«Da gab ich mich einer furchtbaren Naivität hin»

«Bund»-Leserinnen und Leser erinnern sich an ihre Erlebnisse mit den Young Boys.

Fussball Super League - BSC Young Boys YB - FC Basel; YB Fans im Stade de Suisse.

Fussball Super League - BSC Young Boys YB - FC Basel; YB Fans im Stade de Suisse. Bild: Christian Pfander

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Erinnert sich Christina Stäubli an ihr erstes Fussballspiel, muss sie weit zurückdenken. Das war in den 1950er-Jahren und war zugleich ihr letzter Matchbesuch in einem grossen Stadion. Ihr Grossvater hatte die damals Sechsjährige ins Wankdorfstadion mitgenommen. YB spielte gegen Chiasso. «Ich war mächtig stolz, dass er mich als Mädchen mitnahm.» Doch die Freude wich schnell. Stäubli bezeichnet das Spiel als «einzige Katastrophe» – und das nicht einmal wegen des Spielausgangs. Viel mehr hat ihr zugesetzt, dass die Spieler immerzu gefoult hätten. «Das tat mir so weh. Ich glaube, ich musste weinen.»

Tortur im Sion-Sektor

Von einem schmerzlichen Erlebnis ganz anderer Art hat Andy Jenk zu erzählen. Es war am 26. Mai 2001 und die Young Boys bestritten das letzte Heimspiel der Saison gegen Wil. «Nach dem Abpfiff stürmten die Fans auf den Platz.» Anstatt zu warten, bis die Ordner das Tor zum Spielfeldrand öffneten, entschied sich Jenk, über den Zaun zu klettern. «Ich bin aufs Spielfeld gesprungen und habe mir die Bänder im Fussgelenk gerissen.» Die Geschichte ging dann doch noch in ein versöhnliches Ende über. «Immerhin durfte ich durch die Katakomben ins Behandlungszimmer. Das kann nicht jeder von sich behaupten.»

Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass sich Andy Jenk Ärger einhandelte. Mit einer Anekdote vom Cupfinal 2006 doppelt er nach. «Da gab ich mich einer furchtbaren Naivität hin.» Weil er für den YB-Sektor keine Karte mehr bekam, bemühte er sich um ein Billett für den Sion-Sektor. «Ich fuhr nach Brig, wo die Leute ab 6 Uhr früh für den Vorverkauf anstanden.» Und tatsächlich konnte er sich einen der letzten Eintritte sichern. «Ich ging dann in YB-Vollmontur in den Sion-Sektor im naiven Glauben, wir könnten dann zusammen feiern.» Sein Fazit: «Es war eine ziemliche Tortur, aber zumindest kam ich lebend wieder heraus.»

Nie auf dem Neufeld

Für Ueli Flückiger sind YB-Meistertitel nichts Neues. In den 1950er-Jahren war er dabei, als die Young Boys gleich viermal in Folge den Titel holten. «Da war ich noch ein Knirps und habe darüber Tagebücher geführt, die heute noch existieren.» Den langen Weg vom Marzili ins Wankdorf habe er immer zu Fuss zurückgelegt. Auch als die Young Boys 1986 in Neuenburg den Titel holten, war Flückiger dabei. Ein Jahr später erlebte er den Cupsieg gegen Servette.

Christof Jaussi hat aus den 1980er-Jahren zu berichten. Sein Grossvater hat ihn regelmässig an die Spiele mitgenommen. «So durfte ich das Meisterteam mit Prytz, Lunde, Conz und wie sie alle hiessen bestaunen.» Er hat noch klare Erinnerungen an diese Zeit. «Wir sassen auf der Haupttribüne und es wurde viel geflucht und viel geraucht.» Sein Grossvater habe dauernd gehustet, weil er nur während Fussballspielen und Apéros geraucht habe. Etwas melancholisch blickt Jaussi auf den Umzug aufs Neufeld zurück. Denn dahin hat er es nie geschafft. «Das ist etwas, das ich bis heute ein wenig bereue.»

Mit gelb-schwarzem Blut geboren

Heidy schreibt, dass YB ein ganz wichtiger Teil ihres Lebens sei. «Ich bin wohl schon mit gelb-schwarzem Blut geboren worden.» Schon als Kind fieberte sie vor dem Radio. «Von meinem Fenster aus konnte ich bei Flutlichtspielen den Schein der Lampen über den Dächern erkennen.» Ihre Sehnsucht nach einem Stadionbesuch wuchs. Bald darauf nahm ihr Onkel sie mit ins Wankdorf. «Da war es um mich definitiv geschehen.» Die Aussichten auf den Meistertitel nimmt sie mit Skepsis zur Kenntnis. «Nur ganz langsam wage ich zu träumen.» Sie fragt sich jetzt schon, wie es denn sein wird, wenn es dann wirklich so weit ist. «Dann brechen wohl alle Dämme.»

Und was ist Ihre YB-Geschichte? Erzählen Sie sie uns oder diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch». (Der Bund)

Erstellt: 12.04.2018, 06:57 Uhr

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