Mehr Nachtzüge ab Bern - kosten darf es aber nicht

Der Grosse Rat will, dass sich die Berner Regierung für Nachtzugverbindungen ab Bern einsetzt. Eine allfällige finanzielle Unterstützung solcher Linien lehnt er aber ab.

Schlafend reisen: Nachtzüge sollen wieder vermehrt ab Bern fahren, wenn es nach dem bernischen Grossen Rat geht.

Schlafend reisen: Nachtzüge sollen wieder vermehrt ab Bern fahren, wenn es nach dem bernischen Grossen Rat geht.

(Bild: Keystone)

Das Kantonsparlament hiess am Dienstag diejenigen Punkte einer SP-Motion einhellig gut, die den Regierungsrat beauftragt, das Gespräch mit den Bahnunternehmen SBB, BLS und der österreichischen ÖBB zu suchen. Auch soll geprüft werden, ob eine Zusammenarbeit mit anderen Schweizer Städten ausserhalb Berns sinnvoll ist. Die Regierung zeigte sich bereit, den Handlungsspielraum abzuklären. Mit den SBB habe man bereits Kontakt aufgenommen, sagte Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) im Rat. Eine Finanzierung von Nachtzug-Linien sei jedoch Sache der Bahnunternehmen, betonte Neuhaus.

Dies sah auch eine Mehrheit des Rates so und lehnte es mit 82 zu 65 Stimmen ab zu prüfen, inwiefern neue Linien finanziell unterstützt könnten. Der letzte Nachtzug ab Bern verkehrte bis 2013 nach Amsterdam. Ende 2012 war die Nachtzugsverbindung Zürich-Bern-Barcelona eingestellt worden, einige Jahre zuvor die Nachtzüge über die Lötschbergachse Richtung Rom. Gründe waren die Konkurrenz durch Billigflüge sowie schnellere Tagesverbindungen mit Hochgeschwindigkeitszügen.

SBB und ÖBB mit Ausbauplänen

Im August gaben SBB und ÖBB bekannt, ihr Angebot sowohl im Tages- wie im Nachtverkehr ausbauen zu wollen - so auf der Strecke zwischen Zürich, Bregenz und München. Zwischen Zürich-Basel und Berlin sowie Hamburg wird aufgrund gesteigerter Nachfrage eine Kapazitätserweiterung geprüft. Auch sollen weitere europäische Städte in das gemeinsame Nightjet-Netz aufgenommen und mit der Schweiz verbunden werden, hiess es seitens SBB und ÖBB.

Beide Bahnunternehmen wollen sich für bessere verkehrspolitische Rahmenbedingungen für den Betrieb von Nachtzügen einsetzen, zum Beispiel über die finanzielle Förderung der Nachtzüge mit CO2-Abgaben sowie über eine Entlastung bei den anfallenden Betriebskosten wie Trassennutzungsgebühren. Die Deutsche Bahn (DB) hatte Ende 2016 die City Night Line - ihre Züge mit Schlaf- und Liegewagen - komplett eingestellt. Bei 90 Millionen Euro Jahresumsatz hatte der bundeseigene Konzern mit diesem Angebot zuletzt 30 Millionen Euro Verlust gemacht.

mon/sda

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