Bernmobil beendet das Gaszeitalter

Auf Berns Strassen fahren schon bald 21 neue Hybridbusse. Damit scheinen die Tage der Gasflotte gezählt. EWB bleibt nun auf Gastankstellen sitzen, die es für Bernmobil gebaut hatte.

Ein typengleicher Hybrid-Bus im Einsatz bei den Luzerner Verkehrsbetrieben.

Ein typengleicher Hybrid-Bus im Einsatz bei den Luzerner Verkehrsbetrieben.

(Bild: Wikipedia)

«Die Zukunft gehört der Elektromobiltät», sagte Bernmobil-Direktor René Schmied gestern vor den Medien. Vorläufig kommt man aber noch nicht ohne fossile Brennstoffe aus. Die 21 neuen ­Gelenkbusse, die Bernmobil bis im nächsten Jahr kaufen will, werden über einen Hybridmotor verfügen (Kombination von Elektro- und Dieselmotor, siehe Kasten). Als Bernmobil im Frühjahr die Beschaffung von 21 neuen Gelenkbussen ausgeschrieben hatte, liess das Unternehmen offen, ob man Diesel-, Gas- oder Hybridbusse bevorzugen werde.

Dass der Entscheid nun zugunsten eines Hybridantriebs ausgefallen ist, ist durchaus bemerkenswert. Seit 2005 setzt Bernmobil auf Gasbusse. «Die Technologie hat sich seither weiterentwickelt», sagte Schmied. Die aktuelle Auswertung habe gezeigt, dass der Hybridbus bezüglich Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Lärmemissionen insgesamt am besten abschneide. «Das Resultat ist zu unserer Überraschung deutlich ausgefallen.»

Wyss: Für Bern reichts

Allerdings ist die Anschaffung von Hybridgelenkbussen auch ein Experiment. Bisher hat keine Schweizer Stadt eine vergleichbare Flotte dieses Typs. So hatten ältere Modelle stets Mühe, Steigungen zu überwinden. Nach wie vor taugten diese nicht für stark hügelige Gebiete wie etwa das Oberland, sagte Gemeinderätin Ursula Wyss (SP), die Schmied bei der Präsentation flankierte. «Aber für die Steigungen der Stadt Bern reichen sie noch lange – wir haben das getestet.» Wyss zeigte sich sowieso begeistert von den ­Hybridfahrzeugen: «Bernmobil übernimmt eine Pionierrolle.»

Weniger begeistert über das Ende des Gaszeitalters bei Bernmobil ist Energie Wasser Bern (EWB). «Wir bedauern den Entscheid», sagt EWB-Sprecherin Alexandra Jäggi auf Anfrage. Das städtische Unternehmen hat beim Betrieb der Gasflotte eng mit Bernmobil zusammengearbeitet. So hat EWB etwa eigens für Bernmobil eine Gastankanlage gebaut. In der ersten Phase kam es zu zahlreichen technischen Störungen und sogar zu einem Unfall, der Verletzte forderte. Dies bedurfte den Bau einer neuen Anlage. Schlussendlich musste EWB 15 Millionen Franken in die Gas­tankanlagen investieren – anstelle der geplanten 3 Millionen. Hinzu kommt, dass EWB mit einer grösseren Auslastung der Tankanlagen gerechnet hat. Bereits vor zwei Jahren klagte EWB-Chef Daniel Schafer im «Bund», dass die «Wirtschaftlichkeit der Tankstelle» nicht gewährleistet sei. Nun wird sich die Auslastung mittelfristig weiter verringern. In ungefähr fünf Jahren dürften die ersten Gasbusse aus dem Verkehr gezogen werden.

Trolleybusse bleiben

Während die Tage der Gasbusse schon bald gezählt sind, haben die Trolleybusse noch eine längere Zukunft vor sich. 2016 möchte Bernmobil die Beschaffung von neuen Trolleybussen aufgleisen. Im Unternehmen träumt man aber bereits von gänzlich batteriebetriebenen Fahrzeugen. «Opportunity Charging» lautet das Stichwort. Das bedeutet, dass die Batterien an einzelnen Bushaltestellen kurz aufgeladen werden. Auch der Hybridmotor wird also schon bald wieder zum alten Eisen gehören.

Der Bund

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