«Die Parkgebühr wird fehlen»

Ginge es nach Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), würde der Parkplatz auf Berns Schützenmatte aufgehoben. Gewerbler und Bürgerliche sind nicht erfreut.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schützenmatte ist derzeit kein Parkplatz. Seit fast zwei Monaten läuft dort das Experiment Neustadtlab. Gestern hat Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) Bilanz gezogen: «Den Parkplatz hat niemand vermisst.» Die Testphase habe gezeigt, dass es auch ohne die Schützenmatte genügend Abstellplätze in der Innenstadt gebe. «Ich habe deswegen keine einzige E-Mail-Reklamation erhalten», so Tschäppät – und er bekomme jeweils schnell einmal Beschwerdeschreiben. Auch seien befürchtete Staus oder überlastete Parkhäuser ausgeblieben.

Schütz dient auch Reisebussen

Nicht dieser Meinung ist man bei der Sektion Bern des TCS: «Die Tatsache, dass es keinen Aufschrei gegeben hat, heisst nicht automatisch, dass niemand die Parkmöglichkeiten auf der Schützenmatte vermisst hat», sagt Pressesprecher Stefan Kohler. «Eine repräsentative Umfrage, die eine solche Aussage stützt, wurde unseres Wissens von der Stadt bisher nicht präsentiert.» Weiter stört sich Kohler am Wegfall der Plätze für Reisebusse: «Die Carunternehmen sind darauf angewiesen, dass Passagiere zentrumsnah ein- und aussteigen können.» Das Ausweichen auf die Hodlerstrasse sei kein idealer Ersatz für die Schützenmatte, findet der TCS. «Hier ist die Stadt Bern gefordert, will sie auch in Zukunft für Cartouristen und Busunternehmen attraktiv bleiben.»

Über Tschäppäts Aussage regt sich auch SVP-Stadtrat Alexander Feuz auf: «Besonders der Steuerzahler wird den Platz vermissen, denn jährlich spülen die Parkuhren der Stadt 500'000 Franken in die Kasse.» Er vertrete keineswegs die Meinung, dass der Ort für alle Zeit unbedingt als Parkplatz genützt werde müsse. «Aber solange dort nicht gebaut wird, muss er bleiben», sagt Feuz. Zudem werde im Herbst und Winter ein leerer Platz kaum anderweitig genützt, doch die ausfallenden Erlöse seien schmerzhaft, so der Stadtrat.

«Parkplätze vermisst niemand»

Anders sieht es Franziska Grossenbacher (GB): Sie hat in einer Motion die Reduktion der öffentlich zugänglichen Parkplätze um zehn Prozent gefordert. «Es hat zu viele Parkplätze in der Stadt», sagt sie. Das Projekt auf der Schütz zeige exemplarisch, dass man den Platz anders gebrauchen könne.

Für Thomas Balmer, Präsident Gewerbeverband KMU Stadt Bern, handelt die Stadt leichtfertig: «Mit der Aufhebung des Parkplatzes drängt der Gemeinderat die Besucher aus der Stadt.» Heute habe jedes Einkaufszentrum Parkiermöglichkeiten, was Kunden und Touristen auch schätzten. Tschäppät stellte gestern in Aussicht, dass für die auf der Schütz wegfallenden Parkfelder die Kapazität im Parkhaus Neufeld erhöht werde. Dies stimmt Balmer nicht milder: «Das ist keine Lösung. Wenn der Gemeinderat wirklich die Aufhebung vornimmt, werden wir die juristischen Mittel prüfen.»

Keine Auswirkung auf Parkhäuser

Wo die Autofahrer während der Sperrung der Schütz ihre Fahrzeuge abstellten, ist ungewiss: Die Parkhäuser City-West, Rathaus und Casino stellten in den letzten beiden Monaten keine erhöhte Belegung fest. Einzig beim Metro-Parking am Waisenhausplatz hiess es auf Anfrage, man habe wegen der Schütz eine leicht erhöhte Besucherzahl festgestellt. Marktfahrer hätten dienstags und samstags vermehrt das Parkhaus benützt. Die Rede ist etwa von zwanzig Fahrzeugen, die im 480-plätzigen Parkhaus nur einen kleinen Teil beanspruchten. Auch beim Betreiber des Carparkplatzes im Neufeld war kein Mehrverkehr feststellbar: «Wir haben praktisch keine Auswirkungen gespürt», sagt Stefan Huwyler, Geschäftsführer des Car-Terminals Neufeld. (Der Bund)

Erstellt: 26.09.2015, 08:22 Uhr

Artikel zum Thema

«Keiner vermisst den Parkplatz auf der Schütz»

Der Parkplatz könnte künftig einer grünen Oase weichen. Stadtpräsident Alexander Tschäppät hofft darauf. Mehr...

Nicht alle Wünsche wunschgemäss beachtet

Am Wochenende startet auf der Berner Schützenmatte das Projekt «Neustadtlab». Kritiker monieren, die Vorschläge der Bürger seien von der Stadt zu wenig beachtet worden. Mehr...

Das braucht die Schütz

Der Hauptstädter Broncos-Loge, Enzian-Trainingsgelände oder Luxusparkplatz? Der «Hauptstädter» zeigt auf, welche Ideen auf der Schützenmatte eigentlich ausprobiert werden müssten. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Auch ein Rücken kann entzücken: Ein Elefant zeigt sich im Joburg Zoo in Johannesburg nicht gerade von der besten Seite (18. August 2017).
(Bild: Kim Ludbrook) Mehr...