Berns einstiger Stadtplaner übt Kritik an Brünnen

Weil die Bauherren dem Siedlungsbau der Achtzigerjahre verfallen seien, sei die Überbauung im Westen von Bern nicht urban, sagt Alt-Stadtplaner Jürg Sulzer.

Beim Le Corbusier-Platz biegt das Tram Richtung Westside ab.

Beim Le Corbusier-Platz biegt das Tram Richtung Westside ab. Bild: Adrian Moser

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Brünnen ist beinahe fertig gebaut. Mit der Präsentation des Siegerprojektes für Baufeld eins ist einer der letzten Wettbewerbe beendet worden. Entworfen wurde der neue Stadtteil vom einstigen Berner Stadtplaner Jürg Sulzer. Heute vermag dieser in Brünnen aber kaum den Charakter eines urbanen Quartiers zu erkennen. «Brünnen ist nicht Vorstadt, aber es ist auch nicht Stadt.» Es sei ein Versuch gewesen, ein Stück Stadt zu bauen, wie es im neunzehnten Jahrhundert üblich gewesen sei.

Im Unterschied zu damaligen Stadterweiterungen wie dem unteren Kirchenfeldquartier fehle es Brünnen aber an «Sinnlichkeit» und «spielerischen Elementen». Die Häuser seien gesichtslos und nähmen kaum Rücksicht auf die Nachbarbauten. Auch sei es nicht gelungen, Parterrenutzungen an Hauptverkehrsachsen wie der Ramuzstrasse zu etablieren.

Verantwortlich für die Fehlentwicklung seien die Bauherren, die dem Siedlungsbau der Achtzigerjahre verfallen seien; aber auch die Wettbewerbsjurys der 21 Baufelder. Jede dieser Jurys wäre dazu verpflichtet gewesen, die Entscheide der vorhergehenden und der benachbarten Wettbewerbsprojekte zu berücksichtigen. Dies sei aber meist nicht der Fall gewesen. «Wenn man die Architekten einfach machen lässt, entsteht halt etwas Willkürliches und Disparates», sagt Sulzer.

«Das könnte überall stehen»

Exemplarisch für diese Kritik steht Sulzers Einschätzung des erwähnten Siegerprojektes der LVPH Architekten aus Freiburg für Baufeld eins. Es handelt sich um einen Rundbau mit 48 Eigentumswohnungen und etwas Gewerbefläche. Die Jury lobt den «Mut zur besonderen Form». Der Bau reagiere «in überraschender Weise» auf den Standort und respektiere die Nachbarbauten. Sulzer hingegen vergleicht das runde Gebäude mit einem Stempel. Bei der Projektierung sei die «Selbstverwirklichung des Architekten» im Vordergrund gestanden. «Dieses Haus könnte überall stehen.» Es vermittle den klassischen Siedlungsbau anstelle verdichteter Stadtbauqualität, sagt Sulzer.

Hier gehts zum vollständigen Interview mit Alt-Stadtplaner Jürg Sulzer. (Abo+) (Der Bund)

Erstellt: 01.12.2017, 06:39 Uhr

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