Buskers, das grosse Schlepp- und Schiebfestival

Beim dreitägigen Strassenmusik-Festival Buskers befördern die Bands ihre Ausrüstung bis zu 20 Mal durch Berns Altstadtgassen. Dabei behelfen sie sich allerlei abenteuerlicher Transportmittel.

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Was sich am Donnerstagnachmittag um 16 Uhr im Schlachthaus-Theater ereignet, erinnert an Tetris. Rund 150 Künstler und Künstlerinnen aus 22 Nationen haben sich im Saal eingefunden und schwirren mit allerlei Instrumenten und technischen Gerätschaften durch den Raum. Alle treten sie dieses Wochenende im Rahmen der 14. Ausgabe des Strassenmusik-Festivals Buskers in der Berner Altstadt auf, und alle haben sie hier im Schlachthaus einen kleinen Abstellplatz für ihr Equipment zugeteilt bekommen. Dazu wurde der Boden mit Klebeband in 31 unterschiedlich grosse Bereiche eingeteilt.

Während auf einer kleinen Fläche gerade mal eine elektrische Gitarre und ein Verstärker stehen, stapelt sich anderswo eine beachtliche Menge an Material. So auch im etwa sechs Quadratmeter grossen Feld von Mory Samb & Djam Rek, einer Afro-Worldmusic-Formation mit Berner Beteiligung. Im Abteil der siebenköpfigen Truppe finden sich nebst Schlagzeug, Saxofon, Posaune, Keyboard und Bass sechs grosse Trommeln und ein Ngoni, also ein afrikanisches Saiteninstrument. Darüber hinaus haben die Herren eine Beschallungsanlage mitgebracht, die aus zwei grossen Boxen, Monitoren, einem Mischpult, Mikrofonständern und einem Berg Kabel besteht.

Gummizüge und Kabelbinder

Nachdem Buskers-Leiterin Christine Wyss alle Auftretenden herzlich willkommen geheissen und noch ein paar letzte Informationen verlesen hat, machen sich sämtliche Musiker, Performer, Komödianten, Schlangenfrauen und Puppenspieler auf den Weg zu ihrem ersten Spielort. Dabei gibt es allerlei abenteuerliche Fortbewegungs-Konstruktionen zu begutachten: Mit Gummizügen, Kabelbindern, Spannsets oder Klebebändern wird so viel Material als möglich auf Handkarren, Anhänger, ja gar Kinderveloanhänger und Ähnliches gepackt, denn schliesslich sollen möglichst alle Gerätschaften in einem Durchgang von Standort zu Standort befördert werden können. Pro Abend wechselt jede Gruppe zwei bis drei Mal den Auftrittsort, bei längeren Pausen zwischen den Darbietungen wird das Material zurück ins Schlachthaus gebracht.

«Wir brauchen Strom»

Die sieben Herren von Mory Samb & Djam Rek geben einen beachtlichen Tross ab, wie sie da mit ihrer ganzen Ausrüstung durch die Rathausgasse ziehen. Und auch wenn das Kopfsteinpflaster dafür sorgt, dass einige der Instrumententürme auf den Handwagen gefährlich ins Wanken geraten, so erreicht die Mannschaft ohne nennenswerte Zwischenfälle oder Verluste ihre erste Spielstation, den Zytglogge. Dort angekommen, fehlt dann doch etwas Zentrales: «Wir brauchen Strom», sagt Schlagzeuger Sam Baur, greift zum Telefon und wählt die Nummer der Technik-Hotline.

Kurze Zeit später schlängelt sich ein kleines, feuerrotes Auto mit silberner Leiter auf der Ladefläche durch die Touristenschar. Dem Wagen entsteigt Rolf Klingler, der mit zielstrebigen Schritten einen Stromverteiler-Kasten an der Ecke Kram- und Hotelgasse ansteuert. Man habe bereits am Montag damit begonnen, an alle Ecken und Enden der Altstadt Kabel zu ziehen, erklärt er, jetzt gehe es nur noch um die Endzufuhr. Zackig wird ein Verlängerungskabel quer über die Hotelgasse gezogen, und nicht einmal 15 Minuten nach dem Anruf kurvt Herr Klingler mit seinem feuerroten Gefährt schon wieder Richtung Zibelegässli davon, derweilen Mory Samb & Djam Rek mit der Verkabelung beginnen und pünktlich um 18 Uhr mit ihrer Darbietung beginnen können.

Kein Stress am Eröffnungstag

Während draussen das musikalische Geschehen in vollem Gange ist, sitzen im Restaurant Union in der Brunngasse einige Artisten und Helfer beim Abendessen zusammen. Generell sei der «Chaoten-Faktor» bei den Bands, welche beim Buskers mittäten, schon etwas höher als bei normalen Konzerten, sagt Tontechniker Samuel Berger über einem Teller Teigwaren. Kabel würden vergessen gehen oder Stecker oder andere Geräte nicht zusammenpassen. An diesem Tag hätten sie aber erst vier Mal ausrücken müssen, sagt Ilana Walker, die tontechnische Leiterin des Festivals. Das sei für einen Eröffnungstag entspannt wenig.

Wenig Zeit fürs Essen

Zwischenzeitlich haben Mory Samb & Djam Rek ihren ersten Auftritt absolviert, sämtliche Gerätschaften wieder ins Schlachthaus gekarrt und finden sich nun ebenfalls zur Verköstigung im Union ein. Viel Zeit fürs Essen bleibt allerdings nicht, bereits kurze Zeit später muss das ganze Material wieder zum Casino-Platz, der zweiten Spielstätte, transportiert werden. Wenn in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Buskers seinen Abschluss findet, werden Mory Samb & Djam Rek ihr Equipment insgesamt 20 Mal durch Berns Altstadtgassen bewegt haben. Ein «Chrampf», sagt Sam Baur. Man glaubt ihm aufs Wort. (Der Bund)

Erstellt: 12.08.2017, 08:20 Uhr

Kost und Logis gratis

Die Künstlerinnen und Künstler erhalten von den Organisatoren des Buskers Bern keine Gage. Wie viel Hutgeld sie von den Besuchern zugesteckt bekommen, kann von der Festivalleiterin Christine Wyss nicht beurteilt werden. Solokünstler wie zum Beispiel Artisten verdienten aber im Durchschnitt mehr, weil sie das Geld nicht noch aufteilen müssten, sagt sie. Für Gruppen, die eher ein älteres Publikum ansprechen, sehe es finanziell ebenfalls besser aus. Denn ältere Leute seien tendenziell freigiebiger als junge.

Auch wenn es am Buskers keine Gage gibt: Die Künstlerinnen und Künstler werden von den Organisatoren auf andere Weise unterstützt. So bezahlen die Veranstalter insgesamt rund 50 000 Franken an Reisekosten; zudem ist für sie Kost und Logis gratis. Dabei geht es immerhin um 600 Übernachtungen in Hotels und um 1200 Mahlzeiten. Insgesamt beschert das Festival der Stadt Bern noch mehr Hotelübernachtungen, denn viele Künstler reisen nicht alleine an. (crt)

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