Kein Happyend im Cinébad

Zwei Jahre nach der Eröffnung ist das Cinébad beim Bollwerk bereits konkurs. Einen Nachmieter zu finden, wird nicht einfach werden.

Muss die Türen schliessen: Cinébad am Bollwerk.

Muss die Türen schliessen: Cinébad am Bollwerk. Bild: Thomas Reufer

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Die Leinwand bleibt dunkel, die Bäder trocken, die Sauna kalt: Das Cinébad beim Berner Bollwerk ist seit Montag geschlossen. Über die Betreiberin des Bades, die IAKA AG, wurde am Montag der Konkurs eröffnet. Vier Festangestellte und rund zehn Aushilfen verlieren ihre Stelle.

In den zwei Jahren seit der Eröffnung ist es den Betreibern nicht gelungen, das Publikum von der ebenso originellen wie eigenwilligen Mischung aus Therapiebad, Wellnessbad und Kino zu überzeugen. Das Bad war offenbar zu klein, das Filmangebot zu dürftig, das Therapieangebot zu ausgefallen. Durchschnittlich fanden täglich nur rund 40 Menschen den Weg ins Cinébad. Für einen kostendeckenden Betrieb hätten es rund doppelt so viele sein müssen, sagt Verwaltungsratspräsident Roni Brunner. «Wir sind von den Bernern schlicht nicht wahrgenommen worden», sagt der Aargauer enttäuscht. Die Folge: Ein jährlicher Fehlbetrag von über einer halben Million Franken.

Für Brunner war das Cinébad kein gewöhnliches Investment. «Ich wollte kein Geld verdienen.» Brunner ist nicht nur Bauunternehmer, sondern auch leidenschaftlicher Therapeut für Wasser-­Shiatsu und Wassertanzen. Mit dem Cinébad habe er einen Ort schaffen wollen, an dem diese speziellen Körpertherapien hätten angeboten werden können.

Vom schnellen Ende «überrascht»

«Es kommt gut», davon sei man vor der Eröffnung überzeugt gewesen, sagt Brunner. «Doch es kam anders.» Brunners Leidenschaft wurde zu einer «Geldvernichtungsmaschine». 3,5 Millionen Franken hat er nach eigenen Angaben in das Bad «eingeschossen». Nun hat er die Zahlungen eingestellt. «Ich wollte nicht mehr», sagt Brunner. Der Konkurs ist die Folge davon.

Der finanzielle Kriechgang des Bades war den Besitzern der Liegenschaft bekannt. «Es überrascht uns aber, dass es nun so schnell zu Ende gegangen ist», sagt Stephan Zesiger auf Anfrage. Der ehemalige Betreiber des Nachtclubs ­Liquid besitzt die Hälfte der Anteile an der Liegenschaft. Man habe gehofft, dass die Besucherzahlen im Bad steigen würden.

Zesiger hat «Bedauern» mit den Betreibern: Diese hätten sich «sehr viel Mühe» gegeben. Aus «Solidarität» habe man dem Cinébad deshalb die Hälfte der Miete gestundet. Man sei sogar bereit gewesen, das Geld später abzuschreiben, sagt Zesiger. Brunner zweifelt Letzteres an. Das Verhältnis zu den Vermietern sei von Beginn an «angespannt» gewesen.

Liegenschaft schon wieder leer

Trotz der zentralen Lage der Liegenschaft: Das Cinébad ist nicht der erste Betrieb, der am Bollwerk 21 gescheitert ist: In den 1970er-Jahren probierte das Kino Actualis dem Zuschauerschwund mit der Umstellung von Wochenschauen und Dokumentarfilmen auf Sexfilme entgegenzuwirken. Darauf folgte in den 90er-Jahren das Arthouse-Kino Star. Dieses schloss 2010 – ebenso die dazugehörige Bar. Bis zum Einzug des Cinébads stand die Liegenschaft längere Zeit leer. Nun kehrt schon wieder Ruhe ein.

Wie es mit dem Cinébad weitergeht, ist derzeit noch unklar. «Wir müssen uns überlegen, was wir machen möchten», sagt Zesiger. Aufgrund der speziellen ­Infrastruktur ist eine Umnutzung nicht einfach. Das Bad mit integriertem Kino weiterzubetreiben, setzte schon einiges an Verwegenheit voraus. (Der Bund)

Erstellt: 08.03.2016, 06:34 Uhr

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