Auf der Brache fliegen die Späne

Um den Städtern eine alte Kunst näher zu bringen, organisiert der Berner Baptiste Gass das erste Berner Holzbildhauer Symposium auf dem Warmbächliareal.

Baptiste Gass organisiert das erste Berner Holzbildhauer Symposium auf dem Warmbächliareal.

Baptiste Gass organisiert das erste Berner Holzbildhauer Symposium auf dem Warmbächliareal.

(Bild: Thomas Reufer)

Marina Stalder@MarinaStalder

Zwei Seen stechen beim Betreten des Warmbächliareals ins Auge. Der Regen hat nicht viele trockene Stellen auf der Brache zurückgelassen. Diese werden dafür aber gut genutzt: Am Hang, der vom Gebäude zur grossen Fläche hinabführt, baut Baptiste Gass eine kleine Tribüne. «Von hier aus haben die Zuschauer einen guten Blick auf die sieben Künstler, die unten schnitzen werden», sagt er. Diese treffen sich unter dem Motto «Carving Wood in the Hood» (zu deutsch: Holzschnitzen in der Nachbarschaft) zum ersten Berner Holzbildhauer Symposium, das Gass organisiert hat und am Montag auf der Brache ganz ohne Regen starten wird.

Mit Händen arbeiten

Zur Holzbildhauerei kam der Berner selber eher per Zufall. Obwohl er bereits im Kindergarten und nachher auch am Gymnasium gerne zeichnete und gestaltete, absolvierte er eine Ausbildung zur Kindergartenlehrer. «Diese Arbeit finde ich toll, aber es fehlte mir immer etwas. Ich wollte einfach auch etwas mit meinen Händen schaffen», sagt der 33-Jährige.

Die Musik, die ihn sein Leben lang begleitet hat, brachte ihn schliesslich auf die Idee, als Instrumentenbauer tätig zu werden. Weil er in diesem Bereich aber keine Ausbildung fand, wurde er von Bekannten auf die Holzbildhauerschule in Brienz aufmerksam gemacht. «Ich wusste gar nicht, dass so etwas existiert, aber es war genau das, wonach ich suchte.» Seit dem Ende der Ausbildung vor vier Jahren arbeitet er alleine in seinem Atelier und konnte auch schon eigene Instrumente herstellen. Neben dieser ruhigen Tätigkeit unterrichtet er auch an einer Tagesschule. Damit habe er einen guten Ausgleich und seinen Traumberuf gefunden, sagt er.

Tradition in Stadt bringen

Weil er in Bern immer wieder auf seinen scheinbar exotischen Beruf angesprochen wurde, entschied er sich schliesslich dazu, ein einwöchiges Holzbildhauer Symposium zu organisieren. «Viele wissen gar nicht, was wir genau machen, deshalb will ich es den Leuten auf diese Weise näherbringen.» Ein Symposium sei optimal dafür, weil die Besucher über eine Woche hinweg jeden Tag die Fortschritte der Holzbildhauer aus Bulgarien, Deutschland und der Schweiz sehen und mit den Künstlern ins Gespräch kommen könnten. «Das ist anders als im Museum, wo man nur noch das fertige Kunstwerk betrachten kann.»

Als Grundlage für die Schnitzereien auf dem Warmbächliareal dienen Eschenstämme, die Gass von Stadtgrün Bern erhält. Weil er noch nie damit gearbeitet hat, sei er gespannt, wie das elastische Holz reagiere. Was die Künstler aber schliesslich aus dem Holz machen, ist ihnen überlassen – ein Motto will Gass nicht vorgeben. So könnten alle ihre eigenen Ideen umsetzen.

Grosse Symposium-Pläne

Finanziert wird der Anlass derzeit noch von Gass und seinen Verwandten und Bekannten. Doch das erste Holzbildhauer Symposium ist für den Berner Künstler nur der Anfang. Ziel sei es, eine Tradition anzustossen und weitere Berner Symposien in den nächsten Jahren durchzuführen. Deshalb wolle er heuer nicht nur den Anlass finanziell tragen können, sondern bereits einen Teil der Finanzierung für nächstes Jahr generieren. Obwohl für ihn das Warmbächliareal optimal sei, schwebten ihm schon Orte anderer Dimension vor. «Vielleicht findet der Anlass ja in ein paar Jahren sogar auf der Allmend statt.»

Das erste Berner Holzbildhauer Symposium startet am Montag auf dem Warmbächliareal. Von 10-18 Uhr können die Künstler jeden Tag beim Schnitzen beobachtet werden. Die Finissage findet am Samstag mit Live-Musik statt.

Der Bund

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