Britischer Pharmariese verlegt Holdingsitz nach Bern

Galenica holt den Partnerkonzern Alliance Boots von Zug in die Bundesstadt. Dort ist bereits eine Tochterfirma des Konzerns ansässig.

Ein Teil des Alliance-Boots-Konzerns: Apotheke im Zentrum von London.

Ein Teil des Alliance-Boots-Konzerns: Apotheke im Zentrum von London. Bild: Keystone

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Wenn ein ausländischer Konzern seinen Sitz in Zug hat, ist er zum Steuernsparen dort. Das ist auch im Fall des britischen Pharmagrosshändlers Alliance Boots so: Nur einen Briefkasten hat der Konzern in Zug. Nun zieht dieser Briefkasten weiter nach Bern: Die Firmenzentrale von Alliance Boots in London bestätigt dem «Bund», dass der Holdingsitz von Zug nach Bern verlegt wird.

Dies hat der Verwaltungsrat des Konzerns beschlossen. Alliance Boots setzte im letzten Geschäftsjahr 33 Milliarden Franken um und beschäftigt 116 000 Angestellte.

Während Alliance Boots in Zug kein Personal beschäftigte und es nur ums Steuernsparen ging, hat der künftige Sitz in der Bundesstadt einen Bezug zum operativen Geschäft: Bereits seit einigen Monaten ist am Untermattweg 8 in Bern-Bethlehem eine Tochterfirma des Konzerns in Betrieb: Gemeinsam mit der US-Apothekenkette Walgreens hat Alliance Boots hier die globale Einkaufsabteilung eröffnet. Dass die beiden Grosskonzerne auf dem Weltmarkt gemeinsam einkaufen, hat seinen Grund: Letztes Jahr gaben die beiden Unternehmen bekannt, dass sie in einigen Jahren fusionieren wollen.

Bern «substanziell» ausbauen

Rund 30 Personen arbeiten bereits für dieses Joint Venture in Bern. Im Büro der Firma namens Walgreens Boots Alliance Development GmbH heisst es, der Personalbestand solle in der nächsten Zeit auf 50 Personen anwachsen, längerfristig wird aber mit deutlich mehr Personal gerechnet.

Bei den nun in Bern tätigen Angestellten handelt es sich vorwiegend um gut ausgebildete und gut verdienende, aus dem Ausland hergezogene Kaderleute. Stefano Pessina, Verwaltungsratspräsident von Alliance Boots, lobte Bern jüngst in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» als «perfekten Ort» für das Joint Venture. Und er stellte in Aussicht, den Standort «substanziell» auszubauen: «Wir benötigen mehr Leute in Bern.»

Dass das Joint Venture und nun auch der Alliance-Boots-Holdingsitz nach Bern kommen, ist kein Zufall: Gastgeber am Untermattweg ist die Schweizer Apotheken- und Pharmagruppe Galenica. Alliance Boots ist mit 25 Prozent die grösste Galenica-Aktionärin. Und Galenica-Präsident Etienne Jornod sitzt wiederum im Verwaltungsrat von Alliance Boots. Er war es, der bei Alliance Boots für den Standort Bern weibelte.

Die Verlegung des Alliance-Boots-Holdingsitzes von Zug nach Bern wird keine zusätzlichen Arbeitsplätze bringen, denn das Management des Konzerns sitzt nach wie vor in London. Galenica-Präsident Etienne Jornod betont im Gespräch mit dem «Bund» aber, dass die Standortwahl des internationalen Konzerns «eine Erfolgsstory für Bern» sei. Denn das hier niedergelassene Joint Venture, die gemeinsame Einkaufsabteilung von Alliance Boots und Walgreens, sei eine zentrale Abteilung der beiden Konzerne.

«Deutlich attraktiver als Zug»

«Um Synergien zu nutzen, kaufen die beiden Konzerne nun gemeinsam von Bern aus ein», sagt Jornod. Demnächst wird die Einkaufsgemeinschaft um einen dritten Pharmagrossisten, um Amerisource Bergen, erweitert. Die Einkäufe für diese drei Pharmahandelskonzerne werden die Mitarbeiter in Bern tätigen. Deshalb soll der Personalbestand in den nächsten Jahren entsprechend steigen.

Wie gross die Steuereinnahmen von der Alliance-Boots-Holding für den Kanton Bern sein werden, ist unklar – er kann sich womöglich auf einige Steuermillionen freuen. Jornod verneint, dass es beim Umzug des Holdingsitzes um die Steuern ging. Die Vermutung, dass die Holdinggesellschaft in Bern einen ähnlich tiefen Steuersatz geniessen wird wie in Zug, will Jornod nicht kommentieren. Er hebt aber hervor, dass Bern als Standort deutlich attraktiver sei als Zug: «Bern ist die Hauptstadt, Bern ist mehrsprachig, und Bern kann innert Kürze von vier Flughäfen aus erreicht werden.»

Bereits habe eine Verwaltungsratssitzung von Alliance Boots in Bern stattgefunden, sagt Jornod, der selbst Mitglied des Gremiums ist: «Die Verwaltungsräte kamen aus London, Monaco und New York und haben hier im Fünfsternhotel übernachtet. Das ist super für Bern!»

Der bernische Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher sagt auf Anfrage, der Kanton Bern gewähre «für reine Sitzverschiebungen innerhalb der Schweiz» keine finanziellen Anreize. «Es ist nicht die Strategie des Kantons Bern, anderen Kantonen Firmen abzujagen.» Doch es wehre sich auch kein Volkswirtschaftsdirektor gegen einen solchen Zuzug, fügt Rickenbacher an.

Für die Ansiedlung des Joint Venture von Alliance Boots und Walgreens hat der Kanton Bern letztes Jahr jedoch grosse Anstrengungen unternommen, wie Regierungsrat Rickenbacher sagt. So hat die Wirtschaftsförderung die beiden Pharmakonzerne bei der Immobiliensuche und auch bei der Suche nach Wohnungen für die Angestellten unterstützt.

Rickenbacher traf die Spitzen der beiden Unternehmen, um ihnen den Standort Bern schmackhaft zu machen. Schliesslich musste sich Bern gegen andere internationale Standorte für das Joint Venture durchsetzen. Rickenbacher verweist auch auf die Mithilfe von Galenica-Präsident Jornod. Dass der Kanton auch finanzielle Anreize – in Form von Steuererleichterungen oder eines Investitionsbeitrags – gewährt hat, will der Volkswirtschaftsdirektor weder bestätigen noch dementieren.

Trost nach zwei bitteren Pillen

Die Ansiedlung der Holdinggesellschaft und der Einkaufsgesellschaft von Alliance Boots ist für die bernische Wirtschaftsförderung ein Erfolg, nachdem der Pharmastandort Bern zuletzt zwei bittere Pillen hatte schlucken müssen. So haben die beiden grossen Schweizer Pharmakonzerne Novartis und Roche in den letzten Jahren fast 500 Stellen von Bern und Burgdorf in andere Kantone und ins Ausland verlagert.

Doch laut der Wirtschaftsförderung arbeiten immer noch rund 7000 Personen in den 280 bernischen Medizinaltechnik- und Pharmafirmen. Neben den vielen KMU sind es grössere Unternehmen wie Galenica, CSL Behring, Ypsomed und die Haag-Streit-Gruppe. Zusammen mit drei anderen Kantonen finanziert der Kanton Bern das Branchennetzwerk Medical Cluster, einen Verein mit Sitz in Bern. (Der Bund)

Erstellt: 28.03.2013, 07:40 Uhr

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