Bär «4» auf dem Weg ins zweite Leben

Tierpark Dählhölzi

Bär «4», einer der beiden getöteten Jungbären des Tierparks Dählhölzli, wird zurzeit präpariert, um später als Schulungsobjekt dienen zu können.

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Im April erhitzten sich die Gemüter der Stadtberner, als die Jungbären im Tierpark Dählhölzli vom Bärenvater zu Tode geschüttelt wurden – DerBund.ch/Newsnet berichtete. Nachdem sich der Aufruhr gelegt hat, geht die Geschichte des kleinen Bären «4» in einem kleinen Atelier in Düdingen weiter. Sabrina Beutler ist Tierpräparatorin und stellt im Auftrag des Tierparks Dählhölzli ein Modell des Bären her, über das dann das echte Fell des verstorbenen Tieres gezogen wird.

«Für mich persönlich spielt es keine Rolle, dass es gerade dieser Bär ist», sagt Beutler. So handle es sich einfach um ein weiteres totes Tier, das sie präpariert. Trotzdem sei ihr bewusst, dass das gesellschaftliche und mediale Interesse gross ist. «Sonst würden mir wohl keine Journalisten während der Präparation kritisch über die Schulter blicken», sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Für sie sei es der erste Bär, den sie präpariert.

Ausgeprägte Brustmuskeln

Um den Bären lebensgetreu nachstellen zu können, orientiert sie sich an einem von ihr hergestellten Mini-Modell und an Bildern des toten Bären «4», der ohne Fell und Haut auf einem Tisch liegt. So könne sie die Muskeln des Tieres analysieren und entsprechend nachstellen. Im ersten Schritt hat Beutler aus einem Kunststoff Block die groben Konturen des Bären herausgeschnitten. Darüber verstreicht sie nun eine Modelliermasse, die aus Wasser Gips und Kork besteht. «Mit dieser Mischung kann ich später problemlos die Muskeln und andere Details einarbeiten und muss nicht fürchten, dass das Material spröde wird.» Das Tier wird in einer bestimmten Pose dargestellt: Er sitzt auf dem Hintern und kratzt sich im Gesicht. «So kann man erkennen, dass die Unterseiten der Vorder – und Hinterpfote unterschiedlich sind», sagt Beutler.

Junge Bären klettern gerne und viel auf Bäume. Deshalb ist der Brustmuskelbereich im Verhältnis zum Rest sehr ausgeprägt. «Diese nachzustellen, ist eine kleine Herausforderung», sagt Beutler. In der kommenden Woche soll dann schon das Fell über das Modell gezogen werden. Der ganze Prozess bis zum fertigen Präparat dauert knapp einen Monat.

Die Vergangenheit nicht verdrängen

Doris Slezak, Zoopädagogin des Tierparks Dählhölzli, freut sich auf das Endergebnis. Der fertige Bär soll dann zu den anderen Präparaten in die Zoopädagogik des Tierparks wandern. «Wir bieten Schulkurse an, damit die Schüler Tiere und die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen können», sagt Slezak. Diese Kurse führen sie selber durch.

Hinter dem Bären «4» steht eine Geschichte. Eine Geschichte, die dem Tierpark viele negative Schlagzeilen eingebracht hat. Wird sie den Schülern am Präparat erzählt? «Ja, das wird sie», sagt Slezak. Man könne und wolle nicht verschweigen, was in der Vergangenheit passiert sei. Deshalb sei es wichtig, die Geschichte zu erzählen. «Aber wir lassen dieses Präparat nicht machen, damit wir das Interesse der Zuschauer wecken», sagt Slezak. Es sei ein ganz normaler Vorgang, den man bei vielen verstorbenen Tieren mache.

DerBund.ch/Newsnet

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