«Das Fahren wird nicht die grösste Herausforderung sein»

Der Berner Matthias Furer fährt heuer an der Mongol Rally mit. Für ihn stehen vor allem Spass und Abenteuer im Vordergrund.

Matthias Furer posiert mit dem Rally-Auto Fiat Panda.

Matthias Furer posiert mit dem Rally-Auto Fiat Panda. Bild: Ruben Wyttenbach

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Der Countdown läuft. Mit heute Montag sind es noch fünf Tage. Dann bricht eine Gruppe Bernerinnen und Berner mit zwei Autos auf, um monatelang durch die mongolische Steppe zu brettern – ganz auf sich allein gestellt. Ihr Ziel ist die Stadt Ulan Ude im südöstlichen Sibirien. Das Abenteuer hat sogar einen Namen: die Mongol Rally 2018. Matthias Furer ist einer der ominösen neun Gefährten, die die Reise von Bern nach Russland wagen.

Der 26-jährige gelernte Maschinenbauer holte die Idee aus den letzten Sommerferien nach Hause, als er in Zentralasien auf Teilnehmer der Mongol Rally 2017 traf. Furer fand es eine verrückte Sache. Er habe gedacht: «Die spinnen doch.» Aber zu Hause habe ihm die Begegnung keine Ruhe mehr gelassen. So machte er sich auf die Suche nach Leuten, die bereit waren für ein unvergessliches Abenteuer. Das Resultat: eine bunte Gruppe junger Leute mit dem Teamnamen «Eye of the Taiga».

«Uns vereint, dass wir alle Ferien machen wollen», sagt Furer. Allerdings werden es nicht Ferien im klassischen Sinn. «Es wird ungeheuer anstrengend werden.» Alle tragen mit ihren Berufen oder den eigenen Interessen etwas zur Reise bei. Vier vom Team sind in der Pflege, der Human- und Veterinärmedizin tätig. Sie kümmern sich um die gesundheitlichen Aspekte. Furer und zwei andere Teilnehmer können als Maschinenbauer technisches Know-how einbringen. «Im Idealfall hätten wir einen Automechaniker dabei», sagt Furer. Aber das «Murksen» gehöre zum Abenteuer dazu.

«Ich finde es falsch, wenn wir unsere Reise als etwas Gemeinnütziges verkaufen.»

Die Vorbereitungen für die Mongol Rally dauern seit November des letzten Jahres an. Dazu gehörte auch der Erwerb zweier Autos: eines Fiat Panda und eines Fiat Doblo. Haben Autos dieser Marke nicht den Ruf unzuverlässiger Vehikel? «Unser Budget ist sehr klein», begründet Furer die Wahl. Zudem laute eine der Vorgaben der Organisatoren der Rally, dass der Hubraum der Fahrzeuge maximal 1,2 Liter betragen dürfe. Die Autos hätten beide Ansprüche erfüllt.

Der Spiessigste von allen

Damit man unterwegs das Smartphone zücken, das GPS zu Rate ziehen oder Fotos schiessen kann, musste sich das Team ein Konzept für die Stromversorgung überlegen. Internetzugang gebe es aber nur für den gemeinsamen Laptop, nicht für die Smartphones. Sonst starre jeder nur auf sein Handydisplay. «Und wir wollen doch Zeit miteinander verbringen», sagt Furer. Aber nicht unbedingt die technischen Fragen beschäftigen ihn. Es sind eher die zwischenmenschlichen.

Wie hält man es mit denselben Leuten mehr als zwei Monate auf engstem Raum aus? «Alle haben gemerkt, dass das Fahren allein nicht die grösste Herausforderung sein wird», bestätigt Furer. Auch für die technischen Probleme gebe es meistens irgendeine Lösung. Aber immer dieselben «Gringe» auf so engem Raum zu ertragen, könnte eine schwere Aufgabe werden. Um potenzielle Konflikte zu entschärfen, sollte sich jeder vor der Reise gut reflektieren. «Ich habe Phasen, da brauche ich unbedingt Ruhe.» Zudem habe er das ganze Reglement der Rally gelesen. «Wahrscheinlich bin ich der Spiessigste von allen.»

Keine Sorge wegen Essen

Obwohl ein Smartphone mittlerweile zur Grundausstattung des modernen Menschen gehört, dürfen auch die naheliegendsten Bedürfnisse nicht vergessen werden: Essen und Trinken. Das Supermarkt-Konzept wird nach der Türkei bald ausgeschöpft sein. «Ich mache mir darüber keine grosse Sorgen», sagt Furer. Das Essen während der Reise müsse einfach und nahrhaft sein. Dafür biete sich vor allem Reis an.

Nebst den Vorgaben zu Start und Ziel sowie dem Hubraum der Autos gibt es noch eine weitere Bedingung der Rally. Jedes Team muss für eine Hilfsorganisation spenden. Das Team «Eye of the Taiga» hat bereits 3000 Franken für die gemeinnützige Organisation Bayasgalant gesammelt, die gegen die Armut der Kinder in Ulan Bator in der Mongolei kämpft. Es sei passend, weil die Gründer aus Bern stammten und ein Projekt in der Mongolei leiteten. Also fährt Furer für einen guten Zweck? «Ich finde es falsch, wenn wir unsere Reise als etwas Gemeinnütziges verkaufen», betont er. Es sei toll, wenn ihre Reise Aufmerksamkeit auf Bayasgalant lenke. «Aber für uns ist die Rally primär ein Spassprojekt.»

(Der Bund)

Erstellt: 09.07.2018, 06:36 Uhr

Die Mongol Rally 2018

Am 14. Juli fährt das bernische Team «Eye of the Taiga» von Bern nach Prag an die Startlinie der Mongol Rally 2018. Die Organisation The Adventurists hat die Mongol Rally ins Leben gerufen und unter anderem das Ziel in Ulan Ude vorgegeben. Die Route durch die mongolische Steppe müssen die Teilnehmenden selbst finden.

Die Kosten werden durch die Gruppe «Eye of the Taiga» getragen oder durch Spenden finanziert. Während der Reise kann man virtuell mit dem Team mitleiden oder sich mitfreuen auf www.mongolrally.ch. Dort dokumentiert die Gruppe in einem Blog ihr Abenteuer – vom Kauf des ersten Autos bis zur Ziellinie. (crt)

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