«Mit Rassismusvorwürfen hatten wir in Bern eigentlich nie zu kämpfen»

Nach fünf Jahren gibt Daniel Graf sein Präsidium der Berner Fasnacht ab und zieht eine positive Bilanz. Einzig alkoholisierte Jugendliche bereiten ihm Sorgen.

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Herr Graf, Sie waren fünf Jahre Präsident des Vereins «Bärner Fasnacht». Warum treten Sie ab?
Das ist geschäftlich bedingt. Die Doppelbelastung mit Arbeit und dem Verein ist hoch, und wenn ich etwas mache, möchte ich dies auch zu hundert Prozent. Das kann ich im Moment aber nicht bei beidem. Den Verein zu bremsen, ist das Letzte, was ich will, deshalb braucht es meiner Meinung nach eine neue Person, die das Präsidium übernehmen will. Wer das sein wird, wird im Frühling an der Vereinsversammlung auskommen.

Wie lautet Ihre Bilanz zur diesjährigen Fasnacht?
Es war eine sehr «zufriedene» Fasnacht. Mich freut vor allem, dass am Donnerstag auf dem Bärenplatz, wenn der Bär aus dem Winterschlaf befreit wird, viele Leute anwesend waren. Auch am Umzug am Samstag waren massiv mehr Zuschauerinnen und Zuschauer anwesend als an den letzten zwei Vorjahren. Nur der Samstagabend ist manchmal ein Wermutstropfen, weil alkoholisierte Jugendliche die Fasnacht mit einer Partymeile verwechseln, denn die Fasnacht sollte kein Besäufnis sein. Das ist nicht Sinn und Zweck der Fasnacht.

Aber auch die Fasnächtler trinken bestimmt etwas?
Ja, natürlich kann man auch etwas trinken. Aber es geht nicht darum, sich sinnlos zu betrinken, sondern um das freundschaftliche Miteinander, das gemeinsame Musizieren und – was oft neben der lauten Musik vergessen geht – um das gemeinsame Diskutieren.

Hat sich während ihrer 22-jährigen Mitgliedschaft und Ihres Präsidiums die Berner Fasnacht verändert?
Tendenziell ist ein kleiner Rückgang bei der Teilnehmerzahl zu beobachten – nicht nur bei den Guggen, sondern auch bei den Zuschauern und den Gästen, die erst am Abend kommen. Dennoch ist auch ein kleiner Wandel eingetreten: Es kommen wieder mehr Personen zu den eher traditionellen, gemütlicheren Fasnachtsanlässen wie der Bärenbefreiung und dem Umzug. Dafür geht die Teilnehmerzahl am Samstagabend auf Sonntag eher zurück. Es gab zwar eine Phase, in der es zu mehr Radau an der Fasnacht kam, aber diese Aggressivität haben wir zum Glück wieder aus den Gassen verbannt. Das einzige Problem heute sind, wie bereits erwähnt, die Jugendlichen, die sich manchmal nicht im Griff haben.

Haben sich auch die Kostüme verändert?
Die Kostüme haben sich nicht verändert meiner Meinung nach. Jung und Alt verkleiden sich immer noch gerne und pflegen diese Tradition. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich tendenziös auch die jungen Leute wieder gern kostümieren. Ich habe am Samstagabend im letzten Tram eine Gruppe Jugendlicher gesehen, die sangen und tanzten, und viele andere, die tolle Kostüme trugen – so sollte es sein. Es freut mich, dass junge Leute das wieder zu leben anfangen.

An der Schwyzer Fasnacht war heuer eine Gruppe mit Ku-Klux-Klan-Kostümen unterwegs. Immer noch Satire oder ein No-go?
Ich finde das viel zu übertrieben, so ein Thema gehört nicht an eine Fasnacht. An der Fasnacht geht es natürlich um das Närrische und um die Satire, aber wie überall gibt es auch da Grenzen des Lustigen. Die Berner sind in dieser Hinsicht zurückhaltend und wenig provokativ. Mit Rassismusvorwürfen hatten wir in Bern eigentlich nie zu kämpfen.

In der Altstadt wollen einige Lokale nicht mit dem Verein Berner Fasnacht zusammenarbeiten. Werden Berner Beizen zunehmend fasnachtsfeindlich?
Obwohl die Beizen wirtschaftlich vom Fasnachtsspektakel profitieren, möchten einige der Beizen nicht mit unserem Verein zusammenarbeiten. Sie scheinen Angst zu haben vor dem Rummel und dem Lärm, aber ich habe noch nie von randalierenden Guggen gehört. Alle Lokale, die Guggen auftreten lassen, geben uns eine positive Rückmeldung. Ich glaube, die anderen Gastronomen brauchen einfach noch Zeit, um die Skepsis abzulegen.

Der Bund

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