Der Naturschutz-Streit geht in die nächste Runde

Obwohl die Stadtberner das Rehhag-Areal als Bauschuttdeponie will, gibt das gegnerische Komitee den Kampf für die Artenvielfalt noch nicht auf.

Auf dem Rehag-Areal entstand über die letzten Jahre hinweg ein Biotop mit aussergewöhnlicher Artenvielfalt.

Auf dem Rehag-Areal entstand über die letzten Jahre hinweg ein Biotop mit aussergewöhnlicher Artenvielfalt.

(Bild: Ruben Wyttenbach)

Marina Stalder@MarinaStalder

Es war ein Streit um den Naturschutz, doch dass das Rehhag-Areal aufgeschüttet wird, war bereits vor dem Abstimmungssonntag klar. Am Sonntag hat die Stadtberner Stimmbevölkerung entschieden, dass dafür nicht nur Aushub- und Ausbruchmaterial, sondern auch Inertstoffe wie beispielsweise Beton, Ziegel oder Strassenaufbruch verwendet werden dürfen. Rund 60 Prozent der Stimmbeteiligten sprachen sich für die entsprechende Änderung des Zonenplans aus. In vier von fünf Stadtteilen wurde die Vorlage angenommen; in Bümpliz-Bethlehem hingegen – dem betroffenen Stadtteil – entschied sich die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger gegen die Änderung des Zonenplans für das Rehhag-Areal.

Für die Stadtbehörde ist dieses Ergebnis ein grosser Erfolg, dauerte der Weg bis zu diesem Resultat doch rund 16 Jahre. Es sei viel Arbeit in die komplexe Planung geflossen. Umso dankbarer sei man, dass das Konzept nun umgesetzt werden könne, sagt Stadtpräsident und Dossierverantwortlicher Alec von Graffenried; die Stimmung sei «aufgeräumt». Eine Deponie mache an diesem Standort Sinn, und der Naturschutz sei in den Mittelpunkt gerückt, um die Artenvielfalt des heutigen Biotops zu sichern.

Klar sei für den Stadtpräsidenten, dass sich die heute Enttäuschten «mittel- bis langfristig auch über das Ergebnis freuen werden». Wichtig sei nun, dass transparent gezeigt werde, wie die Umsetzung erfolge und die Bevölkerung in diesem Prozess mitgenommen werde.

Rechtliche Schritte aufgegleist

Für die Abstimmungsverlierer aus dem Gegenkomitee ist dieses Vorgehen ein schwacher Trost. Das Komitee, bestehend aus der SP, der Grün-alternativen Partei (GaP), der Alternativen Linken und der PdA sowie den Umweltverbänden Bern bleibt grün und NaturBernWest, hat sich vor der Abstimmung dafür eingesetzt, dass das Rehhag-Areal nicht als Deponie genutzt wird. Grund dafür ist das in den vergangenen Jahren entstandene Biotop mit seiner aussergewöhnlichen Artenvielfalt (der «Bund» berichtete am 25. Mai). Gross sei daher das Bedauern nach dem Entscheid der Stimmbevölkerung. Gewichtiger als das allgemeine Resultat sei laut Timur Akçasayar (Stadtrat, SP) allerdings das klare Nein aus dem Stadtteil Bümpliz-Bethlehem. Es zeige, dass die ansässige Bevölkerung den jetzigen Zustand des Rehhag-Areals wertschätze und sich gegen eine Veränderung wehre.

Um den Wünschen der Bevölkerung aus dem Stadtteil nachzukommen, hat das Gegenkomitee während der Abstimmungskampagne eine entsprechende Petition lanciert. Könne das Komitee das Vorhaben nicht auf demokratischem Weg verhindern, müssten juristische Mittel wie beispielsweise die laufenden Einsprachen zum Einsatz kommen. Den Kampf hat das Komitee mit der verlorenen Abstimmung jedenfalls noch nicht aufgegeben: «Beim Naturschutz kann es keine Kompromisse geben», so Akçasayar. Wenn die Stadt aber eine Idee beisteuere, welche den Artenschutz in seiner heutigen Form garantieren würde, wäre eine gemeinsame Diskussion möglich.

Aufschüttung in einem Jahr

Seitens der Stadt hofft man darauf, dass sich die Rechtsstreitigkeiten um die Deponie auf dem Rehhag-Areal in Grenzen halten werden. Das Abstimmungsresultat zeigt laut von Graffenried, dass die Bevölkerung mit der Vorlage der Stadt einverstanden sei, besonders auch mit dem sorgfältig ausgearbeiteten Naturschutz auf dem Areal. Zu Verzögerungen würde die Petition durch das Gegenkomitee dennoch führen. Auch die weiterhin hängigen Einsprachen gegen die Überbauungsordnung müssen noch vom kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) begutachtet werden. Der Stadtpräsident zeigt sich bezüglich der Rechtsstreitigkeiten aber optimistisch. Falls alle Belange schnell behandelt werden, könnte der Stadt bis Ende Jahr die Genehmigung vorliegen und im nächsten Jahr könnten bereits die Arbeiten für die Aufschüttung auf dem Rehhag-Areal beginnen.

Der Bund

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