Besuch in der Idylle

Die Gärten des Erlacherhof und des Von-Wattenwyl-Hauses in der Berner Altstadt öffnen im Rahmen des Tages des Denkmals die Türen.

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Der Herbst kündete sich am Dienstag mit einem grauen und nebligen Morgen an, doch noch blüht und spriesst es im Garten des Erlacherhofs in Bern, des Sitzes der Stadtregierung. Dahlien, Tagetes, Kapuzinerkresse setzen Farbtupfer im Grün, zwischen den Blumen wachsen Eiben, an den Seiten der Terrasse spenden Ahornbäume Schatten.

Zwischen 2012 und 2014 ist der Garten aufgrund der Architekturpläne aus dem 18. Jahrhunderts restauriert worden. Zusammen mit Pro Specie Rara sei ein historisches Pflanzensortiment ausgewählt worden, sagte Jean-Daniel Gross, Denkmalpfleger der Stadt Bern, bei einem Medienrundgang.

Im Rahmen der europäischen Tage des Denkmals sind in Bern die Gärten des Erlacherhofs und des Von-Wattenwyl-Hauses am Samstag öffentlich zugänglich. Normalerweise sind die Gärten für die Öffentlichkeit geschlossen, allenfalls lassen sich von der Münsterplattform aus einige neugierige Blicke auf die idyllischen Orte werfen.

«Es sind wohl die beiden schönsten Barockgärten in Bern», erklärt Gross. Bei der Wiederherstellung habe man sich an das historische Vorbild herangetastet. Dabei musste beim Erlacherhof auch einiges korrigiert werden, das bei einer ersten Umgestaltung Ende der 1970er-Jahre allzu frei interpretiert worden war.

Tomaten aus patrizischer Erde

Auch die Gartenanlage des Von-Wattenwyl-Hauses, welches der Eidgenossenschaft gehört und für Empfänge von Staatsgästen und Gespräche genutzt wird, ist vor einigen Jahren restauriert worden. Die Arbeiten seien umfangreicher und tiefgreifender ausgefallen als beim Erlacherhof, sagt Gross. Eine Sanierung der Stützmauern und der Treppen war notwendig.

Zudem präsentierten sich die Gärten des Von-Wattenwyl-Hauses eher in einem verwilderten und wenig gepflegten Zustand. Nun ist alles schön geordnet und akkurat gepflegt. Die beiden untersten Terrassen sind an Privatpersonen vermietet worden. Urban Gardening an repräsentativer Lage. Ein Mann holt sich gerade reife Tomaten für den Mittagstisch, daneben wachsen Gemüse und Salate.

Die Gärten sind nach Süden ausgerichtet und entsprechend gut besonnt. Das Regenwasser wird über Röhren und Becken stufenweise nach unten geleitet. Für die Denkmalpflege sind die Gärten eigentliche barocke Oasen, «Orte der Einkehr und der Erholung».

Bei beiden Anlagen ist der Garten in die Konzeption der Patrizierhäuser integriert. Der Erlacherhof wurde entlang einer Mittelachse entwickelt, die auch auf der Terrasse erkennbar ist. Auch das Von-Wattenwyl-Haus setzt einen herrschaftlichen Akzent. Die dortige oberste Terrasse wird allerdings am Samstag nicht zu besichtigen sein.

Unter den ausladenden Bäumen sah man auch schon den versammelten Bundesrat anlässlich von Klausursitzungen speisen – ob dabei auch Blumenkohl aus dem eigenen Garten auf den Teller kam und mit einem Bätzi aus alten Apfelsorten, die gleich unterhalb der Stützmauern wachsen, hinuntergespült wurde, ist nicht bekannt.

Die Besichtigung der beiden Gärten findet am Samstag, 10. September, jeweils um 9, 11, 14 und 16 Uhr statt. Treffpunkt ist beim Erlacherhof. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. (Der Bund)

Erstellt: 07.09.2016, 10:05 Uhr

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Gärten als kulturelles Erbe in der Schweiz

Bei den europäischen Tagen des Denkmals machen rund 50 Länder mit. In der Schweiz stehen die Tage unter dem Stichwort
«Oasen». Gärten, Parkanlagen, Kulturlandschaften sind Freiräume und Orte des Rückzugs in einer zunehmend dichter besiedelten Schweiz. Parkanlagen und Gärten sind nicht nur von historischer Bedeutung, ihnen kommt auch eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zu, sie sind ein Teil der Lebensqualität.

Über 360 Orte in der ganzen Schweiz können am Wochenende vom 10. und 11. September besichtigt werden. Im Kanton Bern umfasst das Programm Führungen, Referate und Diskussionen an zahlreichen Orten, etwa in der Grottenanlage beim Schloss Hünegg am Thunersee, im Barockschloss von Thunstetten, das auch Versailles des Oberaargaus genannt wird, oder in der neu angelegten Parkanlage im Brünnengut in Bümpliz-Bethlehem. Weitere Informationen zu allen Veranstaltungen im Kanton Bern und in der Schweiz sind unter www.hereinspaziert.ch zu finden.

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