Den heissen Kaffee reicht Thoma direkt durchs Fenster

Nicht alle haben Zeit, um auf dem Weg zur Arbeit in ein Café zu gehen. In Berns Norden gibts darum ein Kaffeefenster – Take-away auf die ganz Schnelle.

Philipp Thoma serviert seinen Kaffee aus dem Fenster – für Eilige die schnellste Lösung.

Philipp Thoma serviert seinen Kaffee aus dem Fenster – für Eilige die schnellste Lösung. Bild: Franziska Rothenbühler

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Kaffee durch ein Fenster bestellen. Das kann man seit kurzem an der Bushaltestelle Breitfeld im Berner Nordquartier. Phil’s Coffee to Go ist das erste Kaffeefenster der Stadt und bietet neben Cappuccino auch heisse Schoggi, Chai Latte oder Apfelsaft an. Sogar ein frisches Gipfeli oder Brownie kann dazu bestellt werden.

Der 34-jährige Philipp Thoma aus Zürich hat sich einen Traum verwirklicht. Das Konzept hat in der Stadt an der Limmat bereits Fuss gefasst. «Ich wollte es unbedingt nach Bern holen.» Da er selbst in der Nähe von der Bushaltestelle wohnt, ist er durch Zufall auf das Lokal aufmerksam geworden. Darin war bisher ein Schmuckladen untergebracht. Da die Mieterin aber nur noch am Wochenende öffnet, hat Thoma einen Teil das Ladens als Untermieter übernommen. So will er dieser Ecke Berns neues Leben einhauchen.

Viel Bürokratie für Fensterli

Nachdem Thoma das geeignete Lokal gefunden hatte, musste er sich um die nötigen Bewilligungen kümmern. Und das dauerte. Länger als erwartet. Es ging um die Eingangstür des Ladens, in die ein Fenster eingebaut werden sollte, durch das der Kaffee hinausgereicht wird. Vier Monate wartete Thoma auf die entsprechende Bewilligung. «Ich war schon etwas überrascht, dass es so lange dauerte.» Am 5. Dezember konnte er endlich eröffnen.

Die Eröffnung eines Kaffeefensters im Winter war jedoch eine Herausforderung. Wegen der Kälte öffnet er das Schiebfensterchen nur, wenn sich ein Kunde nähert. Sobald es wärmer wird, soll sich das ändern. «Dann will ich das Fenster durchgehend öffnen», so Thoma. Bis jetzt soll vor allem die täglich neue Anschrift auf dem Schild vor dem Laden Kunden anlocken. Jeden Abend denkt sich Thoma etwas Neues aus, um den Wartenden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Ursprünglich kommt der Kleinunternehmer nicht aus der Gastronomie. Er hat aber eine Barista-Ausbildung in der «Rösterei» in Bern abgeschlossen. Zudem ist er befreundet mit einem Kaffeeröster aus Zürich, dessen Bohnen Thoma nun auch in Bern verwendet.

Doch der Bezug zur Stadt darf nicht fehlen. Daher gibt es bei Thoma auch lokale Kaltgetränke, und die Milch stammt ebenfalls aus der näheren Umgebung. Auch sonst achtet Thoma auf die Ökobilanz. Sämtliche Becher und Deckel sind biologisch abbaubar. «Das ist mir wichtig.»

Im YB-Quartier

Da sich das Kaffeefenster an einer Bushaltestelle befindet, muss Thoma unter Zeitdruck arbeiten. Zu den Stosszeiten fährt hier alle vier Minuten ein Bus. Dann muss es schnell gehen. Weil der Laden aber umgeben ist von Fenstern, kann Thoma die Situation gut im Blick halten. «Das eine Auge ist auf die Anzeigetafel beim Bus gerichtet, das andere arbeitet.»

Doch ganz so gehetzt geht es nicht immer zu und her. Viele seiner Stammkunden bleiben noch auf einen kurzen Schwatz. Zudem hat es direkt neben dem Fenster eine Sitzbank, die Thoma mit schwarzen und gelben Kissen gemütlicher gemacht hat. Die Farbwahl ist kein Zufall: Sie ist eine kleine Hommage an die Young Boys. Das kommt an der Bushaltestelle, die nicht weit vom Wankdorfstadion entfernt liegt, natürlich gut an. Thoma erhofft sich dadurch mehr Aufmerksamkeit bei den Fussballern. «Vielleicht kommt ja einmal ein YB-Spieler vorbei.»

Nicht nur kurz

«Anfangs hielten mich alle für ein Pop-up», sagt Thoma. Gerade im hippen Breitenrainquartier gibt es immer wieder vorübergehende Gastro-Nutzungen. Dieser Welle wollte sich Thoma aber bewusst nicht anschliessen. Für den Wahlberner war von Beginn an klar: «Ich will hier bleiben.» (Der Bund)

Erstellt: 12.02.2019, 06:45 Uhr

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