Die Aare übersteigt die Schadensgrenze

Am Donnerstag wird die Aare in Bern bis zu 430 Kubikmeter Wasser in der Sekunde führen. Urs Stucki von der Feuerwehr Bern erklärt, warum ein Aarepegel über der Schadensgrenze alleine kein Grund zur Sorge ist.

  • loading indicator
Christian Zellweger@@chzellweger

Herr Stucki, zum Zeitpunkt unseres Gespräches um 9 Uhr misst man an der Station Schönau einen Durchfluss von 415 Kubikmetern in der Sekunde. Warum ist der Wert aktuell so hoch? Die Pegel von Thuner- und Brienzersee steigen immer noch. Darum wird dort in Absprache mit dem Amt für Abfall und Wasser Wasser abgelassen. Der Durchfluss kann sich heute noch bis auf 430 Kubikmeter in der Sekunde steigern.

In den letzten Tagen hat man oft von der «Schadensgrenze» gesprochen, die bei 420 Kubikmetern in der Sekunde liege. Gibt es heute also Schäden in Bern? Nein. Der Begriff Schadensgrenze heisst nicht, dass es ab dieser Wassermenge direkt zu Schäden an Gebäuden kommt. Dies wäre nur der Fall, wenn wir bis dahin nichts unternommen hätten und die Aare weiter steigen würde. Dann würde es nicht mehr reichen, Sperren und Sicherungen rechtzeitig einzubauen, um ein Hochwasser zu vermeiden. Wir sind aber vorbereitet und haben die gefährdeten Stellen mit Beaverschläuchen gesichert, so etwa am tiefsten Punkt beim Restaurant Altenberg. Im Marzili oder in der Felsenau ist diese Schadensgrenze übrigens noch höher.

Seit dem Hochwasser von 2005 kam es in der Stadt Bern nicht mehr zu richtig kritischen Situationen. Warum eigentlich? Zum einen hat man den Hochwasserstollen in Thun erstellt. Damit kann man den Abfluss aus dem Thunersee viel besser regulieren. Zum anderen haben wir Beaver-Schläuche, die haben wir erst nach dem Hochwasser von 2005 angeschafft. Zusätzlich installieren wir bei Gefahr an den neuralgischen Stellen Alu-Wände, die sogenannten Talimex-Sperren und beginnen relativ früh, das Grundwasser in der Matte in die Aare zurückzupumpen.

Nach welchen Kriterien werden diese Massnahmen getroffen? Wir haben einen fixen Phasenplan. Je nach Wassermenge und Prognosen arbeiten wir die Punkte aus diesem Plan ab.

Vergangenen Montag haben Sie die Anwohner in der Matte früh informiert, obwohl der Wasserstand nicht kritisch war. Heute steigt die Durchflussmenge, eine Information bleibt aus. Woran liegt das? Solange sich für die Bewohner nichts verändert, lösen wir auch keinen Alarm oder kein Informations-SMS aus. Wenn wir jeweils beginnen, die Talimex-Sperren und die Pumpen zu installieren, informieren wir zuvor die Anwohner. So wissen sie, dass wir vorsorgliche Massnahmen treffen und haben nicht das Gefühl, es werde gleich kritisch, weil sie die Feuerwehr im Quartier antreffen.

Urs Stucki ist Mediensprecher der Berufsfeuerwehr Bern.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt