele Vorteile. Wir arbeiten konstruktiv mit.» Dennoch würden die Pläne bei der Bevölkerung sicher noch viel zu reden geben.

Wettbewerb der Städte

Von Bümpliz bis Wankdorf: Die Stadt hat im Stek insgesamt elf Gebiete mit hohem Wachstumspotenzial (sogenannte Chantiers) festgelegt, in denen Bern wachsen soll (siehe Karte unten). Dort sollen auch 15'000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. «Wir wollen eine grüne Wohn- und Arbeitsstadt», betonte Tschäppät weiter.

Ziel des Stek sei, die Lebensqualität weiter zu steigern und die Quartieridentität zu stärken. Der Gemeinderat will darum weitermachen mit der Aufwertung von Quartierplätzen- und Strassen – etwa auf dem Mühleplatz oder dem Helvetiaplatz. Als Vorzeigebeispiel nannte Gemeinderätin Wyss die Mittelstrasse.

Seit der Verkehrsberuhigung (und neuen Gastrolokalen) hat sich die einstige Durchgangsachse zum beliebten Treffpunkt der Länggasse gemausert. Nicht zuletzt darum will die Stadt den Autoverkehr weiter eindämmen und ÖV- und Veloverkehr fördern.

Im Stek ist auch vorgesehen, neue Parks in Bern zu schaffen – dies etwa beim Gaswerkareal im Marzili oder gar auf dem Bremgartenfriedhof. «Parks sind die Schatztruhen der Stadt, die Aare ist der prägende Grünraum», so Werren. Darum will die Stadt etwa den Elfenaupark, die englischen Anlagen beim Schwellenmätteli oder die historische Parkanlage Schütte am Aarehang in den nächsten 15 Jahren sanieren.

Mehr Grün trotz mehr Wachstum: «Es gibt einen Wettbewerb der Schweizer Städte, wer am besten verdichten kann», sagte Baudirektorin Wyss, die auch für das Stadtpräsidium kandidiert. Als mögliche oberste Stadtplanerin würde sie die Umsetzung des Stek 2016 in den nächsten Jahren massgeblich verantworten. Zuerst ist aber die Bevölkerung an der Reihe. Die Mitwirkung zum Stek 2016 startet am Donnerstag und dauert zwei Monate.

Informationen: www.bern.ch/stek2016 (Der Bund)

Erstellt: 23.08.2016, 06:34 Uhr

Verdichten und erweitern im Saali, Viererfeld und Weyermannshaus

Wo soll die Stadt Bern in den nächsten Jahren wachsen? Im neuen Stadtentwicklungskonzept (Stek) sind elf Gebiete aufgeführt, die sich gemäss Stadtregierung besonders für die innere Verdichtung eignen. Die Stadt spricht von sogenannten Chantiers. Diese sind über das ganze Stadtgebiet verteilt (siehe Karte).

Dazu gehören etwa das Gaswerkareal, das ehemalige Zieglerspital oder das Weyermannshaus. Es gibt aber auch Quartiere, die sich laut Stek weniger für die Verdichtung eignen: Altstadt, Kirchenfeld, Lorraine oder Länggasse. «In den hochwertigen Gründerzeitquartieren sind nur punktuelle Eingriffe möglich», sagte Stadtplaner Mark Werren kürzlich im «Bund».

Bauland gibt es in der Stadt Bern praktisch keines mehr, die Reserve beträgt 20 Hektaren. Saali-Ost, Springgarten und Hintere Schosshalde sind die letzten Flächen, die noch unbebaut sind. Die Stimmberechtigten haben im Juni allerdings der Überbauung des Vierer- und des Mittelfelds zugestimmt. Dort sollen neue Wohnungen für 3000 Menschen gebaut werden.

Für eine künftige Erweiterung der Stadt kommen gemäss Stek Flächen im Osten und Westen infrage. Das Gebiet Saali im Osten gehört nicht nur zur Stadt Bern, sondern auch zu den Gemeinden Muri und Ostermundigen.

Wohnbau in Bern: Gebiete mit hohem Wachstumspotential

(Grafik zum Vergrössern anklicken)

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