Mehr Freiheit im Berner Beizen-Sommer

Trotz Lärmklagen darf die Brasserie Lorraine heuer vier Aussenkonzerte durchführen. Die Berner Gewerbepolizei spricht von einem Pilotversuch.

Amtlich bewilligt: Im Garten der Brasserie Lorraine gibt es in diesem Sommer vier Sommerkonzerte.

Amtlich bewilligt: Im Garten der Brasserie Lorraine gibt es in diesem Sommer vier Sommerkonzerte.

(Bild: Franzikslka Rothenbühler)

Im Hitzesommer 2018 hatte es schlecht ausgesehen für die beliebten Sommerkonzerte in der Berner Brasserie Lorraine: Wegen Lärmklagen aus der Nachbarschaft hatten die Behörden der Veranstaltungsreihe Anfang August den Stecker gezogen. Die bereits gebuchten Bands mussten im wenig sommerlichen Inneren der Quartierbeiz auftreten.

Bis dahin hatte die Konzertreihe während acht Jahren ohne Bewilligung stattgefunden – die Stadtberner Orts- und Gewerbepolizei hatte davon keine Kenntnis und legte ihr Veto erst ein, nachdem es zu den Lärmklagen gekommen war. Auch ein Bewilligungsgesuch wäre noch im letzten Sommer aber keine Lösung gewesen, da die Gewerbepolizei einem Gastrobetrieb in der Praxis bis dahin höchstens einmal jährlich eine Ausnahmebewilligung erteilte – so jedenfalls liess sich damals der Leiter der Orts- und Gewerbepolizei, Norbert Esseiva, zitieren.

Doch nun hat bei der Behörde offenbar ein Umdenken stattgefunden: Esseiva bestätigte auf Anfrage, dass die Orts- und Gewerbepolizei für den kommenden Sommer vier Aussenkonzerte in der «Brass» bewilligt habe, stattfinden sollen sie zwischen Juni und September jeweils am ersten oder zweiten Montag des Monats. Die Auflagen der Behörde sehen vor, dass Musik respektive der Einsatz von Lautsprechern jeweils auf die Zeit von 20 bis 22.00 Uhr limitiert ist.

«Ein Pilotprojekt»

«Bei den Konzerten handelt es sich um ein Pilotprojekt», sagt Esseiva zum «Bund», die Bewilligung sei ohne Präjudiz für die kommenden Jahre ausgesprochen worden. Nach der Konzertreihe werde man die Lage neu beurteilen. Gebe es erneut Reklamationen aus der Nachbarschaft, müsste man eventuell die Auflagen zu Häufigkeit und Dauer der Konzerte oder bezüglich Lautsprechereinsatz anpassen.

Laut Esseiva sind die Ausnahmebewilligungen für die «Brass» im Zusammenhang mit dem immer lauter werdenden Drängen nach einer liberaleren Bewilligungspraxis für sommerliche Veranstaltungen im Freien und im Rahmen von Pop-up-Bars zu sehen. Eine ähnliche sogenannte Lautsprecherbewilligung sei für die Zwischennutzung Schützenmatte erteilt worden.

Im Fall der «Brass» hatten im August 2018 mehr als 1000 Personen eine «Petition für eine kleine Nachtmusik» unterschrieben. Sie fordert von der Stadtregierung, ihre Entscheidkompetenzen auszunutzen und Kulturveranstaltern möglichst viel Spielraum zu ermöglichen.

Eine Antwort des Gemeinderats auf die Petition steht noch aus, es scheint aber klar, dass diese zugunsten der Petitionärinnen und Petitionäre ausfallen dürfte. Darauf deutet die Haltung des Gemeinderats zu einem hängigen Vorstoss im Stadtrat hin, der eine Liberalisierung der aus dem Jahr 1961 stammenden Lärmvorschriften fordert: In der Antwort stellt die Exekutive klar, dass sie das Reglement nicht mehr für zeitgemäss hält und es anpassen will. Auch im Stadtrat dürfte der Vorstoss voraussichtlich eine Mehrheit finden.

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