Aus dem Friedhof wird ein Stadtpark

Immer mehr Berner verzichten auf Einzelgräber. Das schafft Platz für einen Park.

Dieses Areal soll künftig als Park genutzt werden.

Dieses Areal soll künftig als Park genutzt werden. Bild: Valérie Chételat

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bern erhält einen neuen Stadtpark. Mit einer Fläche von 12'000 Quadratmetern ist er mehr als doppelt so gross wie die Anlage auf der Grossen Schanze und immerhin gut halb so gross wie der Rosengarten. Befinden wird sich der Park westlich des Inselspitals beim namenlosen Kreisel an der Freiburgstrasse, der dem 11er-Bus seit kurzem als Wendeplatz dient. In einem Viertel, in dem derzeit noch mehr gearbeitet als gewohnt wird. Doch das Quartier befindet sich im Umbruch; unweit vom neuen Park werden ab 2019 am Warmbächliweg 250 neue Wohnungen entstehen.

Der neue Stadtpark mit dem leicht sperrigen Namen Friedbühlanlage soll dagegen bereits im Frühjahr 2017 eröffnen – vorausgesetzt der Stadtrat stimmt in der Zwischenzeit dem Kredit von 785'000 Franken zu.

Der Friedhof wird zum Park

Wo dereinst Kinder spielen, Erwachsene Bücher lesen, Boule spielen und Bier trinken, befindet sich heute die Gärtnerei des Lindenhofspitals – und der südlichste Teil des Bremgartenfriedhofs. Die Spitalgruppe wird ihre Pflanzen künftig in der Elfenau überwintern. Anstelle der Gewächshäuser wird ein terrassierter Kiesplatz entstehen, wie Christoph Schärer, Leiter Stadtgrün, auf Anfrage sagt. Der auf dem heutigen Friedhofsgelände enstehende hintere Parkteil wird als Grünanlage erhalten bleiben.

Früher befand sich dort ein Grabfeld. Vor drei Jahren wurden die letzten Gräber aufgehoben. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, sollen Quartierfeste nur im vorderen Parkteil stattfinden. Ansonsten gibt es aber keine Nutzungseinschränkungen, wie Schärer versichert.

Einzelgräber brauchten Platz

Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre es nicht möglich gewesen, einen Teil des Bremgartenfriedhofs als Park zu nutzen. «Früher war alles belegt», sagt Schärer. Heute gibt es viele Grünflächen. Dies als Folge der sich wandelnden Friedhofkultur, so Schärer. Liessen sich die Bewohner Berns bis in die 70er-Jahre bevorzugt im Sarg und Einzelgrab bestatten, lässt sich heute die Mehrheit der Menschen kremieren. Das Einzelgrab wird zudem oft durch das Gemeinschaftsgrab ersetzt. Dies alles sorgt für einen sinkenden Platzbedarf.

Heute gibt es auf dem Bremgartenfriedhof viele unterschiedliche Grabfelder, erklärt Schärer. Als Besonderheit gibt es nicht nur Gemeinschaftsgräber für Urnen, sondern auch solche für Erdbestattungen. Sarg an Sarg. Neu bietet der Friedhof auch sogenannte Urnen-Themengräber an. Hier werden Verstorbene in Gemeinschaftsgräber unter Rosensträucher oder in einem Wäldchen begraben. Nur ein kleines Schild zeigt, welche Urne wo begraben ist.

Schärer sieht zudem einen «Trend weg vom Grabstein». Rund zehn Prozent – Tendenz steigend – der Verstorbenen wollten sich gar nicht auf dem Friedhof bestatten lassen. Aber auch auf dem Friedhof bietet sich die Möglichkeit zur grabsteinlosen Bestattung: So befinden sich auf den Rasenflächen des Friedhofs an manchen Stellen Gräber. Nach dem Ausheilen der Grasnarbe deutet nichts mehr auf diese hin.

Ein Park auf Zeit?

Auch sonst befinden sich gemäss Schärer auf dem ganzen Friedhofsgelände Gebeine im Erdreich. Einzelgräber werden nach zwanzig Jahren aufgehoben. Die sterblichen Überreste verbleiben aber im Boden. Viel übrig ist aber meist nicht mehr. «Wir haben vitale Böden», erklärt Schärer von Stadtgrün. Wenn neue Gräber ausgehoben werden, stossen die Friedhofgärtner aber gleichwohl immer wieder auf Knochenstücke.

Dereinst könnte der Platzbedarf für die Gräber aber wieder ansteigen. Dies aufgrund des Bevölkerungswachstums. Auch brauchen die derzeit beliebten Themengräber mehr Platz als normale Gemeinschaftsgräber. Und so könnte aus dem hinteren Teil des Stadtparks bei Bedarf und in frühstens 25 Jahren wieder ein Friedhof werden. Ein Ort für Tote, der ein Vierteljahrhundert voller Leben gewesen sein wird. (Der Bund)

Erstellt: 14.01.2016, 22:31 Uhr

Artikel zum Thema

Kein Gerangel um die Baufelder auf dem Warmbächli-Areal

Für die Überbauung Warmbächliweg sind gleich viele Bewerbungen eingegangen, wie es Baufelder hat. Mehr...

Genossenschafts-Szene trifft sich auf dem Warmbächli-Areal

Immer wenn aufgrund von Wohnungsnot die Mietpreise stiegen, waren Genossenschaften gefragt. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Paid Post

Frauen suchen Männer für Sex!

Immer mehr junge Frauen registrieren sich auf der Webseite für flüchtige Begegnungen, um ungehemmt ihre wildesten Fantasien zu erfüllen.

Die Welt in Bildern

Jeder besitzt hier ein Boot: Menschen aus dem «schwimmenden Dorf» auf dem Inle See in Myanmar fahren am frühen Morgen mit ihren Booten über einen Fluss des Dorfes. (18. Februar 2019)
(Bild: Ye Aung THU) Mehr...