Burgergemeinde Bern wehrt sich für Tennisclub Sporting

Gegen den Neubau der iranischen Botschaft sind Einsprachen eingegangen.

Hier will die iranische Botschaft bauen: Der Tennisclub Sporting im Kirchenfeld.

Hier will die iranische Botschaft bauen: Der Tennisclub Sporting im Kirchenfeld. Bild: Valérie Chételat

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Er war der Retter des Tennis Sporting Club Bern und könnte nun sein Totengräber werden: Dreizehn Jahre nachdem der Unternehmer Roberto Oprandi die Liegenschaft des Clubs an der Kirchenfeldstrasse 70 für 1,5 Millionen Franken gekauft hat, will er sie nun für 6,5 Millionen Franken an die iranische Botschaft verkaufen. Die Iraner wollen gemäss Baugesuch zehn Millionen Franken in den Bau eines Mehrfamilienhauses mit Einstellhalle als neues Botschafts­gebäude investieren (Der «Bund» berichtete). Der 1923 gegründete Traditionsverein Tennis Sporting Club verlöre dadurch seine Infrastruktur. «Wir können ohne Clubraum und Garderobe nicht leben», sagt Vizepräsident Andreas Maurer. Oprandi gehören allerdings nur drei der acht Tennisplätze auf der Rückseite des Gebäudes. Die anderen fünf Plätze wurden von der Burgergemeinde Bern im Baurecht an den Club abgegeben.

Laut Maurer läuft die vor der Schlichtungsbehörde erstrittene Mieterstreckung Ende September aus. Oprandi habe jedoch mündlich zugesichert, dass der Club die Saison 2014 ordentlich beenden könne. «Wir müssen nun aber wissen, wie es weitergeht.» Mit einer Verlängerung des Mietvertrages um ein Jahr wäre den 360 Mitgliedern des Clubs nicht gedient. Maurer hofft, dass der Verkauf des Grundstücks an die Iraner noch nicht definitiv ist. «Oprandi hat uns gesagt, dass der Verkauf noch nicht entschieden ist.»

Umstrittene unterirdische Büros

Die Rettung des Clubs könnte aber zuletzt weniger eine Frage der Hoffnung als der Rechtslage sein: Die Iraner wollen das Land nur in baureifem Zustand erwerben. Gegen das Vorhaben sind nun aber Einsprachen eingegangen. Nach Angaben des Regierungsstatthalter­amtes stammen vier Rechtsbegehren von Privaten. Je eine Einsprache stammt vom Kirchenfeld-Brunnadern-Elfenau-­Leist und von der Burgergemeinde Bern. Aus der Sicht des Tennisclubs ist das Rechtsbegehren der Burgergemeinde zentral. «Das Vorgehen der Burgergemeinde ist in unserem Sinn. Die Burger haben uns frühzeitig ihre Unterstützung zugesichert», sagt Maurer.

Die Burgergemeinde hat indes nicht Einsprache erhoben, sondern eine Rechtsverwahrung deponiert. Damit wolle man sich den Rechtsweg offenhalten, falls die Iraner nicht auf den Bau unterirdischer Büros in einem waldnahen Streifen nahe der Tennisfelder verzichteten, sagt Sprecherin Stefanie Gerber Frösch auf Anfrage. In einem ersten Bauprojekt, das durch Einsprachen blockiert wurde, sah Oprandi an dieser Stelle die Einrichtung eines unterirdischen Clubraums vor. Zu dieser Nutzung habe die Burgergemeinde seinerzeit ihre Zustimmung signalisiert. «Wir wollten den Tennisclub beim Erhalt eines Club­raums unterstützen. Mit dem Bau von Büros sind wir aber nicht ­einverstanden», sagt Gerber Frösch. Büros brauchten ­Tageslicht, wodurch der erwähnte Grundstücksstreifen in Waldnähe an der Oberfläche beeinträchtigt werden könnte. «Es geht dabei auch um die Einhaltung des Waldabstandes», sagt Gerber Frösch.

Fusion als letzte Option

Falls der Club definitiv auf seine Infrastruktur verzichten müsste, wäre laut Maurer eine Fusion mit dem örtlich nahen TC Rotweiss in Erwägung zu ziehen. Der TC Rotweiss befindet sich in der Nähe des Seilparks Ropetech. Die Spieler des Tennis Sporting Club müssten sich dort umziehen und zu Fuss über den Weg entlang des Waldes zu den Tennis­plätzen gelangen. «Das wäre alles andere als optimal, aber unter den gegebenen Bedingungen die beste Option», sagt Maurer.

«Einer der schönsten Clubs»

Eigentümer Oprandi ist der Vater der Profi-Tennisspielerin Romina Oprandi und auch Eigentümer der Tennisanlage Thalmatt. Er war gestern ferienhalber abwesend und für den «Bund» nicht erreichbar. Oprandi sitzt nach wie vor im Vorstand des Tennis Sporting Club. Als er 2001 die Liegenschaft an der Kirchenfeldstrasse 70 erwarb, wurde er als Retter des damals verschuldeten Vereins gefeiert. «Meine tennisbegeisterte Familie wollte den ältesten und einen der schönsten Clubs in der Stadt Bern am Leben erhalten», begründete Oprandi damals sein Engagement. (Der Bund)

Erstellt: 26.07.2014, 08:29 Uhr

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