«We love Techno» fliegt aus der Grossen Halle

Die Trägerschaft der Grossen Halle konnte mit den «Wohlstandsverwahrlosten» eine Einigung erzielen. Im neuen Konzept haben Technopartys keinen Platz mehr.

Die Besetzer und Betreiber der grossen Halle haben sich anscheinend gefunden.

Die Besetzer und Betreiber der grossen Halle haben sich anscheinend gefunden. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Der Spuk ist vorbei. Die Besetzer, bekannt unter dem Namen die «Wohlstandsverwahrlosten», verlassen die Grosse Halle der Berner Reitschule. Ab Mai kann das Programm wieder wie vorgesehen durchgeführt werden. Und auch für die künftige Programmation ist die offizielle Leitung und nicht die Besetzer zuständig.

Ganz ohne Zugeständnisse zogen die Besetzer aber nicht ab, wie Luzius Engel, Co-Leiter der Grossen Halle, auf Anfrage ausführt. «Sie dürfen die Infrastruktur nutzen, wenn keine Veranstaltungen von uns geplant sind.» Zudem habe man ihnen angeboten, über mögliche Formen der Zusammenarbeit im Gespräch zu bleiben und eine Person in den Vorstand der Grossen Halle aufzunehmen. Ob die Besetzer dies auch tatsächlich tun, ist noch unklar. Eine Anfrage des «Bund» liessen die «Wohlstandsverwahrlosten» am Dienstag unbeantwortet.

Als die Besetzer die Halle in Beschlag nahmen, erläuterten sie ihre Beweggründe in mehreren Interviews – etwa im «Megafon», der Zeitschrift der Reitschule. Darin übten sie Kritik an Lohnarbeit im Kulturzentrum, die eine Kommerzialisierung des Kulturbetriebs mit sich brächte.

Wie verhandelt es sich mit Personen, die solch radikale Positionen vertreten? Engel lacht. «Die Besetzer haben sich empfänglich für unsere Argumente gezeigt», sagt er. Man sei den Besetzern aber auch entgegengekommen und habe versucht, die ungewöhnliche Intervention als «konstruktive Kritik» anzunehmen. «Die Besetzer haben viel Energie, Kreativität und sehr, sehr hohe Ideale.» Einige davon teile man auch.

War am Ende also alles halb so wild? Marco Rosser widerspricht. Rosser, der mit seiner Firma die «We love Techno»-Partys in der Grossen Halle organisierte, fühlt sich als «Bauernopfer» der Besetzung. Am Montag kündigte die Trägerschaft der Grossen Halle die Zusammenarbeit unerwartet. Die Stellungnahme, die er dem «Bund» zukommen liess, tönt zerknirscht. Man habe stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und auch die «exzentrischen und teilweise übertriebenen» Forderungen aus dem «Raum Reitschule» erfüllt, heisst es etwa.

Wie Engel sagt, bedauert auch die Grosse Halle das Ende der Zusammenarbeit. «Wir sind aber nach den vergangenen Ereignissen und vielen Gesprächen zum Schluss gekommen, dass solche Technopartys sich nicht mit dem Umfeld vereinen lassen.» Der Entscheid sei aber nicht auf Druck der Besetzer gefällt worden. (Der Bund)

Erstellt: 24.04.2018, 08:03 Uhr

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