Antifa verzichtet auf Demo-Gesuch

Nachdem eine unbewilligte Kundgebung am vergangenen Wochenende im Keim erstickt worden ist, rufen Aktivisten für Samstag erneut zur Demo auf.

Die Kundgebung vom vergangenen Freitag kam nicht weit.

Die Kundgebung vom vergangenen Freitag kam nicht weit. Bild: Franziska Scheidegger

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Abgeriegelte Strassen, verhaftete Demonstranten und ein enormes Polizeiaufgebot: Eine «antifaschistische Kundgebung» verlief am vergangenen Freitag ins Leere. Nun wollen es die Aktivisten erneut versuchen: «Wir rufen am Samstag, 14. Oktober um 16 Uhr beim Käfigturm erneut zu einer antifaschistischen Demonstration gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus auf», heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Ein Gesuch eingereicht haben die Organisatoren bislang nicht, wie der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Er habe aber Kenntnis vom Aufruf. «Wir werden die Situation weiterverfolgen», sagte Nause. Würde von den Organisatoren ein Gesuch bei der Stadt eingereicht, würde dieses wie jedes andere geprüft. Und weiter: «Wir haben auch schon Antifa-Demos bewilligt.» Zudem werde er den Gemeinderat informieren. Ob sich die Stadtregierung diese Woche näher mit dem Thema befassen wird, liess Nause offen. «Grundsätzlich sind wir jederzeit in der Lage, auf dem Korrespondenzweg einen Beschluss zu fassen - auch in der Ferienzeit.»

An einem Anlass vom vergangenen Samstag wurde bereits für die erneute Kundgebung aufgerufen (Bild: zvg)

«Bunter und inhaltsreicher» Umzug geplant

Einen triftigen Grund für das Verhindern der Kundgebung vom vergangenen Freitag habe es nicht gegeben, schreibt die anonyme Gruppe. «Wer denkt, dass wir aus ‹Lust› demonstrieren oder ‹Glück› den Ausgang einer Demonstration entscheidet, hat nicht begriffen, was wir wollen.» Man habe sich nun aufgrund breiter Solidarität im Vorfeld entschieden, eine weitere Kundgebung zu organisieren.

Auf Anfrage des «Bund» teilen die Organisatoren mit, dass sie keine Bewilligung bei der Stadt einholen werden. Die Stadt sei in den letzten Jahren zu einer demonstrationsunfreundlichen Stadt geworden. Und weiter: «Bewilligte Demonstrationen in der Innenstadt sind mittlerweile fast unmöglich.» Belebte Orte wie der Bahnhofplatz müssten gar direkt beim Gemeinderat beantragt werden. Deshalb sei keine Bewilligung bei der Stadt einzuholen für die Organisatoren auch ein Protest. «Wir gehen auch ohne Bewilligung von unserer Seite von einer ruhigen Demonstration aus», schreiben die Organisatoren dem «Bund».

Für den Umzug am Samstag rechnen sie mit einigen hundert Personen. Man wolle einen bunten und inhaltsreichen Umzug durch die Stadt durchführen.

29 Personen angehalten

Die Demonstration letzten Freitag, genau zehn Jahre nach der «Schande von Bern», war nicht bewilligt. Die Berner Stadtregierung hatte verlauten lassen, dass sie die unbewilligte Kundgebung nicht tolerieren werde.

Um genug Personal in Bern rekrutieren zu können, hat die Berner Kantonspolizei die meisten Wachen schliessen müssen. Insgesamt wurden 29 Personen angehalten.

Welche Vorkehrungen trifft die Kantonspolizei für kommenden Samstag? Die Situation werde laufend beobachtet und beurteilt, sagt Sprecher Christoph Gnägi. Gestützt auf diese Beurteilungen würden entsprechende Massnahmen getroffen.

(gbl/msc/sda)

Erstellt: 10.10.2017, 08:34 Uhr

Juso reicht Strafanzeige ein

Während der Demonstration von letztem Freitag in der Stadt Bern wurde offenbar ein Mitglied der JUSO von der Kantonspolizei gezwungen, Beweismaterial zu löschen. Die Videoaufnahmen sollten "die rabiate Festhaltung einer Drittperson" zeigen, wie die JUSO gegenüber dem Bund sagte.

Nun reicht die Jungpartei Strafanzeige ein, wie Beni Stückelberger von der JUSO heute dem Bund gegenüber bestätigt.

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