Polizeieinsatz bei illegaler Party in der Stadt Bern

Beim Einsatz wurden sechs Beamte verletzt. Dass in leerstehenden Häusern gefeiert wird, ist nicht neu – Hauseigentümer sind dennoch nicht alarmiert.

Nach der Party kehrte wieder Ruhe ein an der Laupenstrasse.

Nach der Party kehrte wieder Ruhe ein an der Laupenstrasse.

(Bild: spr)

Es begann alles mit einer SMS: Am Samstagabend kursierten unter Berner Jugendlichen Textnachrichten, wonach eine sich im Umbau befindende Liegenschaft an der Laupenstrasse besetzt worden sei. Man wurde eingeladen, im Gebäude direkt beim Berner Bahnhof feiern zu kommen. Bei der Besetzung handelte es sich um eine so genannte Sauvage, also eine temporäre Partybesetzung. Früher befand sich dort, wo gestern getanzt wurde, das Geschäft Italfruit. Im Sommer 2016 schloss der Gross- und Detailhändler (lesen Sie hier, warum der Früchtelieferant das Geschäft aufgab).

Während drinnen zu elektronischer Musik getanzt wurde, wollten einige der Gäste im Bereich der Geleise sprayen, wie ein Augenzeuge vor Ort berichtet. Die Polizei hat zwei der Sprayer erwischt, doch diese liessen sich nicht so leicht festnehmen: Bei der Anhaltung wurde die Polizei laut eigener Mitteilung mit Steinen und Pyrotechnika angegriffen. Dabei wurden sechs Beamte verletzt, sie mussten sich teilweise in ärztliche Kontrolle begeben.

Da wurde die Party von den Besetzern beendet, worauf sich um 2 Uhr morgens ein Umzug mit mehreren hundert Personen formierte. Dieser verlief weitgehend friedlich, ein Einsatzfahrzeug der Polizei wurde jedoch beschädigt. Der Umzug löste sich schliesslich auf der Schützenmatte auf. Die Polizei hat nun Ermittlungen aufgenommen, insbesondere zu den gewalttätigen Vorfällen auf den Geleisen.

Nicht die erste Sauvage

Zu unbewilligten Partys in kurzzeitig besetzten Häusern kommt es in Bern immer wieder. In der Regel ist es die Polizei, die diese illegalen Partys auflöst. So beendeten Polizisten zuletzt im April eine Feier, die in einem unbewohnten Haus an der Bümplizstrasse stieg ( lesen Sie hier, wie die letzte Sauvage verlief). Vor drei Jahren kam es nach einem weitgehend friedlichen Fest am Berner Warmbächliweg zur Krawallnacht (lesen Sie hier, welche Folgen die damaligen Krawalle hatten).

Hauseigentümer sind gelassen

«Das Phänomen ist nicht neu, aber selten», sagt Adrian Haas, Präsident des Hauseigentümerverbands, auf Anfrage. Deswegen seien Liegenschaftseigentümer nicht alarmiert nach der letzten Nacht, meint Haas. «Gerade in der Stadt Bern gibt es nicht viele leerstehende Häuser, wo solche Partys stattfinden können.» Stehen Liegenschaften leer, sei es aufgrund von Mieterwechseln oder Umbauarbeiten. «Weiss ein Eigentümer, dass der Leerstand länger dauern wird, sucht er nach einer Lösung, wie die Räume zwischengenutzt werden können», sagt Haas. Zum Beispiel durch eine gewerbliche Nutzung, einen Lagerraum oder eine Band, die einen Proberaum benötigt.

cgg/spr

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