«Mein Auto ist auf das Notwendigste beschränkt»

Beifahrer, Hund, Gepäck und Zelt: Im E-Dreiräder von Maya Schnyder hat all das Platz.

Mit dem Twike findet sich fast immer ein Parkplatz.

Mit dem Twike findet sich fast immer ein Parkplatz.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Thönen@SimonThoenen

Das Elektroauto von Maya Schnyder kann nur zwei Personen transportieren. Aber der Dreiräder ist schnittig, leicht, klein und sparsam im Verbrauch. Es ist ein Twike 3, die momentan noch aktuellste Version der futuristischen Schweizer Erfindung, die in den 1980er-Jahren viel Aufmerksamkeit genossen hatte.

Ursprünglich war Twike ein Liegevelo in der Form eines ultraleichten Autos. Auch im Twike 3 haben Fahrerin und Beifahrer Pedale vor den Füssen. Allein mit Muskelkraft kommt das Gefährt jedoch nicht mehr voran. Man kann aber weiterhin mit Strampeln die Batterie schonen und die Reichweite des Elektrogefährts erhöhen.

«Das Twike hat alles, was ein Auto ausmacht, aber beschränkt auf das wirklich Notwendige», sagt Schnyder. Mit seiner Spitzengeschwindigkeit von 85 Stundenkilometern darf es sogar auf Autobahnen verkehren. Nur die Heizung – ein Energiefresser in Autos – fehlt. Sie ist überflüssig. «Wenn man pedalt, hat man sehr schnell wieder warm.»

Klar: Ein Familienauto ist das Twike nicht. Aber Ferien als Paar sind, so Schnyder, kein Problem. «Beifahrer, Hund, Gepäck und Zelt, das hat alles Platz.» Je nach gewählter Batterie beträgt die Reichweite 80 bis 400 Kilometer mit einer Ladung – mit Pedalunterstützung auch mehr.

Die Vorteile des Twikes sind vor allem im Stadtverkehr offensichtlich. Schnyder parkiert ihr Auto auf einem extrem schmalen Streifen beim Bau + Hobby Bethlehem. Auf der Strasse braucht das nur 1,2 Meter breite Gefährt ebenfalls wenig Platz. Auch wenn Velo­streifen in Bern künftig breiter werden – für Twikes wird es immer genug Raum auf der Strasse geben.

Tempo 190 mit dem Twike 5

Das Twike 3 wird in Deutschland weiterhin produziert, doch es ging nie in die eigentliche Massenproduktion. Entsprechend teuer ist es. Ein neues Gefährt kostet in der einfachsten Variante 35000 Franken (Verbrauch und Unterhalt sind allerdings kostengünstig).

In der Schweiz, dem Land seiner Erfinder, verkehren rund 500 Twikes. Schnyder kennt viele von ihnen, weil sie sie in ihrer Twikestation im Berner Quartier Ausserholligen repariert hat. Sie, die Schwester von einem der Erfinder, hat Twike vor 17 Jahren zu ihrem Beruf gemacht.

Der deutsche Hersteller Fine Mobile GmbH will ein Modell Twike 5 produzieren (Twike 4 war nur ein Prototyp). Eine Crowdfinanzierung soll dies ermöglichen. Das Twike 5 ist immer noch leicht und sparsam, wird aber laut Hersteller eine Spitzengeschwindigkeit von 190 Stundenkilometern und eine Reichweite von 500 Kilometern erreichen.

Schnyder allerdings wird die Twike 5, so sie denn produziert werden, nicht mehr reparieren. «Das werden herkömmliche Garagen tun, das Twike 5 entspricht von den Bestandteilen her eher einem Auto», sagt sie. So sieht das neue Modell auch aus, obwohl es immer noch ein Dreiräder mit Pedalen ist. Solange aber eine industrielle Fabrikation in hohen Stückzahlen ausbleibt, dürfte es auch dieses Modell auf dem relevanten Massenmarkt schwer haben.

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