Archäologische
 Funde in Berns
 Zeughausgasse

Um die Französische Kirche lag früher ein Friedhof. Ein nun entdecktes Mauerstück lässt seine Grösse erahnen.

Über 200 Skelette wurden schon ausgegraben. (Archiv)

Über 200 Skelette wurden schon ausgegraben. (Archiv) Bild: zvg

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«Sie würden nicht glauben, auf wie vielen Gräbern wir in der Stadt Bern herumspazieren», sagt der Archäologe Armand Baeriswyl. Er ist Leiter der archäologischen Untersuchungen des Kantons. Im Moment beobachtet er mit Spannung neue Ausgrabungen an der Zeughausgasse. Hier wurden diese Woche ein Stück einer alten Friedhofsmauer und Skelettreste offengelegt. «Es ist eine wichtige Entdeckung. Sie liefert ein fehlendes Puzzleteil», sagt er.

Ehemaliges Dominikanerkloster

Der Friedhof gehörte zur Französischen Kirche – sie ist die älteste noch bestehende Kirche in der Stadt Bern. «Noch älter als das Münster», so Baeriswyl. Die Kirche wurde mit einem Kloster um 1270 vom Dominikanerorden errichtet. Rundum entstand ein grosser Friedhof für Mönche und Stadtbewohner. Mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurde das Kloster aufgehoben und die Mönche vertrieben. Aus dem Kloster entstand ein Spital, die Kirche blieb bestehen.

Wie gross der Friedhof genau war, weiss man nicht. Mit der nun entdeckten Mauer kennt man jetzt die Südgrenze. Sie verläuft entlang der Zeughausgasse, etwa in der Mitte. Die östliche Mauer vermutet man unter dem Kornhaus. Sie wurde möglicherweise bei dessen Errichtung 1717 zerstört. Im Norden führte der Friedhof wohl bis zur Hangkante und im Westen wahrscheinlich bis in den vorderen Teil der Zeughausgasse.

Schon 200 Skelette ausgegraben

Der Friedhof um die Französische Kirche beschäftigt den Archäologischen Dienst schon viele Jahre. Als vor zwanzig Jahren der Kornhauskeller umgebaut wurde, hat man dort rund 200 Skelette ausgegraben. Die aktuellen Sondierungen sind deshalb keine Zufallsfunde. In der Zeughausgasse werden bald neue Leitungen verlegt, deshalb hat der Archäologische Dienst die Sondierungen durchgeführt. Dies sei üblich bei Bauarbeiten in der Altstadt – denn bei fast jeder Baustelle kommen interessante Dinge zu Tage. «Wir nutzen jede Öffnung im Boden, um unser Bild zu vervollständigen», sagt Baeriswyl.

Insgesamt liegen unter der Stadt Bern wohl 14 Friedhöfe: die meisten in der Nähe von Kirchen, wie bei der Heiliggeistkirche oder dem Münster. Gräber wurden aber auch unter der Kocher- und der Postgasse sowie unter dem Casino­platz gefunden.

Für Bauherren sind solche Funde meistens weniger erfreulich. Denn sie können den Bauablauf beeinträchtigen. Deshalb setzt man heute auf frühzeitige Sondierungen. «Wenn wir etwas finden, dokumentieren wir es oder graben es aus.» Danach könnten die Bauarbeiten ungehindert starten. In der Zeughausgasse will man die Reste der Friedhofsmauer im Untergrund erhalten. Immerhin: «Die Toten nehmen wir mit.» Da könnten die Bauherren eigentlich auch froh sein. (Der Bund)

Erstellt: 20.07.2014, 15:45 Uhr

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