Bitte lächeln: Überwachungskameras im Way to India

Das Stadtberner Restaurant Way to India hat 16 Kameras installiert – eine rechtlich fragwürdige Sache.

Im Way to India soll ein ganzer Pulk von Kameras Taschendiebe abschrecken. Foto: Caroline Marti

Im Way to India soll ein ganzer Pulk von Kameras Taschendiebe abschrecken. Foto: Caroline Marti Bild: Caroline Marti

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Leserin R. J. traute ihren Augen nicht, als sie kürzlich mit ihrer Begleitung im Restaurant Way to India zu Abend ass: «Über unseren Köpfen waren zwei Kameras installiert», schreibt sie in einer E-Mail an den «Bund». Dies sei im ersten Stock des Restaurants gewesen. R. J. fragte die Bedienung, diese sagte: Sinn und Zweck der Vorrichtung sei, dass der Chef auf seinem PC sehen könne, «wie viel läuft». Sie selbst störe sich nicht daran. «Wie sich die Gäste damit fühlen, ist anscheinend keine Frage», so R. J., «ebenso nicht, ob es legal ist.»

16 Kameras auf drei Stockwerken

Der «Bund» sucht das Lokal neben dem Käfigturm auf und stellt fest, dass rund vier Meter vom Eingang entfernt tatsächlich eine jener schwarzen Kamerakegel von der Decke hängt, wie sie mittlerweile in den meisten Berner S-Bahnen anzutreffen sind. Eine Warnung, dass man gefilmt wird, gibt es am Eingang nicht. «Wir filmen, weil es hier sehr viele Diebe gibt», sagt eine Angestellte, als sie darauf angesprochen wird. «Es werden zum Teil sogar die Portemonnaies unserer Mitarbeiter gestohlen.»

Laut Restaurantpächter Prasad Bharanya sind in den drei Stockwerken des Way to India derzeit insgesamt 16 Kameras installiert: «Wir haben das System erst letzte Woche einbauen lassen.» Auch er argumentiert mit dem Schutz vor Dieben. «Wir können zwar nicht jeden Winkel des Restaurants filmen, aber die Kameras haben zumindest eine abschreckende Wirkung.» Dies hätten Erfahrungen mit der Videoüberwachung in einer Zürcher Filiale des Restaurants gezeigt. «Wir haben dort schon seit drei Jahren Kameras», sagt Bharanya. «Probleme hatten wir damit nie.»In der Stadt Bern ist das Filmen von Gästen in Restaurants «definitiv nicht Usus», wie Jean-Daniel Martz, Chef der Berner Sektion des kantonalen Restaurationsverbandes Gastro Bern, sagt. «Es wird zwar hin und wieder darüber diskutiert, den Kassenbereich zu filmen. Mir war jedoch nicht bekannt, dass ein Lokal auch wirklich Kameras installiert hat.» Er könne sich jedenfalls vorstellen, dass Kameras im Gästebereich aus Datenschutzgründen problematisch seien.

Keine Einwilligung – kein Filmen

Rechtlich gesehen ist das Filmen von Gästen in Restaurants tatsächlich problematisch, wie es beim Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) heisst. «Die Gäste müssen über die Videoüberwachung informiert werden, etwa mit einem Schild im Eingangsbereich des Restaurants», sagt Mediensprecherin Eliane Schmid. Dazu gehöre auch eine Angabe, wo das Auskunftsrecht geltend gemacht werden kann, die Auskunft also, wo und wie lange die Bilder gespeichert werden. Schmid: «Wenn die Leute dann eintreten, geben sie quasi ihre Einwilligung, gefilmt zu werden.» Das Arbeitsrecht verbiete darüber hinaus die systematische Überwachung der Angestellten.

Die Einwilligung der Gäste alleine reicht allerdings nicht aus, wie die Edöb-Sprecherin weiter sagt. «Die Videoüberwachung muss auch verhältnismässig sein.» Das heisst: Es muss die für die Persönlichkeitsrechte am wenigsten einschneidende Massnahme zur Diebstahlsicherung gewählt werden. Denkbar wäre also etwa, dass das betroffene Restaurant einen Wachmann einstellt, statt Kameras zu installieren. «Ohne genauere Abklärungen vor Ort können wir den konkreten Fall indes nicht abschliessend beurteilen», schränkt Schmid ein. Zudem sei der Edöb primär eine Beratungsstelle, sagt sie. «Betroffene können vor Zivilgericht klagen.»

Konfrontiert mit dieser Information, kündigt Way-to-India-Pächter Bharanya an, «so schnell wie möglich» eine Infotafel für die Gäste aufzustellen. Er bekräftigt zudem, dass die Bilder nicht veröffentlicht und nach zwei Wochen automatisch gelöscht würden. «Die Kameraherstellerin hat uns rechtlich beraten», führt er als Rechtfertigung an. «Aber offensichtlich müssen wir uns selbst mal mit den rechtlichen Aspekten auseinandersetzen.» (Der Bund)

Erstellt: 30.01.2013, 06:53 Uhr

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