«Auf dem Viererfeld bauen wir für die Bedürfnisse der Bewohner»

Jürg Sollberger bringt die Berner Wohnbaugenossenschaften für das gemeinnützige Bauen auf dem Viererfeld in Stellung.

Auf dem Viererfeld sollen rund 1100 Wohnungen gebaut werden. Die Hälfte davon von Genossenschaften.

Auf dem Viererfeld sollen rund 1100 Wohnungen gebaut werden. Die Hälfte davon von Genossenschaften. Bild: F. Rothenbühler

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Herr Sollberger, der Berner Architekt Boa Arpad befürchtet auf dem Viererfeld das Entstehen einer Agglo-Siedlung. Hat er recht?
Das künftige Viererfeld wird nicht mit einer Agglo-Siedlung vergleichbar sein, schon nur von der Dichte her: Es wird dort sehr viel dichter gewohnt werden, sowohl räumlich wie auch erlebnismässig. Der Anspruch ist jedenfalls da, ein die Länggasse ergänzendes Stadtquartier zu bauen.

Zu einem Stadtquartier gehören auch Läden, Bars, Restaurants.
Diese Nutzungen auf das Viererfeld zu holen, wird tatsächlich nicht einfach sein. Man kann aber heute nicht einfach die Altstadt oder die Stadt aus dem 19. Jahrhundert kopieren. Wir müssen uns Möglichkeitsräume offenlassen, indem wir etwa an passenden Stellen die Erdgeschossnutzung flexibel gestalten.

Was sagen Sie zu einer vollwertigen Viererfeldbrücke?
Ich habe keine abschliessende Meinung zu dieser stadt- und verkehrsplanerischen Frage, bin aber der Meinung, dass diese Brückendiskussion die Viererfeldplanung nicht blockieren darf. Für die Erschliessung des Viererfeldes ist diese Brücke nicht nötig. Sie muss im Rahmen der Tangentialverbindungen und damit der Entlastung des Zentrums und des Bahnhofareals diskutiert werden.

Über zwanzig Berner Genossenschaften haben sich zusammengeschlossen, um sich für das Bauen auf dem Viererfeld zu bewerben. Kritiker sprechen von Kartellbildung.
Ein Kartell erschleicht sich im Versteckten Vorteile. Die Idee, für das Viererfeld eine Genossenschaft der Genossenschaften (GdG) zu gründen, ist völlig transparent. Darin können sich auch neue interessierte Personen und Gruppen engagieren. Die Bevölkerung hat 50 Prozent gemeinnützigen Wohnraum bestellt, also 600 Wohnungen. Die Genossenschaften sind mit der Stadt gefordert, diese bestmöglich und rasch zu realisieren.

Aber der Wettbewerb unter den Projekten wird so ausgeschaltet.
Der bei Landausschreibungen übliche Preiswettbewerb ist beim gemeinnützigen Wohnungsbau sowieso ausgeschaltet, da die Stadt im Voraus den gemeinnützigen Landwert festlegen wird. Der Ideenwettbewerb wird dank der Partizipation aller Interessierten innerhalb der Genossenschaft der Genossenschaften stattfinden.

Sie wollen auf dem Viererfeld auch «gelebte Nachbarschaften» ermöglichen. Wie soll das gehen?
Zentral ist dabei die Frage, wo sich die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner treffen und informell in Kontakt treten können. Viele herkömmliche Wohnungen mit ihren engen Treppenhäusern lassen nur wenig Raum für Begegnungen. Dazu braucht es halböffentliche Räume, etwa Eingangshallen, Dachterrassen, Laubengänge, Spielplätze und Innenhöfe, wo spontane Begegnungen stattfinden können.

Und wie entsteht gemeinschaftliches Wohnen innerhalb eines Wohngebäudes?
Indem wir etwa grössere Gemeinschaftsräume, Werkstätten und Gästezimmer bauen. Teilen liegt heute im Trend. Es macht auch keinen Sinn, wenn alle eine eigene Bohrmaschine haben. Statt dass jeder alleine vor dem Fernseher hockt, trifft man sich dann im Gemeinschaftsraum vor dem grossen Bildschirm zum Fussball- oder Krimischauen.

Aber nicht alle haben das Bedürfnis nach mehr Gemeinschaft. Manche geniessen auch die Anonymität und ihre grosse Wohnung.
Wer alleine und anonym wohnen will, der findet auf dem Wohnungsmarkt eine passende Wohnung. Wer jedoch in der Stadt gemeinschaftlich wohnen und beispielsweise eine grosse WG gründen will, der hat es auf dem Markt schwer.

Die Hälfte der rund 1100 Wohnungen auf dem Viererfeld wird von Genossenschaften gebaut werden. Was wird ein WG-Zimmer kosten?
Der Gemeinderat hat festgelegt, dass bei gemeinnützigen Wohnungen die Anlagekostenlimiten des Bundes eingehalten werden müssen. Eine Vierzimmerwohnung wird also höchstens 1900 Franken kosten.

Also rund 630 Franken für ein WG-Zimmer ohne Nebenkosten. Sehr günstig ist das nicht.
Das ist so, aber Neubauten können nicht mit Altbauten verglichen werden. Günstig wird es erst in 20 oder 30 Jahren. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Mieten, welche in der Stadt seit Jahren steigen, gilt in der Genossenschaft die Kostenmiete: Die Miete wird nur für den Bau, den Betrieb und Unterhalt verwendet. Das ist eben gemeinnütziger Wohnungsbau: Wir bauen ausschliesslich für die Bedürfnisse der Bewohner, während die andern bauen, um Geld anzulegen. (Der Bund)

Erstellt: 19.01.2018, 06:51 Uhr

Jürg Sollberger (Bild: zvg)

Infobox

Entscheid Bis Ende JahrDer grösste Planungswettbewerb in Bern seit Jahren ist lanciert: Seit Mittwoch ist auf Simap.ch das Programm zum städtebaulichen Wettbewerb Viererfeld/Mittelfeld aufgeschaltet. In einem ersten Schritt werden 25 interdisziplinäre Planungsteams ausgewählt. Bis Anfang März können die Teams ihre Bewerbungsunterlagen einreichen. Bis Mitte April wählt ein Preisgericht 25 Planungsteams aus.

Diese erarbeiten bis Oktober Gestaltungsvorschläge für das neue Stadtquartier, das nach den Vorstellungen des Gemeinderats «attraktiv, dicht und durchmischt» sein soll. Vorgesehen sind 1100 Wohnungen für 3000 Menschen. Die Teams sollen nicht nur ein städtebauliches Konzept entwickeln, sondern auch Lösungsvorschläge für den geplanten Park vorlegen. Bis Ende 2018 will das Preisgericht die Jurierung vornehmen.

Als Preissumme steht eine halbe Million Franken zur Verfügung. Neben dem städtebaulichen Mandat für einen Masterplan und demjenigen für den Stadtteilpark werden gleichzeitig mehrere Projektierungsaufträge für Baufelder vergeben.

Das Vorgehen der Stadt stört 50 Architekten, wie der «Bund» am Mittwoch publik machte. Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) verteidigte das Vorgehen der Stadt. «Wir wollen, dass sich die Teams breit aufstellen und intensiv diskutieren», sagte von Graffenried dem «Bund».

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