Das Imperium schlägt zurück

Wegen des Multiplex-Kinos im Westside schliesst die Kinokette Kitag nun ihre Kinos in der Berner Innenstadt. Dafür baut der Schweizer Kino-Gigant in Muri selber einen riesigen Cinedome.

In Muri gibt es bald einen riesigen Kinokomplex - dafür kaum mehr kleine Kinos in der Innenstadt.

In Muri gibt es bald einen riesigen Kinokomplex - dafür kaum mehr kleine Kinos in der Innenstadt. Bild: Franziska Rothenbühler

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Muri-Gümligen bekommt ein Imax-Kino! Darauf ist Philippe Täschler, CEO von Kitag Cinemas, «huere stolz». Ziemlich zackig führte er gestern die versammelte Presse durch die labyrinthische Baustelle des künftigen Cinedomes. Begleitet vom üblichen Baustellenlärm, zeigt Täschler die staubigen Räume. In den nächsten zwei Monaten werden dort ein Restaurant, eine Sportbar, ein Kids-Corner und eine Game-Zone entstehen. Neben dem halb fertigen Imax-Kino wird auch der Dolby-Atmos-Saal präsentiert. Cinedome-Besucher werden hier schon bald dreidimensionale Explosionen und Schiessereien aus Lautsprechern mit «3900 Watt», so Täschler, geniessen können.

Da kann das Homecinema schlecht mithalten. Die restlichen acht Säle müssen nicht einzeln gezeigt werden: «Die sehen alle gleich aus», sagt Täschler. Hier, an der Autobahnausfahrt Muri und neben dem Media-Markt, beginnt für die Kitag also die Zukunft. Die Digitalisierung hat hier einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Für die zehn Säle genügt das Erstellen einer wöchentlichen Playlist. Operateure gibt es nicht mehr.

Schweizweite «Multiplexisierung»

Jahrzehntelang galt für Stadtberner Kinobesucherinnen und Kinobesucher folgende Auslegeordnung: Für Hollywood-Blockbuster ging man zu Kitag, Arthouse-Liebhaber besuchten die Kinos von Quinnie: Jura oder Movie, Capitol oder Bubenberg lautete die Frage. Doch als vor zehn Jahren Pathé am Stadtrand in Brünnen Berns erstes Multiplexkino eröffnete, war dies auch der Anfang vom Ende des Berner Kino-Duopols.

Die Konkurrenz aus dem Westen traf dabei vor allem die Swisscom-Tochter Kitag. Mit 11 Kinosälen, billigen Parkplätzen, einer riesigen Leinwand und den Konsumfreuden einer Shoppingmall konnten die Kitag-Kinos der Innenstadt nicht mithalten: Gestern gab Täschler bekannt, was eigentlich absehbar war: Bis 2019 wird sich die grösste deutschsprachige Kinokette komplett aus der Innenstadt verabschieden.

Multiplexkinos in der Peripherie zu bauen, entspräche einem Trend, den man seit einigen Jahren auch in der Schweiz beobachte, sagt René Gerber, Direktor des Branchenverbands Procinema. Die Statistik gibt ihm recht: 1995 gab es in der Schweiz ein einziges Multiplexkino. Zwanzig Jahre später waren es bereits über ein Duzend. Für das Phänomen sind nicht nur die teuren Parkplätze der Innenstadt verantwortlich: Der Kinobesuch sei ein soziales Erlebnis, sagt Gerber. «Der heutige Kinobesucher ist aber deutlich eventorientierter als früher.» Und «Events» brauchen Platz: Grosszügige Foyers, in welchen auch noch etwas anderes angeboten werden könne, seien in der Innenstadt selten, sagt Gerber.

Wird Quinnie jetzt Mainstream?

«Es kann nicht sein, dass einfach die ganze Unterhaltungsindustrie in die Peripherie abwandert», sagt hingegen Edna Epelbaum, Chefin von Quinnie Cinemas. Quinnie werde sich nach wie vor für Kinos in der Innenstadt einsetzen, sagt sie. «Für eine lebendige Innenstadt braucht es Kinos genauso wie Restaurants, Bars und Einkaufsmöglichkeiten.» Auch nach der Bekanntgabe vom Rückzug der Kitag aus der Stadt hat Epelbaum keine Expansionsgelüste: «Wir werden bleiben, wo wir sind».

