Berner Schatz unter dem Hammer

Vor 200 Jahren raubten die Franzosen den Berner Staatsschatz – und schmolzen die meisten Münzen ein. Nur wenige blieben erhalten - zwei davon werden nun versteigert.

Die Berner Gold-Dukate wurde erst kurz vor dem Raub geprägt.

Die Berner Gold-Dukate wurde erst kurz vor dem Raub geprägt. Bild: zvg

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Mitte November kommen in der Ostschweiz zwei Goldmünzen aus dem alten Berner Staatsschatz unter den Hammer. Die beiden Münzen wurden mutmasslich 1798 von den Franzosen mitgenommen, als diese den Berner Staatsschatz raubten. Die beiden Dukaten sind seltene Exemplare, denn die Franzosen liessen die meisten Berner Goldmünzen einschmelzen, um daraus französische Francs zu prägen. Damit war es einfacher, den französischen Soldaten den Sold auszuzahlen.

Der Staatsschatz war riesig. Über 300 Jahre hatten ihn die Berner geäufnet, wie der Historiker und Münzenexperte Georges Brosi sagt. So befanden sich umgerechnet 126 Millionen Euro in Berns Schatzkammern, als die Franzosen diese plünderten. «Es war der grösste Goldraub, den es bis dahin in Europa je geben hatte», sagt Brosi. Die Franzosen hätten die dreieinhalb Tonnen Gold und Silber in mehreren Fuhrwerk-Kolonnen in ihre Heimat abtransportieren müssen.

Die beiden nun zur Versteigerung gelangenden Goldmünzen entgingen dem Schicksal der meisten Berner Münzen und wurden nicht eingeschmolzen. Vielleicht waren sie auf einem der beiden Fuder des Schatzes, die die Berner ins Oberland retten konnten. Die eine Münze war damals noch ganz neu. Sie wurde 1798 wenige Wochen vor dem Überfall der Franzosen am 5. März geprägt. Vielleicht wurde sie aber auch erst zwanzig Jahre später angefertigt. Als die Berner wieder unabhängig geworden seien, hätten sie zum Teil die alten Stempel von 1798 nochmals benutzt, weiss Brosi. Echt sei die Münze aber ganz sicher.

Eine Münze – ein Halbjahreslohn

Die beiden Münzen hatten schon zum Prägezeitpunkt einen hohen Wert. Es sind eine 4- und eine 6-Dukaten-Münze. Eine Münze entsprach dem halben Jahreslohn eines Lehrers, wie Brosi vorrechnet. Mit einem Jahreslohn von zehn Dukaten seien die Lehrer allerdings nicht sehr gut gestellt gewesen. Ein guter Handwerker konnte das Doppelte verdienen. Doch auch ein Lehrerlohn habe gereicht, um Kartoffeln, Getreide und Kleider zu kaufen, sagt Brosi. «Aber der Lehrer musste zusätzlich einen Gemüsegarten bestellen, um über die Runden zu kommen.» Über die grossen Münzen hätten somit eher wohlhabende Händler verfügt. Ihnen dienten sie für grössere Geschäfte wie etwa einen Häuserkauf. Die grossen Münzen dienten auch als Geldreserve, die man daheim in der Truhe aufbewahrte und später wechselte. «Ein Bankkonto hatte damals noch niemand», sagt Brosi.

Rare Exemplare

Von den Berner Dukaten gebe es nicht mehr viele, sagt der Experte. Etwa 15 Stück seien in Privatbesitz, und die historischen Museen in Bern und Zürich besässen ebenfalls einige Exemplare. Münzen mit der Prägung 1798 seien besonders selten. Sie wurden auch nur während einer kurzen Zeit hergestellt. Für den privaten Sammler, der seine Münzen jetzt zur Auktion freigibt, ist dies ein Vorteil. Roman Salzmann vom Auktionshaus Rapp im st.-gallischen Wil rechnet damit, dass die Münzen bei der Versteigerung je einen Erlös von 10'000 Franken oder mehr erzielen. (Der Bund)

Erstellt: 06.11.2017, 14:00 Uhr

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