Berner «Asylbunker» schliesst

Per Ende Mai verlassen die letzten Bewohner das umstrittene Asylzentrum in der Zivilschutzanlage im Berner Hochfeld.

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Seit die unterirdische Asylunterkunft im Berner Hochfeld vor vier Jahren in Betrieb genommen wurde, stand sie immer wieder in der Kritik. Bemängelt wurden das fehlende Tageslicht und die mangelhaften hygienischen Zustände, immer wieder gaben auch der Alkoholkonsum und die Kriminalität in der Unterkunft zu reden.

Seit Donnerstag ist nun klar: Ende Mai werden die Asylsuchenden aus dem «Asylbunker» im Länggassquartier ausziehen. Dies teilte der Berner Gemeinderat mit. Ursprünglich war geplant gewesen, die Notunterkunft während lediglich sechs Monaten zu betreiben. Immer wieder hatte sich die Schliessung – nicht zuletzt mangels Alternativen – verzögert.

Zeitgleich mit der Ankündigung der Schliessung des Asylzentrums im Hochfeld gab der Gemeinderat die Eröffnung des Zieglerspitals als Bundesasylzentrum bekannt. Am 1. Mai soll der Betrieb mit vorerst 150 Personen aufgenommen werden, bei voller Belegung wird das Zentrum dereinst 350 Asylsuchenden Platz bieten. Die Nutzung ist auf acht Jahre befristet.

Weiterhin hohe Asylzahlen

«Für den Gemeinderat war die unterirdische Zivilschutzanlage immer eine Notunterkunft», sagt die Berner Sozialdirektorin Franziska Teuscher (GB) zur angekündigten Schliessung des Asylzentrums Hochfeld. Für die längerfristige Unterbringung von Asylsuchenden seien unterirdische Unterkünfte nicht geeignet.

Der Druck auf die Berner Zentren wird indes nicht abnehmen: «Wir gehen nicht davon aus, dass in den kommenden Monaten weniger Asylgesuche gestellt werden», so Teuscher. Voreilig sei die Schliessung des Hochfeld-Zentrums gleichwohl nicht. Der Gemeinderat sei in der Lage, bei Bedarf «weitere oberirdische Asylunterkünfte» zur Verfügung zu stellen, versichert die Sozialdirektorin. Die unterirdische Unterbringung von Asylsuchenden in der Stadt Bern würde künftig nur «in Notfällen» in Erwägung gezogen. Kapazitätsengpässe sind aber angesichts der laut Staatssekretariat für Migration (SEM) im laufenden Jahr gleichbleibend hohen Zahl von Asylgesuchen auch in der Stadt Bern durchaus denkbar.

Zu einer mittelfristigen Entspannung beitragen dürfte in Bern die Eröffnung einer neuen Asylunterkunft an der Reichenbachstrasse im Tiefenauquartier. Ab kommendem Winter sollen in der ehemaligen Krankenpflegeschule rund 100 minderjährige Asylsuchende untergebracht werden, die sich ohne Begleitung in der Schweiz aufhalten.

Während die Schliessung der Notunterkunft im Hochfeld für Kritiker wie Dagobert Onigkeit ein Erfolg ist, bleibt die unterirdische Unterbringung von Asylsuchenden vielerorts eine Realität. Laut Angaben des Migrationsamts sind im Kanton Bern – etwa in Muri, Niederscherli und Bremgarten – zurzeit vierzehn unterirdische Asylzentren in Betrieb. Die Heilsarmee betreibt deren sieben, die Firma ORS deren fünf.

Ausserhalb der Stadt Bern haben diese Unterkünfte noch kaum zu Protesten geführt. Auf nationaler Ebene hat indes unter anderem die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter die Unterbringung von Asylsuchenden in Zivilschutzanlagen kritisiert. Inwieweit der Kanton auch künftig an dieser umstrittenen Unterbringungspraxis festhält, ist unklar. Das kantonale Migrationsamt war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Viktoria-Asylzentrum wird kleiner

Die Unterbringung im neuen Bundesasylzentrum wird für die Asylsuchenden zu erheblichen Verbesserung führen.Über die genaue Ausgestaltung der Ausgangszeiten, der Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige sowie der Teilnahme der Asylsuchenden an Beschäftigungsprogrammen werde die Bevölkerung in den kommenden Wochen noch informiert, so Sozialdirektorin Teuscher.

Laut Gemeinderat wird das neue Asylzentrum aber weitgehend den üblichen Rahmenbedingungen des SEM entsprechen. Was das Zusammenleben der Asylsuchenden mit den Anwohnern im Quartier angeht, werden die Bestimmungen so ausgestaltet, «dass Begegnungen zwischen der Bevölkerung und den Asylsuchenden möglich sind».

Nach der Eröffnung des Bundesasylzentrums will die Stadt in der Alten Feuerwehr Viktoria künftig weniger Asylsuchende unterbringen, die Platzzahl wird von 150 auf 100 reduziert.

Der Bund

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