Bergwelten in der Stadt

Im Rahmen einer Ausstellung im Alpinen Museum haben junge Künstlerinnen und Künstler Stromkästen in Bern bemalt.

Die Standorte der Stromkästen. Quelle: Alpines Museum Schweiz

Marina Stalder@MarinaStalder

Majestätisch ragt die verschneite Bergspitze in die Höhe. Nebelschwaden sorgen vor dem dunkelblauen Hintergrund für eine mystische Stimmung. Ein Bild, das man sonst nur aus den Bergregionen kennt, kann derzeit auch in der Stadt Bern bestaunt werden. Nicht etwa auf einer Leinwand in einem Museum, sondern auf Stromkästen im Freien. Das Projekt, welches vom Tiefbauamt der Stadt Bern lanciert worden ist, wurde im Rahmen der Kabinettausstellung «Junge Berge» des Alpinen Museums der Schweiz in den vergangenen Tagen realisiert.

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Für die Ausstellung haben Schweizer Hochschulen junge Kunstschaffende vermittelt, die sich aktuell in ihren Werken mit den Bergen beschäftigen. Diese elf Künstlerinnen und Künstler sind dann laut Barbara Keller, Ausstellungsmacherin am Alpinen Museum, auch für die Bemalung der Stromkästen angefragt worden – fünf von ihnen willigten ein, das Experiment Stromkasten zu wagen.

Bemalung erfolgt in Eigenregie

Die wenigsten der jungen Kunstschaffenden haben bereits vor der Stromkasten-Aktion Erfahrungen mit Kunst im öffentlichen Raum sammeln können. Daher wurden im Voraus Konzepte für die verschiedenen Kunstwerke ausgearbeitet. Das Alpine Museum überliess den Künstlerinnen und Künstlern Freiheit bei der Gestaltung, einzig bei der logistischen Planung habe man ihnen unter die Arme gegriffen, so Keller, «und bei der Graffiti-Prävention».

Die Bemalung im Zeitraffer. Quelle: Alpines Museum Schweiz

Dem Museum haben die Stadtbehörden zehn Stromkästen in ganz Bern zur Verfügung gestellt. Die Projektverantwortlichen haben fünf Standorte ausgewählten, die zu den Konzepten passen und in den verschiedenen Quartieren verteilt sind. Für die Bemalung derselben waren die Künstlerinnen und Künstler selber verantwortlich und benötigten zwischen einem und drei Tagen. Am Standort Eigerplatz musste gar eine Absperrungen durch die Stadt organisiert werden, weil der Stromkasten für den Künstler nur per Velostreifen zugänglich war.

25 farbige Stromkästen

Bereits 2013 wurden in Bern Stromkästen in Bergpanoramas verwandelt. Damals entwarf der taiwanesische Künstler Jui-Chin Chui ebenfalls für eine Ausstellung des Alpinen Museums vier farbenfrohe Bergszenen. Diesen sollen in den nächsten Jahren 21 weitere bemalte Stromkästen folgen, die ersten fünf davon wurden nun durch das Alpine Museum realisiert.

Um auch die weiteren Stromkästen zu gestalten, wurde eigens eine Begleitgruppe ins Leben gerufen. Diese sei derzeit auf der Suche nach Trägerschaften, welche in den kommenden Jahren die inhaltliche Führung für die Bemalung weiterer Stromkästen übernehmen würden, so Hugo Staub vom Tiefbauamt der Stadt Bern. Klar sei, dass sich die Stadt nur als Vermittlerin der Infrastruktur ins Spiel bringen will: Inhaltlich werde man den Trägerschaften keine Vorschriften machen.

Weil die Kunstwerke nicht in Museen, sondern im Freien stehen, drängt sich die Frage nach Renovierungen an den Stromkästen auf. Die Werke müssen laut Staub nicht ewig bestehen: «Wenn ein Kunstwerk im Laufe der Zeit der Verwitterung nicht mehr standhält oder sonst beschädigt ist, dann darf es durch ein neues Kunstwerk übermalt werden.»

Am 11. Juni findet um 18 Uhr die Vernissage der Kabinettausstellung «Junge Berge» und der bemalten Stromkästen im Alpinen Museum der Schweiz statt. Die Ausstellung dauert vom 12. Juni bis 19. August.

Der Bund

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