«Die Berner Innenstadt wird den Verlust der Kinos verkraften»

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) bedauert den Rückzug der Kitag-Kinos aus Bern und will mit der Qunnie-Betreiberin nach Lösungen suchen.

Kitag zieht sich aus dem Stadtberner Kino-Geschäft zurück und schliesst seine verbleibenden fünf Kinos.

Kitag zieht sich aus dem Stadtberner Kino-Geschäft zurück und schliesst seine verbleibenden fünf Kinos. Bild: Adrian Moser

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Bis in zwei Jahren schliesst die Kinobetreiberin Kitag sämtliche Kinos, die sie noch in der Innenstadt besitzt, also auch die Kinos Gotthard, Jura und Splendid. Was bedeutet das nun für die Innenstadt?
Ich bedaure die Schliessungen sehr, auch persönlich. Die Kinos sind ein wichtiges kulturelles Angebot und ihr Verschwinden ist ein Verlust. Leider ist die Entwicklung zu Mulitplex Kinos mit vielen Sälen sowie Gastro- und Event-Angeboten wohl kaum aufzuhalten. Immerhin gibt es mit den Quinnie-Kinos, dem Kino Rex, dem Kellerkino und der Cinématte nach wie vor ein gutes Film-Angebot in der Innenstadt, und ich bin zuversichtlich, dass diese Kinos auch langfristig weiterbestehen werden. Vielleicht wird ja sogar der eine oder andere Saal der Kitag auch in Zukunft von einer anderen Betreiberschaft als Kino weiterbetrieben.

Wird die Innenstadt nun etwas «tötelig», dominiert von leeren Schaufenstern der Banken und menschenleer, weil es bald auch keine Beizen mehr gibt?
Nein, davon kann keine Rede sein. Das Ende der Kinos ist ein Verlust, aber die Berner Innenstadt wird das verkraften. Es gibt eine äusserst lebendige Beizen-, Gastro- und Eventlandschaft sowie vielfältige kulturelle Angebote – die Innenstadt ist und bleibt attraktiv und lebendig.

Edna Epelbaum von Quinnie wirft der Politik vor, zu wenig für eine dynamische Innenstadt zu tun. Was entgegnen Sie?
Ich habe bereits mit Frau Epelbaum gesprochen, bevor die Schliessung der Kitag Kinos konkret war. Nun werden wir sicher wieder Kontakt aufnehmen und die neue Lage gemeinsam analysieren. Wir haben grosses Interesse daran, dass die Rahmenbedingungen für die verbleibenden Kinos in Bern stimmen.

Was kann die Politik für eine dynamische Innenstadt tun?
Wie gesagt, aus meiner Sicht ist die Berner Innenstadt sehr erfolgreich, das führt ja auch zu den hohen Mieten, die für die Kinos zum Problem wurden. Wir wollen die Innenstadt einladend und attraktiv gestalten. Entsprechend sind wir bestrebt, bestmögliche Rahmenbedingungen für einen vielseitigen Nutzungsmix zu schaffen. Dazu gehören beispielsweise die Aufwertung des öffentlichen Raumes, die Erreichbarkeit, die Umsetzung des Nachtleben-Konzeptes und das Ermöglichen von Anlässen in Parks und auf Plätzen.

Was tut die Stadt konkret?
Konkret konnten in der Aarbergergasse längere Öffnungszeiten für die Aussenbestuhlung umgesetzt werden und seit dem letzten Fahrplanwechsel fahren die Trams und Busse am Wochenende eine Stunde länger. Im Rahmen des neuen Richtplans Fussverkehr sollen zudem verschiedene Massnahmen umgesetzt werden, um die Attraktivität und die Aufenthaltsqualität in der Berner Innenstadt noch weiter zu erhöhen. Mit der Gesamtsanierung des Bären- und Waisenhausplatzes, und später auch von Zeughausgasse und Hodlerstrasse, sind weitere Aufwertungsmassnamen in Vorbereitung.

Wann waren Sie zum letzten Mal im Kino und was haben Sie gesehen?
Das war in den Weihnachtsferien an der Lenk, wo es ein hervorragendes Kino gibt. Ich habe «Die letzte Pointe» mit der liebenswerten Monika Gubser und «Loving Vincent» gesehen, ein absolut neues Filmerlebnis und eine eindrückliche Begegnung mit den Bildern von Vincent van Gogh. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2018, 19:10 Uhr

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