«Bern hat sein eigenes Tempo»

Auch wenn Bern langsamer wächst als andere Städte: Man sei auf Kurs, sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried.

Entwicklungpotential: Die Warmbächli-Brache in Holligen.

Entwicklungpotential: Die Warmbächli-Brache in Holligen. Bild: Franziska Rothenbühler

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Herr von Graffenried, Sie haben das Stadtentwicklungskonzept (Stek) übernommen. Hätten Sie einen anderen Fokus gelegt?
Das war nicht nötig. Das Konzept ist sehr gut. Die Stadt Bern will sich entwickeln und wachsen. Das Konzept zeigt auf, wie dies geschehen kann und soll.

Bern wächst langsamer als Biel, Zürich oder Winterthur. Ist das ok?
Das Wachstum der Stadt Bern ist in der Tat langsamer als jenes anderer Agglomerationen, insbesondere von Grossagglomerationen wie Zürich. Wir haben aber unser eigenes Tempo. Um auf die gewünschte Einwohnerzahl von 160'000 zu kommen, muss man 550 Wohnungen pro Jahr bauen. Das ist bereits anspruchsvoll.

Es ist also Schicksal, dass Bern weniger stark wächst?
Es geht in Bern nicht darum, Wachstum zu bolzen, das führt auch zu Wachstumsschmerzen. Wir wollen nicht rascher wachsen, damit wir auch die nötige Infrastruktur wie zum Beispiel den Schulraum zeitgerecht bereitstellen können. Das Tempo stimmt.

Die Stadt soll durch innere Verdichtung und eine Stadterweiterung wachsen. Was hat Priorität?
Im Vordergrund steht die innere Verdichtung, das heisst die laufenden Planungen. Längerfristig wird eine Stadterweiterung nötig sein. Im Osten projektiert der Bund einen unterirdischen Bypass für die Autobahn. Das gibt Spielraum für eine Stadterweiterung. Die Stadt wird dereinst einen Masterplan zur Entwicklung der Siedlungsstruktur entlang der einstigen A 6 vorlegen.

Das sind sehr langfristige Projekte.
Dem ist so. Der Bypass wird frühestens ab 2027 realisiert. Im Westen wäre eine Erweiterung in Brünnen Süd denkbar.

Beim Verdichten fällt auf, dass vor allem in Bern West verdichtet wird.
Nein, das stimmt nicht. Das Tramdepot Burgernziel oder die Migros Breitenrain sind auch Verdichtungsprojekte. Viel wird auch im Stadtteil drei passieren, Stichwort Warmbächli-Areal. Aber im Westen gibt es halt die Grossüberbauungen aus den 60er- und 70er-Jahren, die erneuert und verdichtet werden müssen. In der Länggasse und im Breitenrain gibt es sicher weniger solches Verdichtungspotenzial.

Die Bürgerlichen beklagen den Mangel an Gewerbezonen.
Es wird nach wie vor Gewerbezonen geben, zum Beispiel an der Güterstrasse. Auch CSL Behring soll sich in der Stadt weiterentwickeln können. Flächenintensives Gewerbe, wie es dies zurzeit noch im Gangloff gibt, wird es künftig aber schwerhaben. Es wäre schöngeredet, wenn ich eine gewisse Verdrängung in diesem Bereich negieren würde. Solche Nutzungen werden sich an die Peripherie verlagern. Dafür wird es an den Entwicklungsschwerpunkten wie im Wankdorf mehr Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich geben.

Wie soll das Konzept nun umgesetzt werden?
Die Quartierentwicklungen werden sich am Stadtentwicklungskonzept ausrichten. Dieses soll den Spielraum im Einzelfall aber nicht einschränken.

Der Stadtrat kann das Konzept nur zur Kenntnis nehmen. Fehlt da nicht die demokratische Legitimation?
Das könnte man so sehen. Der Lehrplan 21 wurde aber auch nicht im Parlament verhandelt. Durch die breite Mitwirkung ist das Stek stark abgestützt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2017, 07:19 Uhr

Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). (Bild: Adrian Moser)

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