Der letzte Schliff auf dem regendurchnässten Gurten

Auf dem Gurten werden die letzten Schrauben festgezogen, die letzten Arbeiten abgeschlossen. Trotz heftigen Regenfällen ist die Festivalwiese noch kein Schlammbad.

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«Den Morast gibt es erst nach dem Festival», sagt Christian Wyss. Sein Kollege Fritz Röthlisberger kommt mit einer Metallstange auf der Schulter hinzu. Dann heisst es sich kurz ducken, denn er dreht sich mit der Stange um die eigene Achse und hilft dann Wyss beim Aufbau einer Rollstuhlrampe. Wyss und Röthlisberger sind zwei der vielen Helferinnen und Helfer auf dem Gurten, welche die Festivalinfrastruktur aufbauen.

Am Vortag des Gurtenfestivals sind die Aufbauarbeiten noch in vollem Gang. Die Wiesen sind noch grün, und es stehen keine Bands auf den Bühnen: Auf dem Gelände dringt statt dröhnender Musik das geschäftige Hämmern und Bohren der Helferinnen und Helfer ins Ohr. Die Luft riecht frisch – und nicht nach Frittenfett. Das Gelände ist für jeden und jede frei begehbar: Es ist für eine Weile die letzte Gelegenheit, auf dem Gurten spazieren zu gehen, ohne in Menschenmassen stecken zu bleiben oder in Schlangen zu stehen.

Die Hauptbühne steht und man spürt tatsächlich so etwas wie Vorfreude. Auf einem Kran stehende Männer legen letzte Hand an die Hauptbühne. Trotz Regenrisiko ist das Wetter momentan trocken, die Temperaturen sind angenehm. Das sah während der vergangenen Tage anders aus. «Beim Ausladen hat es geschüttet wie aus Eimern», sagt Wyss, während er die Tragflächen der Rampe montiert. Dem Material habe das aber nicht geschadet, so Wyss. «Das ist alles aus Stahl, also kein Problem.»

Die Regenfälle haben den Boden nicht wie erwartet in ein Schlammbad verwandelt. Die Wiese sauge das Wasser gut auf, sagt Wyss. Sein Arbeitstempo ist mitunter gemächlich, die beiden haben keinen Stress. «Wir sind gut in der Zeit», sagt Wyss. Eine Nachtschicht schliesst er aus. Rechtzeitig um sechs Uhr des Vorabends werde man mit der Arbeit fertig sein. Wyss und Röthlisberger posieren übrigens gerne fürs Bild. Zuvor holt Röthlisberger noch seinen Helm hervor. «Das ist nicht Vorschrift, aber es sieht besser aus», sagt er. Obwohl noch keine Headliners wie Mackelmore & Ryan Lewis auf der Bühne stehen, ist dennoch bereits ein wenig Prominenz auf dem Gelände: Fritz Röthlisberger war 2011 bei der TV-Show «Bauer, ledig, sucht» einer der Kandidaten. Und heute? Heute sei er glücklich verheiratet. (Der Bund)

Erstellt: 12.07.2017, 06:57 Uhr

Wissenswertes rund ums Festival auf dem Berner Hausberg

Mittwoch statt Sonntag: Die grösste Änderung beim Gurtenfestival tritt gleich als erste zutage. Neu startet das Festival bereits am Mittwoch und endet entsprechend auch schon am Samstagabend.

Spontane Festivalbesucher: Sämtliche Tickets sind bereits ausverkauft. Bis Dienstag Nachmittag gab es noch vereinzelt Tickets für den heutigen Mittwoch – doch die sind mittlerweile auch weg. Laut Simon Haldemann, Mediensprecher des Gurtenfestivals, war der Donnerstag in den vorherigen Jahren jeweils nicht ausverkauft.

Stabiles Festivalwetter: Am heutigen Mittwoch verspricht Meteorologe Roger Perret von Meteonews freundliches Wetter und teilweise Sonnenschein. Das Schauerrisiko sei überschaubar, ein kurzer «Sprutz» sei aber möglich. Abends sinken die Temperaturen auf 15 bis 17 Grad Celsius ab. So zieht sich das Wetter dann ungefähr auch bis Samstag weiter. Besucherinnen und Besuchern des Festivals sei also geraten, mit Jacken und Regenschirmen gegen Kälte und Regentropfen gewappnet zu sein. Gummistiefel brauche es laut Perret jedoch keine.

Was Gutes tun: Die Depotspenden der Mehrwegbecher müssen keine weite Distanz hinter sich lassen, sondern fliessen geradewegs in die Kassen der «Heiteren Fahne» am Fuss des Gurtens. Diese organisiert kulturelle Events und führt Mittagstische durch. Der Erlös der Spenden wird nicht behalten, sondern weiterverschenkt. Dafür wurde der Preis «Goldener Kaktus» ins Leben gerufen. Für diesen können Menschen nominiert werden, die das Leben des Nominierenden in irgendeiner Form bereichern. Die fünf schönsten Geschichten werden prämiert. (msl)

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