Die drängendste Frage wollte Epelbaum gestern Nachmittag allerdings nicht abschliessend beantworten: Zwar werde sich Quinnie auch weiterhin auf Arthouse-Filme konzentrieren. «Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass in Quinnie-Kinos künftig öfter Hollywood-Blockbuster gezeigt werden.» Mit dem sogenannten «gehobenem Mainstream» hat Quinnie schon jetzt Erfahrung: Der letzte «Bond» lief im Kino Bubenberg, ebenso der letzte «Star Wars».

Und wie reagiert das Kino im Westside auf den Bau des Cinedomes? Erst mal gar nicht: «Wir erwarten keinen Impact», sagt Angela Schifter, Cinema Manager von Pathé Westside, auf Anfrage. 620 000 Eintritte wurden letztes Jahr gezählt, trotz Hitzesommer. Das Pathé Westside wird auch nach April 2018 mehr Plätze und eine riesige Leinwand haben. Aber die Imax-Leinwand des Cinedomes in Muri ist grösser. (Der Bund)

Erstellt: 03.02.2018, 08:04 Uhr

Kitags Niedergang

Die Kitag Kino Theater AG ist ein Tochterunternehmen der Swisscom und betreibt in der Deutschweiz 89 Kinosäle mit insgesamt 17 000 Sitzplätzen. Mit über 100 000 Filmvorführen pro Jahr ist die Kitag AG die grösste deutschsprachige Kinobetreiberin. In Bern zeigt die Kitag vor allem Hollywood-Blockbuster. Kitags Rückzug aus der Stadt begann 2015 mit der Schliessung des Kinos Rex an der Schwanengasse (heute vom Verein Cinéville betrieben). 2016 folgte das Royal, 2017 das City. Fünf der restlichen sechs Kinos machen bereits dieses Jahr dicht, darunter das Capitol (Ende Februar). Mit dem Capitol verliert die Berner Innenstadt mit 443 Plätzen ihren grössten Kinosaal. Das Alhambra, Jura und das Gotthard sollen ebenfalls noch dieses Jahr geschlossen werden. Als letztes werden beim Splendid voraussichtlich 2019 die Lichter ausgehen.Rechnet man alle Sitzplätze zusammen (ohne das Kino Rex) ergibt das ein minus von 3043 Kinoplätzen. Zum Vergleich: Im 2008 eröffnetem Westside-Kino finden in insgesamt 11 Sälen 2432 Kino-Besucherinnen und Besucher Platz.(ama)

Der Cinedome in Muri

In Muri an der Autobahnausfahrt eröffnet die Kitag voraussichtlich am 5. April, an der Feldstrasse 32, einen Cinedome mit insgesamt 10 Sälen und 1400 Sitzplätzen. Das Abspielen der Filme wird vollautomatisch ablaufen: Es genügt, einfach jede Woche eine Playlist zu erstellen. Prunkstück des Cinedome ist der Imax-Saal. Dort verspricht die Kitag dem Kinogänger «die grösste Multiplex-Leinwand» und ein «wahrhaft fesselndes Filmerlebnis, das sie die grössten Blockbuster auf völlig neue Art erleben lässt». Der Saal verfügt über zwölf Tonkanäle und über zusätzliche Seiten- und Deckenlautsprecher, welche jeden Sitz perfekt beschallen sollen. Insgesamt bietet das Imax-Kino Platz für 350 Kinogängerinnen und Kinogänger. Die Kitag möchte den Besuchern aber mehr bieten als nur digitale Kinofilme in HD-Qualität. So wird es etwa ein grosses Restaurant geben, eine Game-Zone mit Virtual-Reality-Möglichkeiten, zwölf Bowlingbahnen und eine grosse Sportbar mit 140 Sitzplätzen. Ebenso vorgesehen ist flächendeckendes WiFi. Familien will die Kitag den Besuch mit einer «Kids-Zone» inklusive Rutschbahn schmackhaft machen. (ama)

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