Mieten sinken – aber nicht in Bern

Allein im Kanton Bern gibt es über 10'000 leere Wohnungen. Aber in der Stadt Bern bleiben sie knapp. Deshalb geht der Trend zu sinkenden Mieten an ihr vorüber.

Durch die Negativzinsen sind Immobilien für institutionelle Anleger attraktiver geworden.

Durch die Negativzinsen sind Immobilien für institutionelle Anleger attraktiver geworden.

(Bild: (Archiv))

Christoph Aebischer@cab1ane

Dass Wohnungen nicht dort entstehen, wo sie benötigt werden, hängt mit einer Ausnahmesituation auf dem Anlagemarkt zusammen. Im Umfeld negativer Zinsen versprechen fast nur noch Immobilien ansprechende Renditen für institutionelle Anleger. Darum schiessen weiterhin Neubauten aus dem Boden, wo nur mit Mühe Mieter gefunden werden können.

Das könnte sich nun ändern: Noch nie gab es in Schweizer Grossstädten mehr Gesuche für den Bau von Mietwohnungen als 2018. Wenigstens seit der Wohnungsmarkt im Jahr 2000 systematisch beobachtet wird. Deshalb werde die Wohnungsknappheit auch in Zentrumslagen abnehmen, schreibt Wüest Partner. Und als Folge würden auch die Mieten sinken. Die grösste Entspannung erwartet das Beratungsbüro im Grossraum Zürich, am Genfersee, im Wallis und im Tessin - am wenigsten im Kanton Bern. Laut Wüest Partner wird die Mietpreisreduktion halb so hoch ausfallen wie in Zürich. Dies, obwohl über 10'000 Wohnungen leer stehen.

Allerdings befinden sich diese Wohnungen hauptsächlich im Oberaargau und am Jurasüdfuss, nicht in Bern, wo die Nachfrage am höchsten ist. Mit einer Leerstandsquote von 0,5 Prozent ist die Situation in der Hauptstadt weiterhin angespannt. Darum ist es für Jürg Sollberger, Präsident der Wohnbaugenossenschaften Bern-Solothurn, richtig, wenn Bern preisgünstigen Wohnungsbau fördert.

Warten auf das Bundesgericht

Das Stimmvolk hat die Stadt 2014 mit der Annahme der Volksinitiative «Für bezahlbaren Wohnraum» mit grosser Mehrheit damit beauftragt. Beim Hauseigentümerverband Bern und Umgebung, der die Umsetzung mit einer beim Bundesgericht hängigen Beschwerde bekämpft, sieht man das anders. Es gebe in jedem Preissegment zu wenig Wohnungen. Angesichts der leeren Wohnungen ausserhalb der Zentren sei es fragwürdig, wenn mit öffentlichen Geldern gegen die «vermeintliche Wohnungsnot» vorgegangen werde.

Wüest Partner geht davon aus, dass die Leerstände bei Mietwohnungen in peripheren Regionen weiterhin zunehmen. Weil parallel dazu erschwingliche Einfamilienhäuser nur mehr fernab der Zentren erhältlich seien, nähmen Käufer und Mieter längere Pendlerdistanzen in Kauf. erhältlich seien, nähmen Käufer und Mieter längere Pendlerdistanzen in Kauf.

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