Bärner Meitschi mögen Frühstück und schreiben darüber

Ein Berner Lifestyle-Blog zelebriert die Leichtigkeit des Seins und findet damit eine wachsende Leserschaft.

Claudia Denier, Caroline Hulliger und Sandra Denier (von links) bloggen «leser-relevant» über Berner Livestyle.

Claudia Denier, Caroline Hulliger und Sandra Denier (von links) bloggen «leser-relevant» über Berner Livestyle.

(Bild: Tobias Anliker)

Welche Berner Beiz serviert den besten Brunch? Was taugt das Booty Camp, um die zugeführten Kalorien wieder loszuwerden? Und wie feuchtigkeitspendend ist die neue Nivea-Cellular-Perfect-Skin-Serie? Es sind nicht gerade die grossen Fragen des Lebens, mit denen sich der Blog Bärner Meitschi seit bald drei Jahren auseinandersetzt, aber sie stossen auf Interesse. Beinahe 10 000 Personen besuchen den Lifestyle-Blog mindestens einmal im Monat. Vor einem Jahr waren es noch halb so viele.

Der Erfolg des Blogs ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. Gegründet wurde Bärner Meitschi von Sandra Denier, welche die Marketingkommunikationsabteilung einer Bank leitet. «Ich wollte selber einmal kreativ arbeiten und nicht nur organisieren», sagt sie bei einem Treffen. Der Blog sei aber auch von Anfang an als Experiment gedacht. «Ich wollte herausfinden, was es braucht, um mit einem Projekt im Internet erfolgreich zu sein.»

Wichtig sei etwa, die Interessen der Leser zu berücksichtigen; «Leser-Relevanz» nennt das Denier. Sie schaut, welche Themen viele Klicks bringen und verfolgt diese gezielt weiter. Grossen Anklang finden etwa die Tests von Frühstückslokalen. Mittlerweile ist «Zmorge in Bern» eine eigene Kategorie auf dem Blog.

Die Mischung machts

Die Texte stammen aber nicht alle aus ihrer eigenen Feder – vier weitere Frauen gehören zum fixen Team. Ebenso massgebend wie die Klickzahlen für die Themenwahl seien die persönlichen Interessen der Bloggerinnen – die übrigens kein Honorar erhalten. «Sonst wären wir nicht glaubwürdig.» Der Zusammen­setzung des Teams komme deshalb eine grosse Bedeutung zu. «Im Moment ist diese ideal», sagt sie. «Wir decken alle verschiedene Interessen ab und unterscheiden uns auch bezüglich Alter und Charakter.»

Sandra Denier selber ist mit 33 Jahren die älteste der Bloggerinnen, sie ist zielstrebig und schreibt vor allem über Berns Gastro-Szene. Die quirlige Caroline Hulliger studiert Französisch, interessiert sich für Kultur und besucht «auch mal eine Galerie». Claudia Denier, die Schwägerin von Sandra Denier, ist eher ruhig und zurückhaltend – ausser das Thema dreht sich um Sport, Wohnen oder Kochen. Beim Treffen nicht anwesend sind die Studentin Jessica Zuber und die Neubernerin Simona Triet, mit 25 Jahren die Jüngste der Truppe. «Simona bringt den Blick von aussen mit», sagt Sandra Denier.

Mit Ausnahme der beiden Schwägerinnen haben sich die fünf Frauen erst durch den Blog kennengelernt. Sandra Denier suchte sie gezielt aus, als ihre Kollegin, mit der sie den Blog einst gegründet hatte, ausstieg. Dabei ging sie systematisch vor. Auf Caroline Hulliger ist sie etwa auf dem sozialen Netzwerk Twitter aufmerksam geworden. «Caroline hat mit über 2000 Follower eine grosse Reichweite – als Meinungsmacherin war sie für Bärner Meitschi deshalb attraktiv», sagt Denier.

«Bern ist eine Perle»

Bei allen Unterschieden, in ihrer Begeisterung für die Bundesstadt sind sich die Frauen einig: «Bern ist eine Perle», sagt Sandra Denier. Hulliger pflichtet ihr bei: «Bern wird häufig unterschätzt.» So entdecke sie nach wie vor neue spannende Orte, über die sie gerne berichte. Den Bloggerinnen fällt es dementsprechend schwer, Lieblingslokale zu nennen. «Es ist auch hier die Mischung, die es ausmacht», sagt Denier.

Neben eher alternativ angehauchten Orten wie dem Wartsaal in der Lorraine oder bildungsbürgerlichen wie dem Einstein-Café in der Altstadt mögen die Frauen auch edlere Lokale wie die Bar im Hotel Schweizerhof. «Im Gegensatz zu anderen Städten freuen sich die Betreiber der hiesigen Luxushotels, wenn sie auch von Einheimischen besucht werden», sagt Hulliger. Bern habe auch die perfekte Grösse, um so einen Blog zu betreiben. Während es in Zürich wahrscheinlich zehn Blogs mit ähnlicher Stossrichtung gebe, sei man in Bern der einzige. «Das macht es natürlich einfacher, Leser zu finden», sagt Denier.

Muskelkater in Bauch, Beinen, Po

Neben ihrer Liebe zu Bern teilen die Frauen auch eine Leidenschaft für Frühstück. Vor kurzem haben sie gar selber einen Brunch organisiert. Im Steakhouse in der Altstadt fand das erste Bärner-Meitschi-Zmorge statt – und war fast ausverkauft.

Den besten Brunch – das soll hier nicht vorenthalten werden – gebe es nicht im Steakhouse, sondern im Bellevue Palace. Und wer trotz ausgiebigem Frühstück fit bleiben will, dem sei das Booty Camp empfohlen. «Am nächsten Tag hat sich Muskelkater in Bauch, Beinen und Po bemerkbar gemacht», heisst es auf dem Blog. Schliesslich noch das Fazit zur neuen Nivea-Cellular-Perfect-Skin-Serie: «Insgesamt bin ich begeistert.»

www.baerner-meitschi.ch

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