Auch Männer können Opfer häuslicher Gewalt sein

Die Stadt Bern widmet männlichen Opfern häuslicher Gewalt eine Kampagne. Diese soll das Thema enttabuisieren und auf die existierende Fachstelle aufmerksam machen.

Nicht immer ist der Mann der, der austickt. (Symbolbild)

Nicht immer ist der Mann der, der austickt. (Symbolbild) Bild: zvg

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Die Stadt Bern startet kommende Woche eine Kampagne, die sich an männliche Opfer von häuslicher Gewalt richtet. Denn laut der Stadt ist jedes fünfte Opfer von häuslicher Gewalt ein Mann.

Wie Berns Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie am Freitag bekanntgab, werden in den kommenden fünf Wochen in Stadtberner Trams und Bussen Plakate aufgehängt. Auf ihnen wird das Piktogramm eines Mannes zu sehen sein, das zahlreiche Wunden aufweist.

Darunter steht die Botschaft: «Fachstelle Häusliche Gewalt: Ein Angebot auch für Männer» und dazu die Telefonnummer und die Internetadresse der Fachstelle. Ziel der Kampagne ist einerseits, Männer auf die Existenz der Fachstelle aufmerksam zu machen.

Anderseits soll das Thema in der Öffentlichkeit «enttabuisiert» werden, wie es in der Mitteilung heisst. Immer noch werde beim Begriff «häusliche Gewalt» primär die Frau als Opfer und der Mann als alleiniger Täter verstanden. Die Zahlen relativieren aber diese Sicht: Berns Fachstelle Häusliche Gewalt beriet im vergangenen Jahr in 257 Fällen Personen. In vierzehn Fällen war das Opfer ein Mann und in 50 weiteren Fällen kam es zwischen den Betroffenen zu gegenseitiger Gewalt.

Der Fall «Herr X»

An einer Medienkonferenz am Freitag in Bern schilderte Ester Meier, die Leiterin des Amts für Erwachsenen- und Kindesschutz der Stadt Bern, den Fall des «Herrn X». Dieser Mann ist 41 Jahre alt, seit dreizehn Jahren verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von neun und elf Jahren. Herr X erzählte auf der Fachstelle, zwischen ihm und seiner Frau komme es immer wieder zu Streit. Sie trinke oft, um sich zu beruhigen, doch häufig treffe das Gegenteil ein.

Immer wieder werde er geohrfeigt oder sie spucke ihm ins Gesicht. Auch beleidige sie ihn. Er wisse nicht wie weiter. Es sei schwierig, nicht selber die Beherrschung zu verlieren. Aus Angst, den Kontakt zu den Kindern zu verlieren, habe er bis jetzt geschwiegen.

Die Fachstelle suchte er schliesslich nach einer Polizeiintervention auf. Dort erhielt er Beratung und ihm wurde ein Anwalt vermittelt. Herr X will sich nun von seiner Frau trennen. Die Frau hat psychologische Hilfe in Anspruch genommen.

Grosse Dunkelziffer angenommen

Berns Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz geht gestützt auf eigene Beobachtungen und Studien von einer grossen Dunkelziffer bei männlichen Opfern häuslicher Gewalt aus. Dies, weil die gängigen Rollenbilder vom «starken Geschlecht» Männer daran hinderten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Oft setzten zudem die Täterinnen die gemeinsamen Kinder als Druckmittel ein. Wie Meier weiter sagte, setzen bei häuslicher Gewalt Frauen im Unterschied zu den Männern oft psychische Gewalt ein. Gemeint ist, dass sie etwa Lügen über den Mann verbreiten oder ihm wichtige Gegenstände zerstören. Das kann etwa der tragbare Firmen-Computer des Mannes oder das können Kleidungsstücke sein.

In Bern gibts «Männerhaus»

In Bern gibt es seit Sommer 2017 auch ein Männerhaus. Es wird nicht von der öffentlichen Hand geführt, sondern vom Verein «Zwüschehalt». Stadt Bern und der Verein arbeiteten zusammen, hiess es an der Medienkonferenz. (spr/sda)

Erstellt: 09.11.2018, 12:12 Uhr

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