Aufgetischt: Französisches im Souterrain

Das Bistrot Marzer läuft seit zwei Jahren unter neuen Wirtsleuten. Sie setzen auf elegante, französische Küche – und Zwickelbier.

Ein Blick durchs Fenster: Das Bistrot Marzer wurde nach der Übernahme durch die neuen Wirtsleute umgestaltet.

Ein Blick durchs Fenster: Das Bistrot Marzer wurde nach der Übernahme durch die neuen Wirtsleute umgestaltet. Bild: zvg

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Zugegeben, die Restaurantgründer im Marziliquartier hätten sich besser absprechen können. Lokale im Umkreis von 300 Metern Bistrot Marzer, Restaurant Marzilibrücke und Marcels Marcili zu benennen, zeugt mehr von Lokalpatriotismus denn von kluger Standortvermarktung. Trotz potenzieller Verwechslungsgefahr haben die neuen Wirte Carsten und Diana Ihrke den Namen des Bistrots (in alter Schreibweise) beibehalten, das bis 2011 vom Lebemann Bruno Brunner bewirtet wurde. Eine Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Hausbesitzer hatte die Schliessung verursacht.

Dass jetzt ein grosses Werbeplakat von Cigarettes Brunette im Lokal hängt, ist keine bewusste Anspielung auf den Vorgänger. Der Gastraum mit den Spiegelwänden wurde nämlich neu eingerichtet, wie uns der Kellner erzählt. Der Name begründet einzig das Programm einer französisch inspirierten Küche, die sich herumgesprochen zu haben scheint. Das Restaurant ist gut besetzt, auch am Vorabend weihnächtlicher Schlemmereien, da man besser daran täte, präventiv zu fasten.

Zwickelbier und Wildschwein

Mit einem 2dl Zwickelbier (Fr. 3.50) und einem Blanc Cassis (Fr. 6.50) kommt Apérostimmung auf. Auch die Erd- und Wasabinüsschen tun das Ihrige und erinnern an laue Sommerabende, die man auf dem gemütlichen Strässchen vor dem Bistrot verbringen kann. Doch auch mit dem Cheminéefeuer kommt die passende Stimmung auf im Souterrain, das stilsicher und schlicht mit dunklen Bistromöbeln eingerichtet ist.

Zunächst wird ein Amuse-Bouche serviert: Wildschweinrillette auf roten Linsen, dazu Brot mit frischem, leicht kratzigem Olivenöl. Auch die Karaffe Wasser darf nicht fehlen. Die Testesserin kriegt danach einen glasierten Fenchel mit Baumnüssen, Feigen und Chili (Fr. 8.50). Die Pastinakencremesuppe (Fr. 12.-) der Begleitung macht den geschmacklichen Unterschied zwischen Karotten und deren weissen Verwandten erfahrbar. Auch der Fenchel ist vorzüglich, wird aber übertrumpft vom knusprig-warmen Pitabrot, das mit Öl besprenkelt und mit getrocknetem Oregano verziert ist.

Wir entscheiden uns für den fruchtigen französischen Rotwein der gleichnamigen Traube Mourvèdre (Fr. 5.50/dl), der eine «würzige Note» verspricht. Die Karte beschreibt den Geschmack und die Herstellung jedes Weines. Die ornamentierten Gläser unterstreichen das sorgfältig eingerichtete Interieur und passen zum Silberbesteck und der weissen Löwenkopf-Suppenschüssel, die – voller feiner Moules marinières (Fr. 32.50) – gebracht wird. Die weinhaltige Sauce hat eine stark rahmige Note. Dazu kommen Pommes Alumettes mit Knoblauch- und Chili-Mayonnaise (Fr. 5.50).

Fasten: Gerne – aber nicht heute

Die Testesserin wählt trotz den zwei vielversprechenden vegetarischen Hauptgängen ein in Honig gebratenes Schweinsfilet im Speckmantel auf einem Dörrbohnennest (Fr 38.50). Auch das süsse Tomatenchutney harmoniert erstaunlich gut mit dem Fleisch. Die Beilage, knusprig angebratene Steinpilzgnocchi, gibt es nebst Pommes Alumettes, Rosmarinkartoffeln und Randenrisotto im Angebot.

Beim Dessert lässt uns ein zu blumiges Vorstellungsvermögen auf eine Schokoladenwurst (Fr. 13.50) verzichten, dafür besticht eine mit Verveine parfümierte Crème brulée mit Schokoladenglace (Fr. 11.-). Mit vollen Mägen und sehr zufrieden schleppen wir uns an die Winterluft und sagen uns: Fasten - das ist ein Vorsatz fürs neue Jahr. Wer vor dem Vorsatz und nach Weihnachten noch gut Essen will, muss heute Abend los. Ab Morgen hat das Marzer nämlich Betriebsferien bis Anfang Januar. (Der Bund)

Erstellt: 29.12.2013, 08:11 Uhr

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Die Rechnung, bitte

Karte: Vorwiegend klassische französische Küche, jeweils ein frisches Fisch- und Fleischgericht. Saisonale Karte. Tapas.
Preise: Tapas ab Fr. 5.-, Menus zwischen 28 und 45 Franken, jeweils ein täglich frisch gekochtes Fisch- und Fleischmenü. Wein von 38 bis 130 Franken (Raritäten).
Kundschaft: Quartierleute und Angestellte aus der Nähe, Feinschmecker. Beste Lage für ein Apéro auf der Gasse im Sommer.
Öffnungszeiten: bis Freitag 11.30-14.00, 18.00-23.30; Samstag: 18.00-23.30, Betriebsferien 29. Dezember bis 3. Januar 2014.
Adresse: Brückenstr. 12, 3005 Bern, 031 311 29 29, www.bistrot-marzer.ch.

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