Als die Berner Farbe bekannten

Was hat es mit der Legende um die farbigen Strassenschilder in Berns Altstadt auf sich? Sind sie tatsächlich Relikte vergangener Tage oder doch nur der neuzeitliche Versuch, die Stadt zu verschönern?

Rund 360 Emailleschilder weisen noch heute in Berns Innenstadt den Weg. (Valérie Chételat)

Rund 360 Emailleschilder weisen noch heute in Berns Innenstadt den Weg. (Valérie Chételat)

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In der Stadt Bern sind alle Strassenschilder blau. Stimmt – aber nicht in der Altstadt. Hier sind die Schilder nämlich alles andere als blau: weiss, schwarz, grün, rot, gelb. Einer Legende zufolge gehen die Farbschilder auf 1798 zurück – das Jahr, als die napoleonischen Truppen in Bern einmarschierten. Die Besatzer hätten sich mit der Farbeinteilung angeblich eine Orientierungshilfe in der bis dahin nur teilweise ausgeschilderten heutigen Altstadt schaffen wollen: damit die Soldaten nach den Trinkgelagen den Weg ins Nachtquartier finden konnten. Handelt es sich bei dieser Erklärung lediglich um eine hübsche Anekdote oder tatsächlich um den Hintergrund der aussergewöhnlichen Beschilderung?

Schilder auf Geheiss der Besatzer

Fakt ist, dass das Quartieramt dem Maler Franz Niklaus König am 8. April 1798 den Auftrag erteilte, Strassenschilder für die fünf Stadtteile anzufertigen – und zwar in verschiedenen Farben. Die Idee dazu hatte jedoch nicht die hiesige
Munizipalität, sondern der Oberkommandierende der französischen Invasionstruppen, General Schauenburg.

König nahm sich des Auftrags an und wählte für die Schilder die Farben Grün, Rot und Gold, angelehnt an die 1799 offiziell als neue Nationalflagge eingeführte helvetische Trikolore. Der oberste Teil der Stadt wurde in der Folge mit roten Schildern versehen, stadtabwärts gefolgt von grünen und goldfarbenen Schildern, wobei die beiden verbleibenden Stadtteile weiss und schwarz ausgeschildert wurden – ganz im Sinne der Franzosen.

Ganz im Sinne der Franzosen? König wählte zwar die Farben der Trikolore, nicht aber deren Farbabfolge. Mit der gewählten Abfolge Rot-Grün-Gold folgte er vielmehr den Farben der Gesellschaft junger Burger der Stadt Bern, dem sogenannten Äusseren Stand. Die Institution wurde zwar mit dem Niedergang der Alten Eidgenossenschaft aufgelöst, das durch die Gesellschaft genutzte Gebäude an der Zeughausgasse 17 überdauerte aber bis heute. 1848 diente es gar als Kulisse für einen der wohl wichtigsten staatspolitischen Akte nach der feindlichen Besatzung 50 Jahre zuvor: Die Tagsatzung beschloss im Äusseren Stand die erste Schweizer Bundesverfassung, 1999 stellte der Bundesrat dort die neuste Revision der Verfassung vor.

500 bis 750 Franken pro Schild

Noch heute zieren rund 360 Emailleschilder die Hausmauern der Altstadt. Anders als die herkömmlichen Strassenschilder mit weisser Schrift auf blauem Grund sind die farbigen Strassenschilder Einzelanfertigungen. Muss eines der Schilder ersetzt werden, so wird ein neues Schild in Handarbeit gefertigt. «Ein solches Schild kostet zwischen 500 und 750 Franken», erklärt Stephan Meyer, Leiter Signalisation beim Tiefbauamt. Hinzu kommen die Montagekosten. Dank vandalensicherer Verschraubung müssten pro Jahr nur eine Handvoll neue Tafeln bestellt werden.

Anders sieht es bei den herkömmlichen Strassenschildern aus: «Von den gewöhnlichen Strassenschildern müssen wir zwischen 100 und 200 Stück pro Jahr auswechseln.» Nicht dass die Schilder ihre Lebensdauer erreicht hätten: Sprayereien und Aufkleber zwingen das Tiefbauamt zur Neuanschaffung. Im Gegensatz zu den Emailleschildern bestehen die Strassenschilder der Aussenquartiere nicht aus Stahlblech, sondern aus Aluminium. Einmal auf die benötigte Länge zugeschnitten, wird das Rohaluminium mit einer Reflexionsfolie und einer blauen, durchsichtigen Folie versehen. Wie bei einem Scherenschnitt werden die Buchstaben anschliessend ausgeschnitten, sodass der Strassenname in Weiss auf blauem Grund erscheint. Der wesentlich einfachere Herstellungsprozess bei dieser Art Strassenschild schlägt sich im Preis nieder. Ein einseitig bedrucktes Schild von 80 Zentimetern Länge kostet fixfertig inklusive Befestigung 200 Franken. Bei zweiseitigem Druck sind die Kosten mit 250 Franken nur minim höher.

Quelle: Wie die Stadthäuser zu ihren Nummern und die Stadt zu ihren Quartieren mit den Farben kam. Christian Eduard Schmocker 2009. (Der Bund)

Erstellt: 19.07.2010, 15:17 Uhr

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