«Die Anwesenheit von Frauen hemmt die Randalierer»

Der neugegründete «Berner Frauenblock gegen Gewalt» will sich am Samstag zwischen Polizei und potenzielle Randalierer stellen. Die Polizei rät dezidiert vom Vorhaben ab.

Blumen statt Steine: Daniela Karst und Sybille Stahlberg wollen für eine friedliche Atmosphäre sorgen.

Blumen statt Steine: Daniela Karst und Sybille Stahlberg wollen für eine friedliche Atmosphäre sorgen. Bild: Adrian Moser

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Daniela Karsts Samstagsprogramm klingt wenig anmächelig: Ausgerüstet mit Helm, Schutzbrille und Schnittblumen will sich die 49-Jährige aus Bern zwischen Polizei und potenzielle Randalierer stellen, um Ausschreitungen zu verhindern. Zusammen mit drei Mitstreiterinnen – alle zwischen 40 und 50 Jahre alt und politisch unabhängig – hat die Journalistin den «Berner Frauenblock gegen Gewalt» gegründet. Im Idealfall stellten sich mehrere hundert Frauen der Gewalt in den Weg, sagt Karst.

Der Auslöser für die Gründung des Frauenblocks waren die Ausschreitungen im Zuge der Räumung des besetzten Hauses an der Berner Effingerstrasse. «Ich fand, die Gewaltspirale muss endlich ein Ende haben», sagt Karst.

Obwohl die auf Samstag geplante Demonstration «für direkte Demokratie» offiziell abgesagt wurde, schliesst Karst einen Aufmarsch von Demonstrationswilligen nicht aus. «Polizeidirektor Reto Nause liess verlauten, dass er am 18. März wohl mit Krawallen rechnet», heisst es auf der Website des Frauenblocks.

Den Idealismus in Ehren, doch ist es nicht Aufgabe der Polizei, für Ordnung zu sorgen? «Gewalt geht uns alle etwas an», sagt Karst dazu. Sie versteht den Frauenblock als zivilgesellschaftliches Engagement. Die Polizei habe – wie die Randalierer auch – in den letzten Jahren aufgerüstet. «Die Gewalt hat dadurch immer grössere Ausmasse erreicht.»

Mit dem Frauenblock will sie sich aber nicht auf die Suche nach Schuldigen machen, sondern schlicht für eine friedliche Atmosphäre sorgen. «Frauen wirken deeskalierend», sagt sie. So seien die meisten Randalierer männlich. «Die Anwesenheit von Frauen hemmt die Randalierer, Gewalt auszuüben.» Männer dürften sich zwar auch bei ihnen engagieren, sobald es aber brenzlig werde, sollten sie sich für einmal «aus Sicherheitsgründen» im Hintergrund halten.

Polizei: Das erschwert die Arbeit

Bei der Polizei zeigt man sich von Karsts Plänen wenig begeistert. «Wir raten ganz klar davon ab, sich zwischen Polizei und Demonstranten zu stellen», sagt Polizeisprecherin Ramona Mock. Einerseits sei es ein Risiko für die Beteiligten, wenn sie zwischen die Fronten gerieten. «Andererseits kann es auch die Arbeit der Polizei erschweren.» So suchten anonyme Krawallmacher häufig gezielt Schutz hinter Dritten.

«Wir wollen sicher nicht die Polizei bei ihrer Arbeit behindern», sagt Karst. Sobald es zu Ausschreitungen komme, werde man das Feld räumen. «Das oberste Ziel ist, Verletzte zu verhindern.» Mit allfälligen Gewalttätern, die sich unter den Frauenblock mischten, werde man kompromisslos verfahren: «Wir schieben sie direkt in die Arme der Polizei.»

Bei linken Frauen kommt das Engagement von Karst gut an. «Mir ist der Frauenblock sehr sympathisch», sagt Juso-Stadträtin Tamara Funiciello. «Wir sagen seit langem, dass dieses Mackertum, das ‹Schnäbimässen› von Männern, endlich ein Ende haben muss.» Selber wird sie am Samstag aber nicht mit dem Frauenblock unterwegs sein. «Ich demonstriere in Zürich für die Frauenrechte.»

Damit ist sie nicht alleine. Laut Karst läuft die Mobilisierung erst langsam an. «Viele Frauen gehen am Samstag an die Frauendemo nach Zürich», sagt sie. Klar sei, dass man die Übung abbrechen werde, wenn es zu wenig Frauen habe. «Die Sicherheit steht an erster Stelle.» (Der Bund)

Erstellt: 15.03.2017, 07:00 Uhr

18. März: Linke feiern «Erfolg» in der Reithalle

Die Demonstration «für die direkte Demokratie» am 18. März in Bern ist zwar abgesagt, dennoch kündigten Einzelpersonen auf den sozialen Medien an, nach Bern zu reisen. Doch wie schlimm wird es wirklich? Die Polizei hält sich bedeckt. «Wir beobachten die Lage laufend und passen unsere Sicherheitsvorkehrungen entsprechend an», sagt Polizeisprecherin Ramona Mock. Angesichts der kursierenden Aufrufe und der Ereignisse der jüngsten Vergangenheit werde die Polizei aber sicher mit einem Dispositiv präsent sein.

Der Verein Brennpunkt Schweiz, welcher ursprünglich zur Demonstration aufrief, rät auf seiner Facebook-Seite seinen Anhängern davon ab, trotzdem nach Bern zu gehen. «Wir werden sämtliche Posts löschen und Personen sperren, welche sich über unseren Entscheid hinwegsetzen», schreiben sie auf ihrer Facebook-Seite. Zudem bieten die Organisatoren aus SVP-nahen Kreisen sämtlichen Spendern an, das gespendete Geld zurückzubezahlen. Die Absage der Demonstration begründete der Verein damit, dass die Sicherheit der Teilnehmenden nicht gewährleistet sei.

Auf der linken Seite scheint wegen der Absage der Demonstration die Dringlichkeit von Protestaktionen nicht mehr gegeben. Die Gruppe «Rechte Hetze stoppen» veranstaltet dafür im Innenhof der Reitschule ein Fest, um den «Erfolg» zu feiern, wie die Gruppe auf Facebook schreibt. Ab 12 Uhr stehen Diskussionen, Tanz, Essen, Spiel und Basteln auf dem Programm.

Eine ähnliche Ausgangslage wie am Samstag gab es 2014, als die Demonstration «gegen Kuscheljustiz» abgesagt wurde. Auch damals kündigten Enttäuschte an, trotz der Absage in Bern aufzumarschieren. Das sorgte schliesslich zu einem Grossaufgebot der Polizei: Rund 1200 Polizistinnen und Polizisten hatten den Auftrag, sämtliche Demonstrationen im Keim zu ersticken. Letztlich hatten diese aber fast nichts zu tun: Nur eine Handvoll Demonstranten suchte den Weg in die Bundesstadt. (chl)

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