«Biolebensmittel einzukaufen, ist gar nicht elitär»

Donnerstags findet in der Alten Kaserne ein abendlicher Lebensmittelmarkt statt. Zu kaufen gebe es etwa Brot, das zwei Wochen lang frisch bleiben soll, sagt Severin Aegerter.

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Hanna Jordi

Herr Aegerter, nicht alle Nachbarn der Alten Feuerwehrkaserne sind dem Zwischennutzungsprojekt gutgesinnt. Nun findet am Donnerstag erstmals ein abendlicher Markt statt, weitere Veranstaltungen werden folgen. Wollen Sie die Schmerzgrenze der Anwohner ausloten?
Keinesfalls! Wir suchen einfach nach Möglichkeiten, die Räume der Alten Kaserne zu nutzen. Natürlich, seit sich manche Einwohner mit Einsprachen gegen das Baugesuch gewehrt haben, konnten wir manche Projekte nicht vorantreiben. Dazu gehören etwa die Ölmühle oder die Kaffeerösterei. All jene Projekte aber, die sich im Rahmen der befristeten Nutzung umsetzen lassen, sind unverdächtig. Vielleicht lässt sich ja der eine oder andere Nachbar, der jetzt noch skeptisch ist, auf einen Besuch auf dem Markt, bei der Fotovernissage oder im Weinseminar ein.

Am Wochenende findet das zweitägige Wein-Forum Vinaare statt: Ist es nicht gerade die Angst vor feuchtfröhlichen Anlässen, welche die Nachbarn auf die Palme bringt?
Nein, da mache ich mir keine Sorgen. Vinaare ist ja nicht ein Botellòn. Vielmehr gibt es gutes Essen mit Weinbegleitung, Workshops, Degustationen und Podiumsgespräche. Uns ist schliesslich allen klar, dass in der Alten Kaserne nicht Partys oder Konzerte bis in alle Nacht stattfinden können. Schliesslich steht sie mitten im Quartier.

Wein, Biolebensmittel, Fotografie: Das Programm der geplanten Veranstaltungen könnten böse Zungen als elitär beurteilen. Was sagen Sie denen?
Biolebensmittel einzukaufen, ist gar nicht elitär. Wir wollen gerade auch Leute ansprechen, die bis dahin nicht oft auf dem Markt eingekauft haben. Wer am Marktstand einkauft, merkt schnell, wie sinnvoll bezahlbar das ist. Nicht nur, dass die Lebensmittel aus der Region stammen. Der Preis macht sich oft bezahlt, denn im Gegensatz zum Krustenkranz aus dem Grossisten hält das Brot, welches nach dem alten Rezept eines Simmentaler Bäckers gebacken wurde, zwei Wochen. Wir wollen zeigen, wie man als Konsument nachhaltiger einkaufen kann: Wer auf dem Markt kauft, wirft oft weniger weg.

Der Markt findet am Abend statt – wenden Sie sich gezielt an ein jüngeres Publikum, das am Dienstag- oder Samstagmorgen nicht aus den Federn kommt, um zum Markt in die Stadt zu gehen?
Nein, nicht nur. Frühmorgens einzukaufen, entspricht nicht allen. Auch ich als Familienvater schätze es, wenn ich abends in aller Ruhe einkaufen kann und nicht am Morgen auf dem Weg zur Arbeit. Indem wir andere Einkaufsmuster bedienen, füllen wir eine Lücke in Berns Angebot.

Wie lautet Ihre Prognose für die Zukunft der Alten Feuerwehrkaserne?
Die Beschwerden der Anwohner gegen die Baubewilligung liegen jetzt beim Regierungsstatthalter. Wir befinden uns in einem normalen Prozess, bei dem versucht wird, die Interessen der Parteien abzuwägen. Ich möchte nicht vorgreifen, doch wir sind zuversichtlich. Die Stadt hat mehrmals signalisiert, dass sie Interesse an einer lebendigen Zwischennutzung hat – und an Ideen mangelt es uns schon mal nicht.

DerBund.ch/Newsnet

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