Auch der selbstfahrende Marzili-Bus braucht einen Aufpasser

Bernmobil testet selbstfahrende Busse, um für die Zukunft gewappnet sein. Es gibt Vorbehalte, aber keine Fundamentalopposition.

In Freiburg ist bereits ein selbstfahrender Bus unterwegs.

In Freiburg ist bereits ein selbstfahrender Bus unterwegs. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

2019 wird ein Stückchen Zukunft in Bern zu erleben sein: Dann sollen die ersten selbstfahrenden Busse in der Bundesstadt verkehren. Wie die Stadt Bern und Bernmobil mitteilten, werden die Busse während eines einjährigen Versuchs die Quartiere Matte und Marzili erschliessen. Was für Busse dafür genutzt werden, welche Haltestelle sie bedienen und wie häufig sie am Tag fahren, ist alles noch «Gegenstand von Abklärungen», wie Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer auf Anfrage sagt.

Einer freut sich über die Nachricht besonders: GLP-Stadtrat Matthias Egli hat in einem seiner ersten Vorstösse die Erschliessung von Quartieren mit selbstfahrenden Shuttles gefordert. «Man darf sich der Zukunft nicht verschliessen», sagt Egli auf Anfrage. Selbstfahrende Busse hätten das Potenzial, Quartiere mit öffentlichem Verkehr zu erschliessen, bei denen der Betrieb einer regulären Linie aufgrund der Personalkosten nicht realisierbar sei.

Angst vor Personalabbau

Doch genau im Sparpotenzial sehen andere Grüne eine Gefahr. «Wenn es darum geht, mit selbstfahrenden Bussen Personal wegzusparen, helfen wir nicht mit», sagt GB-Stadträtin Katharina Gallizzi auf Anfrage. Einerseits, weil sich ihre Partei generell für den Erhalt von Arbeitsplätzen einsetze. Andererseits seien die Chauffeure gerade für ältere Leute wichtig. «Sie haben dadurch eine Ansprechperson und jemanden, der ihnen notfalls beim Einsteigen hilft.» Allerdings findet auch Gallizzi, dass solche Busse in Einzelfällen sinnvoll sein können – «jedenfalls wenn die Sicherheit gewährleistet ist».

Tatsächlich ist die Sicherheit das Hauptthema der Skeptiker. Zwar ist es bei den diversen Versuchen, die derzeit in der Schweiz am laufen sind, noch zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen. Doch gerade vor zwei Wochen hat in einem Vorort von Phoenix in Arizona ein selbstfahrendes Uber-Auto eine Passantin, die die Strasse überqueren wollte, erfasst und tödlich verletzt.

Der Unfall gab auch in Bern zu reden. SP-Gemeinderätin Ursula Wyss verbreitete auf Twitter einen FAZ-Artikel zum Unfall mit der Überschrift «Die Stadt als Hochrisiko-Teststrecke». Egli warf ihr daraufhin Angstmacherei vor und fragte sie, ob sie den Bernmobil-Versuch verhindern wolle. Das Gegenteil sei der Fall, sagt Wyss nun auf Anfrage. Sie habe sich sehr für den Testversuch von Bernmobil eingesetzt. «Die Stadt Bern muss sich rechtzeitig mit neuen Technologien auseinandersetzen und die Vorteile und Nachteile kennen lernen.» Schliesslich könne man die Entwicklung ohnehin nicht aufhalten. Klar aber sei: Selbstfahrende Busse kämen für sie, wenn überhaupt, nur als Ergänzung und nicht als Ersatz für bestehende Linien infrage. «Ich will sicher keine Arbeitsplätze gefährden.»

Während des Testbetriebs muss man sich um die Arbeitsplätze jedenfalls keine Sorgen machen. Denn auch wenn die Busse «selbstfahrend» sind, wird stets ein Bernmobil-Mitarbeiter mitfahren – und notfalls eingreifen, was auch die Unfallgefahr reduziert. Wahrscheinlicher als Unfälle sind ohnehin «Kinderkrankheiten», wie sie etwa im Freiburgischen zu beobachten waren: Selbst herunterfallendes Laub löste dort bei den Bussen ruppige Stopps aus. (Der Bund)

Erstellt: 03.04.2018, 11:00 Uhr

Artikel zum Thema

Baustellen schuld an unpünktlichen Bussen

Die RBS befördert erstmals weniger Buspassagiere als im Vorjahr. Der Trend im öffentlichen Verkehr ist normalerweise umgekehrt. Mehr...

Ein Tram rutscht nicht in einen Baum

Schnee und Eis haben fast das gesamte Bernmobil-Netz beeinträchtigt. Es blieben Busse und Trams stecken. Letztere waren generell im Vorteil. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Täuschung: Der Roboterandroid Totto ist der japanischen TV Ikone Tetsuko Kuroyanagi nachempfunden. Er wurde im Rahmen des Weltroboterkongresses in Tokio präsentiert. (17.Oktober 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...