Das Gurtenbähnli entgeht der Verschrottung

Dem alten Wagen der Gurtenbahn drohte die Entsorgung. Nun gibt es private Interessenten, welche das Fahrzeug retten wollen.

1944 wird das Gurtenbähnli in Verkehr gesetzt – zukünftig wird es wohl bei einem Privaten stehen.

1944 wird das Gurtenbähnli in Verkehr gesetzt – zukünftig wird es wohl bei einem Privaten stehen. Bild: zvg/Tramverein Bern

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Silbergrau glänzt das Aluminiumgehäuse, die klaren Linien streben vorwärts, mit grossen Fenstern blickt er bergaufwärts: Der alte Wagen der Gurtenbahn, im Einsatz von 1944 bis 1999, ist auch heute noch futuristisch anzuschauen – und nicht nur der Marienkäferaufkleber auf der Schnauze sorgt bei Bernern für nostalgische Gefühle.

Doch bis vor kurzem drohte dem Zeitzeugen die Verschrottung: «Uns fehlt schlicht der Platz», sagt Martin Strobel, Präsident des Berner Tramvereins (TVB), welcher den Wagen besitzt. Darum konzentriere sich der TVB auf seine Trams und Busse und versuche, für die anderen Fahrzeuge eine auswärtige Lösung zu finden.

Baubewilligung nötig

Dem Schicksal der Zerstörung ist das Bähnli nun entgangen. Nach einem öffentlichen Aufruf hätten sich diverse Interessenten gemeldet, sagt Strobel. Konkret wurden schliesslich sechs Anfragen von Personen, welche den Wagen gerne übernehmen und bei sich aufstellen wollten. Wohin es den Wagen schliesslich verschlagen werde, sei aber noch unklar.

zvg/Tramverein Bern

Ganz unkompliziert wäre das Aufstellen eines solchen Fahrzeuges nicht: Weil der Wagen die Grösse von 10m2 für «bewilligungsfreie Kleinbauten» überschreitet, muss dafür eine Baubewilligung eingereicht werden, wie es beim Bauinspektorat der Stadt Bern heisst.

Kein Platz auf dem Gurten...

Doch würde ein solches Relikt der Gurten-Geschichte nicht auf den Gurten selbst gehören? «Wir haben uns den Wagen natürlich sofort angeschaut», sagt Gurtenpark-Geschäftsführer Hans Traffelet. Gerne hätte man den Wagen als Spielgerät genutzt.

Doch schliesslich sei man zum Schluss gekommen, dass der Wagen dafür nicht geeignet sei. «Er hat zu wenige bewegliche Teile, um als Spielgerät attraktiv zu sein», sagt Traffelet. Zudem müsste man ihn auf einem festen Betonfundament installieren – «damit hätten wir uns bei knappen Platzverhältnissen zu viel verbaut».

...und im Verkehrshaus

Auch im Verkehrshaus Luzern war kein Platz für den historischen Wagen. Man habe schon ein ähnliches Modell aus dieser Zeit, ebenfalls vom Gurtenbähnli-Hersteller Von Roll, in der Sammlung, sagt Daniel Geissmann, Leiter Ausstellung und Sammlung des Verkehrshauses. Zudem habe man eine nationale Perspektive. «Das Gurtenbähnli hat vor allem für die Region Bern Bedeutung», so Geissmann, der selbst aus Bern stammt.

Und schliesslich seien auch die Ressourcen im Verkehrshaus beschränkt. «Wenn wir ein Objekt aufnehmen, versprechen wir auch, es entsprechend zu erhalten. Dieses Versprechen wollen wir halten, weshalb wir unsere Sammlung nicht unbegrenzt erweitern können.»

Das Platzproblem bleibt

Zusätzlich zu den Räumen der Remise Weissenbühl ist der TVB seit längerer Zeit auf der Suche nach einer geeigneten Ausstellungshalle, für die restlichen Fahrzeuge in der Sammlung. Im Weissenbühl lassen sich aus Platzgründen nur die Tramfahrzeuge ausstellen. Es sei aber sehr schwierig, in der Nähe der Stadt bezahlbare Räumlichkeiten zu finden, sagt Strobel. Wenn dann das Areal des Tramdepots Burgernziel überbaut wird, muss der Verein auch für den dort stationierten Waggon des «Blauen Bähnlis» der ehemaligen Vereinigten Bern-Worb-Bahnen (VBW) von 1913 einen neuen Platz finden.

Auch für einen Pendelzug der Solothurn-Zollikofen-Bern Bahn (SZB) von 1950 sucht man immer noch nach einem Standort. Hier zeichnet sich jedoch eine Lösung ab: Es ist vorgesehen, dass sich eine neue Trägerschaft um den SZB-Zug kümmern wird. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.09.2016, 17:57 Uhr

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