Das rätselhafte Hochhaus, das leersteht

Während auf dem Bärenareal in Ostermundigen ein Hochhaus entstehen soll, steht das alte Swisscom-Gebäude nebenan fast leer. Das leere Hochhaus wirft Fragen auf.

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Basil Weingartner@bwg_bern

Auf dem Bärenareal beim Bahnhof ­Ostermundigen soll das höchste Haus der Agglomeration Bern gebaut werden. Der Prestigebau werde Investoren und gute Steuerzahler nach Ostermundigen lotsen, hoffen die Gemeindeverantwortlichen. Die Gemeinde stimmt am 29. November darüber ab. Doch besteht an der vorgesehenen Lage überhaupt eine Nachfrage nach Immobilien? Immerhin stehen nur wenige Hundert Meter vom geplanten Neubau das ehemalige Swisscom-Hochhaus und dessen Nebengebäuden fast vollständig leer. Und dies bereits seit über eineinhalb Jahren. Damals zügelte die Swisscom aus dem auf städtischem Boden gelegenen Areal nach Ittigen. Von den gesamthaft 66'000 Quadratmeter Nutzfläche konnten bisher erst wenige Tausend vermietet werden.

Die Hauptverantwortung für die Mietersuche trägt die Panita Real Estate. Der Inhaber der Einzelfirma, Patrick Strässle, will sich auf Anfrage nicht zum «Bern Businesspark», wie das ehemalige Swisscom-Areal seit kurzem heisst, äussern. Die Besitzer erlaubten dies nicht.

Undurchsichtige Strukturen

Wer nach diesen Besitzern sucht, stösst auf ein kompliziertes Konstrukt. Bis vor kurzem waren die Eigentümer juristisch in der verschwiegenen britischen Steuer­enklave Gibraltar zu finden. Wer hinter den beiden Firmen mit den klingenden Namen Goldford LP und Norfolk LP steht, ist deshalb nicht eruierbar.

Paradox: Während die Räume für potenzielle Mieter augenscheinlich wenig attraktiv sind, wechselten die Gebäude des Businessparks in den vergangenen Monaten die Besitzer. Ob sich auch die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse geändert haben, ist unklar. Fakt ist: Heute fungieren im Grundbuch mehrere Firmen aus Genf und Zürich als Inhaber der Liegenschaften. Eine davon ist die Zürcher Ormoreg AG. Einzige Verwaltungsrätin ist Rita Spalinger Burri. Was sagt sie dazu, dass ihre Liegenschaft noch immer leer steht? Sie sei über den aktuellen Stand zu wenig informiert, sagt sie auf Anfrage. Eine erstaunliche Aussage. Wurde ihr die Liegenschaft doch erst vor wenigen Wochen überschrieben.

Doch vielleicht kehrt in das leer stehende Areal an der Ostermundigenstrasse schon bald wieder Leben ein. Im Sommer machte der «Bund» publik, dass die Kantonspolizei am Gebäude interessiert ist. Im Gebäude könnte dereinst, so der Plan, die Verwaltung der Kantonspolizei zentralisiert werden. Inzwischen laufen Verhandlungen. Federführend ist aber nicht die Polizeidirektion, sondern das in der Baudirektion angesiedelte Amt für Grundstücke und Gebäude. Bei diesem war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Überfüllte Busse schrecken ab

Auch wenn der Kanton Teile der Liegenschaft wie erwartet mieten sollte: An der Tatsache, dass ansonsten nur wenig Interesse an den Immobilien besteht, ändert sich nichts. Dass keine Mieter gefunden werden konnten, erstaunt umso mehr, da die städtischen und die kantonale Standortförderung mithelfen, nach Mietern zu suchen. «Wir führten mehrmals Interessenten durch die Liegenschaften», sagt der Leiter der kantonalen Standortförderung, Denis Griesel.

Dass letztlich fast keine Mieter eingezogen sind, erklärt Reto Liniger von der städtischen Wirtschaftsförderung mit dem Überangebot an Gewerbeflächen in der Region. Doch offenbar gibt es auch spezifische Gründe, weshalb die Vermietung der Gewerbefläche im Businesspark schwierig ist. «Der Innenausbau wurde stark auf die einstigen Bedürfnisse der Swisscom ausgerichtet», so Liniger. So gebe es viele kleine Büros. Dies sei heute aber nicht mehr gewünscht. Ebenso wenig die grossen und hohen Archiv­räume. Auch die in den Stosszeiten notorisch überfüllten Busse der Linie 10 schreckten potenzielle Kunden ab.

«Verschiedene Paar Schuhe»

An derselben Buslinie liegt auch der geplante Neubau auf dem Bärenareal. «Die beiden Gebäude sind grundsätzlich zwei verschiedene Paar Schuhe», findet der Ostermundiger Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos). So befinde sich der geplante Neubau gleich neben der S-Bahn-Station. «Auch entsteht im geplanten Bärenhochhaus in erster Linie Wohnraum.» Zudem würden die in den unteren Geschossen vorgesehenen Büroräume heutigen Anforderungen entsprechen. Wirtschaftsförderer Griesel glaubt, dass sich neu erstellte Gewerbeflächen besser «vermitteln» lassen würden als diejenige im Ende der 1960er-Jahre gebauten Businesspark.

Der Bund

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