Berns neu entfachte Liebe zum Cupfinal

Das Final des Schweizer Cups wird 2019 erneut in Bern stattfinden. Die Verhandlungen verliefen unerwartet einfach.

Nach 2018 findet der Cupfinal auch 2018 in Bern statt.

Nach 2018 findet der Cupfinal auch 2018 in Bern statt.

(Bild: Manuel Zingg)

Martin Erdmann@M_Erdmann

«Gemeinderat freut sich auf Fussballcupfinal 2019.» So titelte die Berner Stadtregierung eine Medienmitteilung, die sie am Montagnachmittag verschickt hat. Es ist eine Freude, die erst herangezüchtet werden musste. Denn Bern war in den vergangenen Jahren stets skeptisch gegenüber der Austragung des Cup­finals in der eigenen Stadt.

Allen voran Sicherheitsdirektor Reto Naus (CVP). Aus Kostengründen und wegen Gefahr vor Fangewalt hielt sich seine Begeisterung in Grenzen.

Nause hofft auf YB

Dieses Jahr ist alles anders. Das zeigt bereits der frühe Zeitpunkt der Einigung zwischen der Stadt Bern und dem Schweizerischen Fussballverband (SFV). Während die Verhandlungen letztes Jahr sehr harzig verliefen und erst Ende Februar abgeschlossen wurden, hat man sich für den Final von 2019 schnell gefunden. «Dieses Jahr verlief der Dialog sehr konstruktiv», sagt Nause. Das dürfte daran liegen, dass der SFV wie im Jahr zuvor die Hälfte der Sicherheitskosten tragen wird, wie Nause bestätigt. Diese lagen beim letzten Finalspiel bei 700000 Franken.

Im Mai spielten mit den Young Boys die Hausherren gegen die Gäste aus Zürich um den Cup­pokal. Doch könnten diese Sicherheitskosten nach oben getrieben werden, wenn 2019 zwei auswärtige Mannschaften im Stade de Suisse aufeinandertreffen würden? «Darüber lässt sich nur spekulieren», sagt Nause. Er fügt jedoch an, dass eine Finalteilnahme der Young Boys die Organisation wesentlich unproblematischer machen würde. «Dadurch reisen rund 15000 Auswärts-Fans weniger nach Bern.»

Keine Garantie auf Tradition

Wie jedes Jahr stand Bern mit Basel, Genf und Zürich in Konkurrenz. Es habe sich aber sehr schnell herauskristallisiert, dass der Cupfinal wieder nach Bern gehen wird, sagt SFV-Mediensprecher Marco von Ah. «Bern hat sich am stärksten bemüht.» Zudem habe aus den «knorrigen» Verhandlungen vom Vorjahr ein Projekt resultiert, auf dem man aufbauen könne. Die einst so hart umkämpften Sicherheitskosten scheinen plötzlich kein Problem mehr zu sein. Dass der Fussballverband 50 Prozent von diesen tragen muss, habe man «ohne Zähneknirschen» akzeptiert, sagt von Ah.

Zwischen 1937 und 2000 fand der Cupfinal immer in Bern statt. Doch dass die Austragung des Grossanlasses wieder zur festen Berner Tradition wird, ist trotz dieser neuen Harmonie längst nicht gesichert. «Dafür gibt es keine Garantie», sagt von Ah. Jedes Jahr werde die Vergabe neu ausgehandelt. Diese Wechseloption lässt sich der SFV aus praktischen Gründen offen. «Als zum Beispiel das Stade de Suisse noch im Bau war, mussten wir auf andere Städte ausweichen.»

Länderspiele kein Thema

Es ist kein Geheimnis, dass die Stadt Bern gerne an der Austragung von Länderspielen beteiligt sein möchte. Doch SFV-Sprecher von Ah winkt sofort ab. Nicht wegen der Stadt oder dem Stadion. Es liege am Kunstrasen. «Da sich die meisten Nationalspieler Naturrasen gewöhnt sind, würden wir dadurch praktisch unseren Heimvorteil vergeben.» So lange, dieser im Stade de Suisse ausgerollt wird, werde es keine Spiele der Nationalmannschaft in der Bundesstadt geben. «Wenn sich das ändert, ist Bern sofort wieder ein Thema.»

Der Umstieg auf Naturrasen ist jedoch komplizierter als es den Anschein hat. Da den Young Boys Rasenflächen fehlen, finden ihre Trainingseinheiten auf dem robusten Kunstmaterial anstatt auf pflegeintensiven Naturboden statt. «Darauf können wir keinen direkten Einfluss nehmen», sagt Nause.

Der Bund

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